Mittwoch, 27. Juli 2011

Rion - Satisfaction

Mit dem Rücken im Stroh liegend schloss er für kurz die Augen. Der Geruch des Heus war allgegenwärtig. Die einbrechende Nacht war kühl, es fröstelte ihn, so zog er den anderen eng an sich. Er vergrub das Gesicht an der starken Schulter.

Wohin würden seine Schritte ihn nur führen..
Lange Zeit war es her, da hatte seine Reise her, unendliche Weiten von Zeit lagen hinter ihm.. kaum konnte er sich erinnern, wie damals sein Weg ihn fortgeführt hatte, aus dem heiligen, sicheren Heim. Er rannte, rannte ewig, ohne das Zeil zu kennen, ohne es auch nur erahnen zu können. Auf der Flucht vor sich selbst, vor der brutalen Macht des Krieges schritt er durch Blutlachen, über die zerstückelten Leichen seiner Freunde, seiner Familie, der Menschen, die er einst liebte.

Rion schlang die Beine um den Leib des Anderen, küsste ihn, zog ihm das Hemd aus. Zog sich selbst den Pullover vom Leib. Mager war er und bleib, rein wie Schnee seine Haut. Seine Haut berührte die des Franzosen. Er presste sich an ihn, vergrub die Hand in den blonden Haaren und stöhnte ihm leis' ins Ohr. Ihm war warm und seine Wangen waren rosig, die Farbe von jungen, gerade aufgegangenen Blüten. Seinen Ständer presste er gegen den Schritt des Anderen.

Blut. Verderben. Zerstörte Leibe in den Sand gedrückt, Gras besudelt mit roter, klebriger Soße. Der Geruch von Schiesspulver in der Nase. Rennen, unendliches Rennen, davonrennen, überleben. Sag mir, dass du mich liebst, bevor du vor meinen Augen sterben könntest. Das Leben ist zu kurz, um an etwas festzuhalten. Wir alle sind Gefangene unserer selbst, wir alle sind so zerbrechlich, so sterblich.

Ihm war zum weinen zu Mute. Eigentlich. Trauer und Einsamkeit zerrissen sein Herz. Er wollte sich nicht fremden Männern an den Hals werfen, doch diese unendliche Tristesse in ihm war unstillbar und nicht zu besiegen, er wollte sie nur endlich verstummen lassen und seinen kläglichen Kummer und die Sehnsucht stillen. Tränen rannen aus seinen geschlossen Augen sein Gesicht herunter. Nackt lagen sie nun da und er strich über Jules' Nacken, durch sein schönes, blondes Haar. Verloren in diesem Gold liess er schliesslich los.
"Lass mich nichts mehr denken.."

Wie auf einem Tassenkarussel, dass sich zu schnell dreht.

Er spürte ihn in sich und schrie auf. Er presste ihn an sich, so fest er konnte, er rammte ihm die Fingernägel in den Rücken und biss ihm in die Schulter. Schmerzen, unendliche, widerwärtige, mit Lust getränkte Schmerzen, als sich die Hüften des Stärkeren anfingen zu bewegen. Jeder Stoss war wie eine Kugel in sein Hirn. Rion schmiss den Kopf zurück und verdrehte die Augen. Kein Gedanke mehr. Nichts mehr. Zitternd stöhnend, hoch gerötet, Schweiss, der seinen Körper hinaus in das stechende Heu floss. Fiel zu schnell kam er mit einem kurzen Aufschrei, als das warme Gift in ihn schoss. Den Nacken durchstreckend ergab er sich dem Moment. Liess sich hinuntersinken und hechelte nach Luft. Als sie sich lösten, rann das Blut in einem Rinnsal aus ihm heraus. Er schloss die Augen. Lächelnd drehte er sich auf die Seite.
"embrasse-moi.. j'ai froid.."
Leich zitternd rollte er sich zusammen, spürte warme Arme sich um ihn schlingen. Er schluchzte leise auf. Was konnte er eigentlich mehr verlangen..?

