Der aufkommende, warme Schauer zog durch sein Mark und Bein. Francis' Hand an seinem Rücken, wie sie langsam hinauf glitt, zu seinem Nacken, der so unglaublich empfindlich, wie er war, sofort sich mit Gänsehaut überzog. Rion schloss für einen kurzen Moment die Augen, zog die Luft scharf durch seine Nasenlöcher in seine Lunge hinein. Francis war ihm so unglaublich, unausstehlich nah. Eben noch hatte er ihn so abgrundtief für seine Schwäche verabscheut, dass er ihn nur schlagen und bespucken wollte, doch nun konnte er sich kaum zurückhalten, nicht vor eigener Schwäche auf die Knie zu sinken wie ein wehrloses Reh. Er vermag es kaum, zu stehen. Seine Beine waren weich, er biss sich auf die Unterlippe, versuchte, sich das zittern zu verbieten. Doch Francis warme, raue Finger strichen durch sein Haar, als wollten sie ihn liebkosen.
Die Augen so geschlossen schossen Bilder durch seinen Kopf. Oh bitte, bitte. Lass mich los, fass mich nicht an! Ich kann nicht, kann mich nicht wehren, kann nicht stark sein. Er krallte die Finger in Francis Oberteil, lehnte den Kopf an seine Brust. Er seufzte. Dieser Moment gehörte ganz, ganz, ganz, ganz alleine ihm. Wenn er sich nur ausmalte, was er jetzt alles mit ihm tun wollte....
Hätte es nur die Anderen nicht gegeben. Würden sie nicht existieren. Würden sie einfach tot und brach in ihrem eigenen Blut daliegen, so wie sie es verdienten. Diese schwachen, dummen, leidigen Idioten. Hätte er ihn nur für sich alleine, ganz für sich alleine. Er würde ihn...
Rions Augen waren fest geschlossen. Heiss durch seine Adern schoss die Gier.
Packen, ihn zu sich herunterziehen. Seine Lippen auf die des Anderen drücken und ihn so voller Wut und Liebe küssen, ihm die Lippen zerbeissen, die Hand in seinen Nacken krallen und seinen Rücken blutig kratzen. Francis an sich drücken, bis ihre Körper so dicht waren, dass man den Schweiss des Anderen riechen, das Herz pochen spüren konnte. Das Hemd würde er ihm runterreissen und seine Brust küssen. Und dann.. dann würde er auf die Knie sinken, sich die schwitzigen Haare aus dem Gesicht streichen, Francis Hose öffnen. Würde seinen Schwanz lutschen, bis der Größere ihm in den Mund spritzen würde. Stöhnend, zitternd, sich in sein Haar krallend. Seine Zunge über den weichen, aufgepumpten Schaft gleiten zu lassen, darüber zu lecken, sein Ding ganz in den Mund zu nehmen, bis er fast brechen würde, dieser Gedanke... diese Vorstellung...
Rion wurde ganz schwindelig. Seine Hose wurde eng. Er verspannte sich, zog die Schultern unweigerlich hoch. "Lass mich... los...", stöhnte er fast schon heraus und drückte sich von Francis weg. Beschämt entwich er seinem Blick. Er schnaufte. Nur noch weg. Bitte, bitte lass mich fliehen. Wenn du auch nur eine Sekunde länger bei mir bist, weiss ich nicht, was ich tue. Francis.. Francis, wie er mich fickt. Francis.. und ich sitze auf seinen Lenden und ramme mir seinen Schwanz in mich hinein. Rion hielt sich an der gegenüberliegenden Wand fest. Scheisse.
"Wusste gar nicht, dass du so zäh bist und so kämpfen kannst, Ryan!"
"Sicher..... Moment... Moment...."
Sich des eigenen Stolzes, der so wie sein Hirn tief in seine Beckengegend gesunken war, erinnernd, stiess sich Rion hochgerötet von der Wand ab. Und starrte Francis an. Völlig, fast gleichgültig, sah der ihn an. Er kannte nicht mal seinen Namen. Rions Augen weiteten sich. Wut kochte in ihm auf. Er wusste nicht mal, wie er wirklich hiess. Und trotzdem... trotz allem, wenn er in diese dunklen Augen sah, wurde ihm schwindlig und er wollte weinen vor Sehnsucht. Warum, du Blödmann, kennst du nicht mal meinen Namen? Rion heisse ich doch, ist das so schwer für dich? Ist das so schwer zu verstehen? Wie man diesen Namen richtig ausspricht?
Francis nahm Schritt auf das Gebäude, zog Rion gegen seinen Willen mit. Rion weinte. Tränen des Zorns quollen aus seinen Augen. Er schlug Francis Arm, doch der hielt ihn fest.
"Das ist nicht mein Name! Merk dir, wie ich heisse... ich heisse....!"
Doch in diesem Moment blieb das Wort ihm im Halse stecken. Zig-Zag kotzte auf den Boden. Widerwärtig, geschwächt, zerschlagen wie er war, erbrach er sich einfach in seine Haare. Francis ging zu ihm. Rion rannten die Tränen das Gesicht herunter. Der Brite wandt das Gesicht ab. Er verliess den Raum.
Draußen sank er an der Hausmauer gen Boden. Stützte sein Gesicht auf seinen Knien und weinte. Bitterlich. Und schluchzte. Da drinnen konnte ihn doch sowieso kein Schwein hören. Francis hatte nur Augen für seine Kameraden. Er war so einer, so ein Typ, der für seine Freunde da war, der für seine Freunde sorgte und niemals sehen würde, was direkt vor seinem Gesicht war. Nämlich jemand, der sich wie nichts mehr auf der Welt nach ihm verzehrte. Aber tatsächlich - was konnte Rion ihm auch geben? Er verstand ihn nicht auf dieser Ebene, wie Ziggy oder Kya es taten. Er war so vollkommen anders als Francis. Niemals, niemals würde Francis sich nach ihm umdrehen,
Rion streckte die Beine aus. Die Sonne ging langsam unter. Bald würde es Nacht werden. Rion sah tränenverquollen hoch zum sich aufbreitenden Mond, schluckte die letzten, salzigen Tränen herunter.
"Schrecklich ist sie... diese Welt.... wie viel lieber wäre ich jetzt bei dir, dort oben.."
Er wischte sich übers Gesicht, Zog die Beine wieder an, legte den Kopf auf seinen dürren Gliedmassen ab. Und beschloss hiermit, Francis nicht mehr zu lieben. Egal was kommen würde. Das war falsch. Und würde ihn töten.
"Ich hab doch jemanden.... den ich mag.. und der mich mag.... und nur, weil du tot bist... heisst das nicht.. dass du nicht für mich da bist, nicht wahr?"
Er schloss die Augen. Max trat aus dem Haus heraus. Rion blickte hoch. Dann sah er wieder dem Himmel entgegen.
"Weisst du.... ich warte auf den Tag, an dem ich von all diesem Scheiss einfach erlöst werde. Einer sollte mich erschiessen. Aber es passiert einfach nicht....... es passiert einfach nicht..."
Er schloss erneut die Augen. Seine Stirnfransen waren nass vom Weinen geworden.
"Wir sind immer allein... es gibt niemanden... der einen ewig beschützt... darauf sollte man sich einstellen..."