Da kam plötzlich das Unheil auf sie zugestürmt, der Tod näherte sich ihnen unaufhaltsam und wollte sie überrennen, die beiden in einen dunklen Abgrund hinab ziehen. Zwei Männer auf stolzen, kräftigen Hengsten ritten heran, ihre blitzenden Schwerter drohend erhoben und in ihren Augen stand der Blutdurst geschrieben. Ja, diese beiden Männer brannten darauf zu morden und ihre ahnungslosen Opfer hatten sie so eben entdeckt. Ein diabolisches Grinsen entblösste ihre Zähne und liess sie im matten Schein der Nachmittagssonne aufblitzen. Die Prinzessin war starr vor Schreck, wollte aufschreien doch ihr heissblütiger, todesmutiger Ritter zückte entschlossen seine Lanze und stiess zu. Ehe die Männer der Prinzessin Leid antun, ihr auch nur eines ihrer wunderschönen, flammenroten Haare krümmen konnten, hatte ihr Retter einen von ihnen niedergeschreckt. Mit nur einem einzigen kraftvollen Stoss durchbohrte er die Brust des Mannes, so dass dieser vor Schmerz aufschreiend von seinem Pferd fiel und einem kurzen, grauenhaften Todeskampf erlag. Schwer schnaufend senkte der tapfere Jüngling seine Lanze, die sich am Blut seines Gegners gierig satt getrunken hatte.
Max musste sich schwerlich zusammen reissen um nicht kotzen zu müssen beim Anblick des entstellten, zersprengten Fleischklumpens, der einst ein Gesicht gewesen war. Der zweite Mann hatte sich neben seinem Freund auf die Knie geworfen und einen wutentbrannten, verzweifelten Schrei ausgestossen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht, die tränenverhangenen Augen zu Schlitzen zusammengekniffen rammte er dem Braunhaarigen seine Faust in den Magen, dass man meinen wollte er hätte ihm die inneren Organe zerquetscht. Rion ging zu Boden, kassierte einen Schlag in sein hübsches Gesicht, dann übergab er sich. Der rasende Franzose packte den Jungen an den Haaren und zerrte ihn nach oben.
Wie nur war es zu so einem Unglück gekommen? Dem gefallenen Reiter und seinem Kumpanen war ein weiterer Mann zu Hilfe geeilt und während der eine wutentbrannt seinen toten Freund rächte und den edlen Ritter der Prinzessin zu Boden schlug, stürzte der zweite sich auf die Prinzessin selbst, umklammerte ihr schmales Handgelenk und drückte ihr seine rauhen Finger gnadenlos in das zarte Fleisch. So sehr die Prinzessin auch versuchte, sich aus dem eisernen Griff ihres Peinigers zu winden, es wollte ihr einfach nicht gelingen. Alle Hoffnung versiegte, als schliesslich sie und ihr Retter abgeführt wurden wie zwei Kriegsgefangene, Für die Schmach, die sie den drei Männern bereitet hatten würden sie büssen müssen. Die Prinzessin befand sich einmal mehr in der Gewalt der Söldner und diese wollten sie kein zweites Mal fliehen lassen. Doch, oh, welch grausames Schicksal würden sie für den kühnen Jüngling erwählen, der es gewagt hatte, ihnen ihr kostbares Kleinod zu entreissen. Die Prinzessin erschauderte.
Sie wurden geschubst, gezerrt, getreten und vorwärts getrieben wie Vieh. Wo die Soldaten sie hinschleppten war eigentlich völlig egal. Sie würden sie ficken und anschliessend töten. Max brach es das Herz, dass er den anderen Jungen da mit hinein gezogen hatte. Immer noch war ihm fürchterlich übel, doch liessen die Soldaten ihm keine Zeit, sich zu erbrechen. Er war nicht in der Lage den Kopf zu heben, er fühlte sich so unendlich schwer an. Scheisse! So wollte er nicht sterben. Eigentlich wollte er überhaupt nicht sterben.
Da standen sie plötzlich vor einem weiteren Mann, der einen anderen mit einer Waffe bedrohte. Scheinbar hatte er ihn verwundet, denn der hielt sich den linken Arm und Blut lief ihm über die Hand. Als der Verwundete den Kopf wandte un den Ritter der Prinzessin sah, weiteten sich seine Augen und er schrie ihm etwas zu. Kannten die beiden Männer sich etwa? Mochte der Fremde ein Kamerad des edlen Jünglings sein, der nun ebenso in Bedrängnis war. Ein Hauch von Hoffnung erwärmte der Prinzessin das Herz, denn vielleicht waren die beiden Männer nicht allein losgezogen um die Prinzessin zu retten und es Bestand die Möglichkeit, dass weitere Ritter in einem Hinterhalt lauerten und sogleich heranstürmen würden um ihre Freunde und die holde Prinzessin zu retten.
Der Franzose hatte den Kerl mit den Locken offenbar angeschossen und dieser knurrte ihn an, doch in seinen Augen konnte man deutlich sehen, dass ihm klar war, wie unklug es gewesen war, den Zorn seines Gegenübers erregt zu haben. Der Verletzte war unbewaffnet. Auf dem Boden neben dem Franzosen kauerte verstört und verängstigt ein kleiner Junge, der keuchte und hustete. Der Soldat hatte das Kind offenbar getreten. Rion schien den Mann der am Arm blutete zu kennen. Max wurde gezwungen, auf die Knie zu gehen und der Soldat, der ihn hierher gezerrt hatte presste ihm eine Knarre zwischen die Schulterblätter. Endlich hatte er Zeit, zu kotzen.