Dienstag, 26. Juli 2011

Kyanousch - Slow Motion

Der Blutgeruch hier in dem Haus wurde langsam unerträglich, er stieg Kya immer schamloser in die Nase. Es wurde dem Jungen langsam schwindelig, doch er blieb auf der Sofa sitzen. Kurz schloss er die Augen, um sich ein wenig auszuruhen, doch sein Kopfkino war bei weitem erschöpfender als das ruhige, stählern stille, stickige Wohnzimmer. Also machte er die Augen wieder auf und starrte die Tüte in seine Hand an. Der Ausdruck in seinen Augen war ganz anders als sonst. Es war nicht wie sonst, wenn er sich ganz anderswo befand. Man konnte sogar meinen, dass er sich zu tief in den Moment gesunken hatte. Zum ersten Mal vielleicht passte sein Gesichtsausdruck der Realität der Geschehen ganz.
Trotzdem bekam er Zigs Erwachen nicht richtig mit. Erst als der stechende Geruch des Erbrechens durch seine Nase bohrte, konnte er sehen, wie sein Dornröschen doch die Augen aufgemacht hatte und ihn liebevoll von sich weg schimpfte. Doch Kyanousch war ruhig, extrem ruhig. Vorsichtig legte er den Joint auf dem kleinen Abstelltisch neben der Sofa, ließ Francis zuerst an Ziggy heran und half dann dem Führer Adrenalins, ZigZag vom Boden zu holen und wieder auf die Sofa zu legen. Er vertraute diesen Leuten noch nicht ganz. Nachts schlief er sogar immer nur halb, damit er schnell aufwachen konnte, sollten sie ihm was antun wollen und er hatte auch für sich noch nicht beschlossen, dass er nun zu diesem kindisch bescheuerten Adrenalin gehörte. Und dennoch tat es tief im Innern weh, zu wissen, dass er nun beiseite stehen und nur zusehen musste, wie Francis mit Ziggy sprach und ihn beruhigte. Zu wissen, dass in dem Moment nur Francis als Freund bezeichnet wurde und er bloß ein verflixter Fremder war, tat irgendwie weh. Er wollte gerne Zig von seinem Kotze holen – da er am nächsten zu ihm saß, er wollte seinen Kopf in den Händen halten, ihn schelmisch angrinsen, zurück fluchen, den Joint anzünden und dem Grünkopf einen innigen Zug schenken. Aber warum sollte er etwas so dämliches wollen? Warum sollte er vortäuschen wollen, als wäre Zig sein Freund, während er ganz gut wusste, dass es nur Francis und Zig gab und keinen anderen?! 'Dämliche Träume, Kyanousch!', sagte er sich selbst und schüttelte gedanklich den Kopf.
Nun erschien wieder die rothaarige Figur und reichte Francis das feuchte Tuch. 'Hatten sie hier Wasser? Das könnte verdammt nützlich werden...', sein Kopf drehte schon wieder automatisch Richtung Überleben. Einen schweigsamen Blick warf er noch den beiden zu, dieses Mal etwas länger, als würde er überprüfen, ob noch was von Noten war, was er machen konnte. Kurz kreuzten sich sein Blick und der von Francis, der wieder sich und die Lage im Griff zu haben schien.
Kya sah ruhig aus aber viel mehr sah er plötzlich reif aus, reif und alt, viel älter als ein 17 jähriger Teenie. Nun ging er zu dem Abstelltisch, holte die Tüte, zündete diese an, ließ die rauchende Tüte wortlos in Francis' Hand und ging zu einem Fenster. Es stank in diesem Wohnzimmer einfach zu sehr. Also öffnete er dieses und Blickte kurz in die Nacht. Eine unheimliche Reife strahlte in seinen Augen, eine vielleicht beängstigende Reife sogar. Er schien wie ein Wanderer, der alle Nächte dieser Erde durchgewandert war, um heute hier zu sein. Das Fenster schloss er nun wieder, bevor es in dem Haus zu kalt wurde. Am Fenster ließ er sich dann nieder.
Dieser Bastarde Jules und Rion waren fort, musste er merken. Doch er war zu müde, um irgendwelche gedankliche Reaktion darauf zu haben. Er hatte zu viel Blut verloren, um immer noch energetisch in die Gegend zu laufen und diesen Briten darüber zu predigen, was es hieß, einer Gruppe anzugehören; eine Gruppe, der er selber angeblich noch nicht wirklich gehörte.
Das blutige Uniformhemd zog er aus. Auch wenn die Nächte kalt waren, wollte er keinen verfluchten Soldatenscheiß anhaben. Die Kelasch umklammernd legte er sich dann hin und schloss die Augen, er war müde; müde vom Wegrennen, müde von Soldaten, müde vom Töten.

Dienstag, 19. Juli 2011

Jules - kiss

Sein Vater, der alte Patriot hätte ihn hierfür sicherlich windelweich geprügelt. Jules amüsierte der Gedanke, dass sein älterer Bruder, der nun auf der Strasse verrottete so sehr nach ihrem alten Herrn kam.

Ein zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen, als er sah wie sich sein Beute ergeben im Heu niederlegte. Das zarte Wesen streckte die dünnen Beine von sich und in seinen Augen wurde Hoffnungslosigkeit und Scham allmählich von aufblitzender Gier verdrängt. Jules hatte nichts mehr zu verlieren und so wollte er wenigstens den armen, kleinen untervögelten Jungen noch einmal richtig flach legen, bevor er von dieser Welt schied.

Völlig uneigennützig also schob er seinen eigenen bereits erhitzten Körper an den Fremden heran, liess sich packen und küssen und ergab sich einen Moment lang völlig. Als Rion sich auf ihn setzte und im fahlen Mondlicht seine Augen kurz aufblitzten wurde Jules klar, dass er das Spielchen hier so lange hinauszögern durfte, wie er nur wollte. Ihm war nach spielen zumute.

Seine Hände glitten automatisch unter den Pullover des anderen und tasteten sich an der kühlen, weichen Haut voran als hätten sie noch nie einen anderen Mann berührt. Jules richtete sich auf, drängte Rion dabei zurück und begte sich schliesslich über ihn, als dieser im Heu lag. Immer noch lächelte er - und diesmal viel sanfter - als er dem Braunhaarigen einen Kuss aufzwang, ihm die Zunge stürmisch in den Rachen schob, mit den Fingerspitzen seinen Bauch entlang strich, die verstehenden Rippen entlang fuhr und dann mit den steifen Brustwarzen zu spielen begann.

Der Rest der Welt wurde völlig unwichtig und Jules einziger Lebenssinn bestand nur noch daraus, diesem Jungen hier das Hirn rauszuficken. Er wollte den Kleinen so sehr befriedigen, dass dieser keinen einzigen verdrehten negativen Gedanken mehr im Kopf behalten konnte. Zumindest für den berauschenden Moment, den einem ein Orgasmus schenken konnte.

Rion - Giggling

Rion erschauderte es. Er war nicht der Typ, der einfach mit fremden Männern mitging. Noch ein Mal kamen ihm ziemlich wirr und unerklärbar die Tränen und er schluchzte in den Kragen seines Pullovers hinein. Wischte sich dann die Tränchen wieder ab, schluckte und stierte die Tür an, durch die Jules verschwunden war.
Mutter, was würdest du von mir halten, wenn du wüsstest, dass ich einfach so Männern folge, die ich kaum kenne? Kaum kenne ich seinen Namen, noch, was für ein Mensch es ist - und es ist absehbar, wenn ich ihm hinterherschreite, so wird genau das geschehen, was ich denke. Es ist dreckig, es ist widerlich, sich so sehr danach zu sehnen, nicht?

Der Mond war nun in seiner vollen Pracht aufgegangen. Es war Vollmond. Und er schien auf die leeren, zerstören Häuser des Dorfes hernieder, hüllte alles in seinen prachtvollen, kalten Glanz. Keine Wolken, nur unendliche Kälte umhüllte ihn. Es fröstelte ihn. Sein dünner Leib bebte. Der Brite erhob sich, torkelte fast schon trunken hinein in das Nebengebäude, das dunkel und leer schien. Vor der Tür blieb er stehen. Schloss die Augen, atmete tief durch. Er fühlte sich so einsam, so unendlich einsam und leer. Er konnte nicht anders, die Tränen wollten nicht aufhören, er wollte schon wieder weinen. Schluchzend betrat er den Raum. Es schien eine Art Scheune zu sein. Unbenutzt, es roch nicht nach Tier. Heu war dort aufgebahrt, überall. Die fahlen Strahlen des Mondes erhellten den Raum kaum. Rion liess sich nieder. Auf einem Platz, der noch halb beschienen war, in dem er sich halb sicher, halb wohl, halb im Schatten fühlte. Aus einem der zerschlagenen Fenster konnte er nach draußen blicken und die Sterne sehen. Da hörte er ihn. Der Blonde kroch wohl zu ihm. Rions Brust bebte. Was tat er hier nur? Ihm war kalt und heiss zugleich. Er wusste ja, warum er hier war und was geschehen würde. Und er war unendlich aufgeregt. Er würde doch nie im Leben in dieser Situation einen hochkriegen. Scheisse, scheisse!

Vor langer Zeit, als er das erste Mal verliebt war, da wollte er unbedingt vermeiden, angefasst zu werden. So unendlich dreckig fühlte er sich, nicht wert, richtig geliebt zu werden. Der Dreck würde niemals mehr von ihm gehen, er würde niemals mehr reingewaschen werden. Jetzt war es noch schlimmer. Jetzt war er selbst dieser Dreck. Hinabgestiegen in den Morast der Sünde lag er nun da, gebettet auf Heu und der Blonde bückte sich über ihn. Und Rion heulte einfach nur wie ein blödes, kleines Kind. Und gleichzeitig stieg die Hitze in ihm hoch. Er konnte es gar nicht verhindern. Seit einiger Zeit konnte er nicht mehr so klar denken, irgendetwas in ihm schien die Kontrolle über ihn zu übernehmen. Aber es war nicht nur pure, dumme Geilheit. Rion sah dem Blonden in die schönen, klaren, blauen Augen, beleuchtet vom Mondschein, der sich spiegelte wie Funken, strahlend und hell. Sehnsucht. Einsamkeit.

Gott im Himmel, vergib mir.

Er streckte die Arme nach ihm aus, zog den Fremden zu sich. Und küsste ihn. Ihre Lippen trafen sich für einen Moment. Und es war kurz. Und scheu. Und Rion wich auch gleich wieder zurück. Was tat er hier? Er wusste es nicht. Dieser Kerl hier, sich über ihn beugend, würde vermutlich bald verrecken, so wie die anderen Fliegen, die zertreten und zermatscht am Boden ihre Flügel kaum noch rühren konnten. Rion schnaufte. Dann packte er ihn im Nacken und presste ihm erneut die Lippen auf den Mund. Gierig nach Liebe, Zärtlichkeit, Berührung. Er küsste ihn fast schon übermütig, presste ihm seinen Oberkörper entgegen. Schloss die Augen. Dabei hob sich sein Rücken an. Und mit den Schenkeln umklammerte er Jules Becken. Nach einigen Sekunden löste er sich von dem Franzosen, leckte ihm über die Lippen. Durch halb geöffnete Augen sah er ihn an. Sein eigenes Herz schlug wild.

"C'est n'est pas... c'est... ach.. damn... du wirst es bereuen, mich zu ficken.."

Er krallte sich mit den Fingern in die blonden Haare und drückte Jules herunter ins Heu, rollte sich auf ihn und setzte sich auf ihn, sah von oben auf ihn hinab. Auf Rions Gesicht zeichnete sich ein leichtes Lächeln ab. Er zitterte. Er presste seinen Unterleib gegen den des Anderen, keuchte leise auf und liess die Augenlider halb sinken dabei.

"Je préfére blondes.." Bei diesem Satz musste er unweigerlich ein wenig.. kichern.

Jules - Allons

Muttersprache. Eigenartig wie viel es einem bedeuten konnte, wenn einer Worte sprach, die einem vertraut waren. Jules Herz wollte vor Freude zwischen seinen Rippen hervospringen, doch hielt der Junge sich zurück und räusperte sich vornehm. Ziemlich lächerliche Aktion wenn man bedachte, dass er sein Gegenüber peinlich genau musterte und sein Blick dabei genau da kleben blieb wo Rion dem Franzosen ebenso hinstarrte.

Der Blonde antwortete pflichtbewusst: "Je suis Jules..", betrachtete dabei aber weiter unverschämt den mageren Körper des Briten. Obwohl an dem Jungen nicht viel dran war und man jeden Knochen einzeln abzählen konnte, schien er Jules zu gefallen. Gerade weil der andere so zerbrechlich aussah und dennoch so barsch daherreden konnte erregte er sein Interesse.

Völliger Schwachsinn! Dass Rion ihm auf den Schwanz starrte konnte der Franzose nur zu genau fühlen und um das zu bemerken, hätte er nicht einmal zwei gesunde Augen gebraucht. Wie abartig es auch sein mochte: beide dachten an Sex. Der Junge sog scharf die Luft sein, so dass seine Nasenflügel bebten. Dann stiess er sich von der Wand ab, streckte den muskulösen Rücken durch und marschierte auf das Nachbargebäude los, an dem die Eingangstür nur lose in den Angeln hing. Er wandte sich nicht nach Rion um. Wenn der wollte, würde er schon komme.

Rion - embarrassed

Max redete irgendeine verquillte Scheisse auf ihn ein. Es war hoffnungslos. Sie alle waren so saumässig intelligent, dass sie meinten, ihren Senf dazugeben zu können. Jeder meinte das. Jeder meinte, einem Anderen seine Weisheiten und seinen Lebensweg aufdrücken zu können, egal, ob derjenige es hören wollte - oder eben auch nicht. Und das, was da aus Max Munde kam, in diesem schlechten, widerlichen, widerwärtigen gebrochenen Englisch mit diesem scheusslichen, starken Akzent, dass man es kaum verstehen konnte, das war großer Schwachsinn und Rion würgte es, nicht vor Zorn auf den Boden zu spucken.

Was hat der denn für eine Ahnung? Ich hab ihn gerettet und er spuckt so große Töne, als hätte er was zu sagen. Wenn "Wir" wollten, falls es dieses "Wir" als definierten Ausdruck überhaupt so gibt, wenn wir also wollten.. wir würden ihn zurücklassen oder einfach abknallen. Ich zumindest könnte das, oder Ziggy, dem traue ich das zu. Irgendwie.. ja, ich traue ihm das zu. Also halt dein Maul, deine Redseligkeit kannst du dir dahin stecken, wo sie rausgekommen ist, du klugscheisserische Transe.

Rion antwortete also nicht und Max ging wieder ins Haus. Die Grillen zirpten. Das es tatsächlich noch Grillen gab. Oder waren es Zikaden? Nun, in Achkarren-Kreuzmatten gab es wohl noch Getier. Rion spürte etwas auf seiner Wange, er klatschte es weg. Es war eine Schnake. Schon seltsam, wie manches Gewürm immer überleben konnte, egal, was geschah. Rion war auch Gewürm. Nichts anderes. Schliesslich hatte er überlebt. Wie die Kakerlaken, die immer alles überwanden, mochte auch sonst etwas geschehen und alle andere Flora und Fauna welkte dahin, das Gewürm überlebte.

Er schreckte kurz auf. In Gedanken versunken hatte er kaum bemerkt, wie jemand sich neben ihn setzte. Es war dieser Blonde, dieser Geliebte von Zig-Zag. Sie hatten wohl vorher noch ordentlich gepoppt, er konnte das Sperma gerade zu riechen. Rion verengte die Augen. Dieser Kerl hatte völlig verquollene Augen und versuchte wohl irgendwie zu grinsen. Muskulös war er ja nicht gerade. Aber mager auch nicht. Und er war groß. Und blond war er. Und blaue Augen hatte er. Rion errötete. Er stierte ihn jetzt bestimmt schon einige Minuten lang an, ohne ihm geantwortet zu haben.
"Excusez-moi.. mais mon français n'est pas bien.."
Aus seinem eigenen Munde klang das Französisch grässlich, das wusste er. Für fremde Sprachen hatte er sich nie wirklich interessiert. Für andere Dinge, aber in Sprachen hatte er sich wohl gehen lassen. Jetzt schämte er sich wohl dafür. Wie hiess der Junge doch noch mal? Irgendwie hatte er das im Laufe des Abends auch verdrängt. Aber - Anstand. Dann war er eben ein Fremder. Und sie führten eine Konversation - ganz einfach. Franzosen waren doch allesamt irgendwie vornehm. Also konnte man mit ihm reden. Hoffte er.

"Je m' appelle Rion. Quel est ton nom?"

Er musste ihn einfach weiter anstarren. Ihm fiel erneut auf, wie sehr er helle Augen mochte. Vor allem in Kombination mit Blond. Rions eigenes Gesicht war genauso rot vom Weinen wie das seines Gegenübers. Seltsame Situation. Er wischte sich eine Haarsträhne weg. Und er wusste ganz, ganz genau, dass dieser Junge absolut auf Schwänze stand. Auch komisch. Sein Blick glitt unweigerlich zwischen die Beine des Anderen. Rion schluckte. Ihm wurde heiss. Seine Wangen wurden rot. Und ganz warm. Er legte sich selbst eine Hand an die Wange, um das zu spüren. Dann senkte er ganz, ganz tief den Kopf. Peinlich, dieser Moment. Und dann auch noch eine Franzose. "uhm..."

Jules - Perdus

Jetzt musste er doch daran denken, was sein Vater ihm früher eingeprügelt hatte. Wäre er bloss häufiger in die Kirche gegangen, wäre all das hier nicht passiert! Der Junge war sich absolut sicher, dass er zu 100% Schuld am Tod seines Bruders und dessen hirnlosen Kumpanen war. Schliesslich waren es seine perversen, abnormalen Gelste gewesen, die den gestörten, übermenschlich starken Kerl mit den grünen Haaren angelockt hatten. Dass sein grosser Bruder da draussen auf der dreckigen Strasse verblutet war kam ihm verflucht irreal vor. Der magere Junge mit dem blassen Gesicht, der ihn angeschrien und ihn in dieses haus getrieben hatte, war nicht mehr im Raum.

Wie gern hätte Jules sich noch einmal von dem Kerl anschreien lassen! Selbst wenn es in einer fremden Sprache geschah, so waren die Worte doch zumindest an ihn gerichtet! Gerne wollte der junge Franzose getreten, gefoltert und gefickt werden, wenn es nur ihm galt. Keiner der hier Anwesenden konnte seine Sprache verstehen und der furchterregende Gedanke, dieser Spinner mit den giftgrünen Haaren, der ihn erst so innig geliebt und dann ebenso leidenschaftlich Menschen auseinander gerissen hatte, könne sämtliche Franzosen getötet haben, liess sein Herz gefrieren. Immer noch schluchzend und zitternd wankte der Junge nach draussen und lief dabei beinahe in den Mann mit den langen, feuerroten Locken hinein. Hm, wie gut der Kerl roch, obwohl er doch voll fremden Blut war.

Unwillkürlich leckte Jules sich über die Lippen als er nach draussen trat. Er konnte nicht anders, es war schon immer in seinem Blut gewesen und sein eigener Bruder hatte ihn dafür gehasst. Seine blassblauen Augen glitten zur Seite und scannten dabei den dünnen Kerl, der da zusammengekauert an der Wand sass. Wie gut dem anderen diese Verzweiflung stand! Ohne den Grund dafür zu kennen fühlte Jule sich sofort zu Rion hingezogen. Ganz selbstverständlich liess er sich gemächlich neben ihm nieder. "Nous sommes perdus, hein?" flüsterte er dem anderen grindens zu. Sein Gesicht war immer noch von Tränen verquollen und dennoch zog er die Mundwinkel nach oben und wollt einen fröhlichen Eindruck hinterlassen. Ihm war zum Kotzen zumute.

Irgendetwas sagte ihm, es bestünde eine ganz geringe Wahrscheinlichkeit, dass zumindest der blasse arsich aussehende Typ hier ein wenig Fremdsprachenkenntnisse besässe. Zusätzlich gab es da noch etwas anderes, das Jules veranlasste ausgerechnet Rion so scheu anzulächeln. Das konnte er spüren.

Montag, 18. Juli 2011

Max - Freund?

Das Volk lieben. Ist das nicht die wichtigste Aufgabe einer Prinzessin? Und gehören zum nicht alle um einen herum? Hach, sie alle teilten das selbe Schicksal und all die Liebe, die die Prinzessin momentan hätte empfinden können hätte nicht gereicht, ihre Herzen zu heilen. Wie aufrichtig sich der Lockenkopf doch um den anderen Ritter kümmerte, der sich übergeben musste. Wie treuherzig der Junge mit dem dunklen Teint an ihrer Seite sass und unbedingt mithelfen wollte, das Leid zu lindern. Die Prinzessin jedoch konnte nur dastehen und zusehen,. Das war nicht ihr Volk. Nein, die war in fremde Länder verschleppt worden und hier kannte sie keinen. Was also sollte sie mit diesen Fremden? Die Prinzessin hatte sich vorgenommen, ihre Schuld zu begleichen. Sie wollte die edelmütigen Ritter pflegen, danach jedoch fortgehen. Nach Hause. Sie musste ihr zu Hause finden, wo immer das auch lag.

Max war müde und hungrig und troztdem war ihm kotzübel. Um sich zu vergewissern, dass er nicht vom Regen in die Traufe geraten war, wollte er nach draussen, um sich ein wenig an der kühlen Nachtluft abzureagieren. Manchmal mochte er es ganz gerne allein zu sein und den endlosen Himmel anzubrüllen. Bestimmt hätte er das auch getan, wenn er nicht Rion vorgefunden hätte, der da bereits sass.Empörende Worte traten an das Ohr der Prinzessin. Sterben? Getötet werden?! In einer Zeit, in der jeder für das Überleben kämpfte? Wut brodelte in ihrem Bauch, doch wusste sie gleichzeitig, dass sie sich gemässigt zu verhalten hatte wie ihr Stand es ihr gebot. Daher sog sie tief die kalte und leider nicht ganz so klare Nachtluft in ihre Lungen und liess sich neben dem jungen Ritter nieder. "Sterben? Nach allem, was du durchgemacht hast?" flüsterte die Prinzessin.

Die Blutflecken auf seinem Kleid waren eingetrocknet und nahmen eine rostbraune Farbe an. Der Rothaarige zog die Beine an, seine nackten Füsse gruben dabei Rillen in den weichen, staubigen Erdboden. "Wer auch immer dir bisher zur Seite stand.. wenn du stirbst, beissen sich die Kerle in den Arsch.. ich hätt' keinen Bock, für dich zu verrecken, wenn du dich wenig später abknallen lässt..". Max hob den Kopf und starrte die zusammengekauerte Gestalt an, die sich zitternd an die Wand presste. Etwas war in diesem Jungen kaputt gegangen. Scheisse, in jedem von ihnen war verdammt viel am Arsch, aber.. .. Max seufzte: "Wir packen das.. oder.. haste was besseres vor? Ich kapier' bestimmt nich' alles, aber einsam bist du trotzdem nicht.. okay?". Damit stand er auf und klopft sich den Sand von diesem albernen rosa Kleid, das er immer noch trug. Von drinnen waren aufgeregte Stimmen zu hören.

Rion - Resolution

Der aufkommende, warme Schauer zog durch sein Mark und Bein. Francis' Hand an seinem Rücken, wie sie langsam hinauf glitt, zu seinem Nacken, der so unglaublich empfindlich, wie er war, sofort sich mit Gänsehaut überzog. Rion schloss für einen kurzen Moment die Augen, zog die Luft scharf durch seine Nasenlöcher in seine Lunge hinein. Francis war ihm so unglaublich, unausstehlich nah. Eben noch hatte er ihn so abgrundtief für seine Schwäche verabscheut, dass er ihn nur schlagen und bespucken wollte, doch nun konnte er sich kaum zurückhalten, nicht vor eigener Schwäche auf die Knie zu sinken wie ein wehrloses Reh. Er vermag es kaum, zu stehen. Seine Beine waren weich, er biss sich auf die Unterlippe, versuchte, sich das zittern zu verbieten. Doch Francis warme, raue Finger strichen durch sein Haar, als wollten sie ihn liebkosen.

Die Augen so geschlossen schossen Bilder durch seinen Kopf. Oh bitte, bitte. Lass mich los, fass mich nicht an! Ich kann nicht, kann mich nicht wehren, kann nicht stark sein. Er krallte die Finger in Francis Oberteil, lehnte den Kopf an seine Brust. Er seufzte. Dieser Moment gehörte ganz, ganz, ganz, ganz alleine ihm. Wenn er sich nur ausmalte, was er jetzt alles mit ihm tun wollte....

Hätte es nur die Anderen nicht gegeben. Würden sie nicht existieren. Würden sie einfach tot und brach in ihrem eigenen Blut daliegen, so wie sie es verdienten. Diese schwachen, dummen, leidigen Idioten. Hätte er ihn nur für sich alleine, ganz für sich alleine. Er würde ihn...
Rions Augen waren fest geschlossen. Heiss durch seine Adern schoss die Gier.
Packen, ihn zu sich herunterziehen. Seine Lippen auf die des Anderen drücken und ihn so voller Wut und Liebe küssen, ihm die Lippen zerbeissen, die Hand in seinen Nacken krallen und seinen Rücken blutig kratzen. Francis an sich drücken, bis ihre Körper so dicht waren, dass man den Schweiss des Anderen riechen, das Herz pochen spüren konnte. Das Hemd würde er ihm runterreissen und seine Brust küssen. Und dann.. dann würde er auf die Knie sinken, sich die schwitzigen Haare aus dem Gesicht streichen, Francis Hose öffnen. Würde seinen Schwanz lutschen, bis der Größere ihm in den Mund spritzen würde. Stöhnend, zitternd, sich in sein Haar krallend. Seine Zunge über den weichen, aufgepumpten Schaft gleiten zu lassen, darüber zu lecken, sein Ding ganz in den Mund zu nehmen, bis er fast brechen würde, dieser Gedanke... diese Vorstellung...

Rion wurde ganz schwindelig. Seine Hose wurde eng. Er verspannte sich, zog die Schultern unweigerlich hoch. "Lass mich... los...", stöhnte er fast schon heraus und drückte sich von Francis weg. Beschämt entwich er seinem Blick. Er schnaufte. Nur noch weg. Bitte, bitte lass mich fliehen. Wenn du auch nur eine Sekunde länger bei mir bist, weiss ich nicht, was ich tue. Francis.. Francis, wie er mich fickt. Francis.. und ich sitze auf seinen Lenden und ramme mir seinen Schwanz in mich hinein. Rion hielt sich an der gegenüberliegenden Wand fest. Scheisse.

"Wusste gar nicht, dass du so zäh bist und so kämpfen kannst, Ryan!"

"Sicher..... Moment... Moment...."
Sich des eigenen Stolzes, der so wie sein Hirn tief in seine Beckengegend gesunken war, erinnernd, stiess sich Rion hochgerötet von der Wand ab. Und starrte Francis an. Völlig, fast gleichgültig, sah der ihn an. Er kannte nicht mal seinen Namen. Rions Augen weiteten sich. Wut kochte in ihm auf. Er wusste nicht mal, wie er wirklich hiess. Und trotzdem... trotz allem, wenn er in diese dunklen Augen sah, wurde ihm schwindlig und er wollte weinen vor Sehnsucht. Warum, du Blödmann, kennst du nicht mal meinen Namen? Rion heisse ich doch, ist das so schwer für dich? Ist das so schwer zu verstehen? Wie man diesen Namen richtig ausspricht?
Francis nahm Schritt auf das Gebäude, zog Rion gegen seinen Willen mit. Rion weinte. Tränen des Zorns quollen aus seinen Augen. Er schlug Francis Arm, doch der hielt ihn fest.
"Das ist nicht mein Name! Merk dir, wie ich heisse... ich heisse....!"
Doch in diesem Moment blieb das Wort ihm im Halse stecken. Zig-Zag kotzte auf den Boden. Widerwärtig, geschwächt, zerschlagen wie er war, erbrach er sich einfach in seine Haare. Francis ging zu ihm. Rion rannten die Tränen das Gesicht herunter. Der Brite wandt das Gesicht ab. Er verliess den Raum.
Draußen sank er an der Hausmauer gen Boden. Stützte sein Gesicht auf seinen Knien und weinte. Bitterlich. Und schluchzte. Da drinnen konnte ihn doch sowieso kein Schwein hören. Francis hatte nur Augen für seine Kameraden. Er war so einer, so ein Typ, der für seine Freunde da war, der für seine Freunde sorgte und niemals sehen würde, was direkt vor seinem Gesicht war. Nämlich jemand, der sich wie nichts mehr auf der Welt nach ihm verzehrte. Aber tatsächlich - was konnte Rion ihm auch geben? Er verstand ihn nicht auf dieser Ebene, wie Ziggy oder Kya es taten. Er war so vollkommen anders als Francis. Niemals, niemals würde Francis sich nach ihm umdrehen,
Rion streckte die Beine aus. Die Sonne ging langsam unter. Bald würde es Nacht werden. Rion sah tränenverquollen hoch zum sich aufbreitenden Mond, schluckte die letzten, salzigen Tränen herunter.

"Schrecklich ist sie... diese Welt.... wie viel lieber wäre ich jetzt bei dir, dort oben.."
Er wischte sich übers Gesicht, Zog die Beine wieder an, legte den Kopf auf seinen dürren Gliedmassen ab. Und beschloss hiermit, Francis nicht mehr zu lieben. Egal was kommen würde. Das war falsch. Und würde ihn töten.
"Ich hab doch jemanden.... den ich mag.. und der mich mag.... und nur, weil du tot bist... heisst das nicht.. dass du nicht für mich da bist, nicht wahr?"
Er schloss die Augen. Max trat aus dem Haus heraus. Rion blickte hoch. Dann sah er wieder dem Himmel entgegen.
"Weisst du.... ich warte auf den Tag, an dem ich von all diesem Scheiss einfach erlöst werde. Einer sollte mich erschiessen. Aber es passiert einfach nicht....... es passiert einfach nicht..."
Er schloss erneut die Augen. Seine Stirnfransen waren nass vom Weinen geworden.
"Wir sind immer allein... es gibt niemanden... der einen ewig beschützt... darauf sollte man sich einstellen..."