Mittwoch, 22. Dezember 2010

Zig Zag - Rude Boy

Schnell war das Geheimnis der verschlungenen Gasleitungen geknackt, wobei Ziggy der zischende, herbe Geruch von Gas in die Nase stieg und er kurz die Augen schloss und durch den Mund einatmete, bevor er noch ein paar mal an den Hähnen drehte, einen Kaugummi aus seiner Tasche zog und nach kurzem Kauen die undichte Leitung fest damit verklebte, sich schlussendlich erhob. Er knackste mit den Handgelenken, warf sich die langen Haare mit einem Schwung zurück, kurz den Kopf in den Nacken legte. Alles ging wie in einem Schwung, in einer endlosen Bewegung, die Welt war langsam geworden, ein angenehmer Duft von Kraut lag in der Luft, es war ihm warm in der Seele, ein beseltes Lächeln umspielte seine Lippen, er fuhr mit der Zunge gemächlich darüber. Am liebsten hätte er jetzt laute Musik gehabt. Er fülte sich gut.
Aus seinem Gürtel zog er ein langes, glänzendes Messer hervor, er glänzte, es war scharf, es war sein ein und alles. "Wie heisst du eigentlich?" Er zog an seinem Joint, begann, die Kräuter mit Schwung und Schnelligkeit zu hacken, während die Tüte ihm im Mundwinkel hing. Das würde lecker, verdammt lecker werden. Das Zeug roch gut, auch wenn er bei allen Geistern nicht genau sagen konnte, was zum Teufel das war. Der Arm, der nicht beschäftigt war, der legte sich wieder um Kyas Schultern, er zog ihn von der Seite her zu sich, an seinen eigenen warmen Körper, hatte also so den Arm um ihn gelegt, während er die Zutaten verarbeitete. Kurz liess er vom Messer ab, aschte auf den Boden ab und steckte sich den Joint wieder in den Mund, zog daran und bliess den grauweissen Rauch durch die Nase und den halboffenen Mund stoßweise wieder aus. "Du wirst dich wohlfühlen hier, Kleiner. Alles ist besser, als allein allein allein zu sein.." Er lachte auf, liess Kya los und packte aus dem Rucksack, den er neben die Küchenzeile geworfen hatte, ein paar Dosen aus, ein kleines Messer und einen alten Hammer. Mit Schwung rammte er das Messer in die Dose hinein, schlug mit dem Hammer darauf, die Klinge versenkte sich im Blech, er packte es und führte es ein mal in Sekundenschnelle durch das Metall, klappte die Dose auf und griff sich einen Topf. Die ganze Zeit schielte er Kya mit einem Grinsen an. "Woher kommst du? Was hast du so gemacht?" Drei Dosen Ravioli wurden in den Topf geleert, mit Kräutern verrührt. "Ich komme von Jamaica. Eine saugeile Insel, sag ich dir! Die Sonne, die Frauen! Aaaah! Das Leben war herrlich dort!" Er zog am Joint, stieß die Luft aus, schloss die Augen. Er zündete den Herd an, mit einem Streichholz und einer eleganten Handbewegung, er rieb das Holz an seiner Hose, es entflammte und so das Gas, dass in blauen, bunten Strahlen aus den Löchern des Herdes schoss. Ziggy leckte sich die Lippen. Öffnete dann Tübchen und Döschen, warf das Zeug in den Topf. Es musste wohl Salz, Pfeffer und Gewürzmischung sein. Er rührte Käse unter, geriebenen, harten Käse, schmiss Lorbeerblätter hinein, rührte und wackelte dabei mit dem Arsch. Lachend rieb er sich unter der Nase als Kya ihn anstarrte. "Ich.. ich koche immer so..." Er zwinkerte. "Es ist, als würde dabei voll der geile Beat durch meinen Kopf trommeln!"

Freitag, 17. Dezember 2010

Francis - Stark sein

Wunderbar! Die Situation war ganz nach Francis' Vorstellungen ausgegangen und alles verlief nach Plan. Dass das Ganze auch anders hätte enden können kam dem Amerikaner ohnehin nicht in den Sinn. Während also Zig Zag seinen Charme hatte spielen lassen und den aggressiven Jungen um den kleinen Finger gewickelt hatte, blieben er und Rion allein in der Leichenhalle stehen. Ein Moment unangenehmen Schweigens machte sich breit und Francis wusste auch nicht, was er denn kommunikatives sagen sollte. Stattdessen glotzte er also den jungen Briten unbedarft aus seinen treudoofbraunen Augen an und wartete, bis der andere aus seiner Trance erwachte. Dass er sich vorhin übergeben hatte, war Francis verständlicherweise entgangen, da er zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz bei Besinnung gewesen war, wohl aber fiel ihm auf, dass der Kleine noch blasser und zerbrechlicher wirkte als sonst. Eben als er ihm schon eine Hand auf die Schulter legen wollte, um ihn wieder zu sich zurück zu holen, schreckte er plötzlich aus seinem Wachkoma hoch und war Feuer und Flamme dafür, ein bisschen Krankenschwester zu spielen. Das brachte auch die Erinnerung an die Verletzung zurück und Francis musste schmerzlich feststellen, dass gebrochene Rippen doch verflucht wehtaten. Ein wenig geknickt schlurfte er dem verwirrten Briten hinterher, als dieser ihn einfach stehen liess. Zwar freute er sich immer noch über den Gruppenzuwachs und sein Magen schlug beim Gedanken an Abendessen Purzelbäume, doch das fanatische Grinsen war ihm vergangen.

Das düstere Schlafzimmerchen erfüllte seinen Zweck und die Matratze war vielleicht staubig, aber immerhin nicht verschimmelt und es standen auch keine Federn sichtbar hervor. Sogar eine Bettdecke und ein grosses, graublaues Kissen waren vorhanden! Quasi schon Luxus. Nachdenklich beobachtete er Rion, der am Boden kauerte und in einem der Rucksäcke wühlte. Der Junge war schrecklich mager, man konnte ab ihm die menschliche Anatomie in seiner herrlichen Vollendung studieren. So wie der Kleine da hockte und von den dunklen, schmutzigen Wänden beinahe verschluckt wurde sah er so mitleiderregend, so klein und schutzbedürftig aus, dass es Francis das Herz zusammenzog.

Um sich dem Anblick zu entziehen, liess er sich auf das Bett plumpsen und begann äusserst umständlich seinen Pullover auszuziehen, womit er Rion offenbar einen ordentlichen Schreck versetzte. Der Kleine war ja so schrecklich schüchtern und ziemlich leicht zu verwirren. Brav hob Francis die Arme, wobei er ein ekliges Ziehen im Brustkorb verspürte, doch er biss die Zähne zusammen und liess sich verarzten. Der Verband hätte sicherlich noch etwas enger anliegen können, doch wusste er die Mühe des Briten wirklich zu schätzen und beschwerte sich daher nicht. Mitten in der Behandlung erstarrte der Junge jedoch und fing an, fürchterlich zu zittern. Francis riss erschrocken die Augen weit auf und packte vielleicht etwas zu heftig Rions Hände, die dieser so entgeistert anstarrte. "Hey! Rion! Bleib bei mir! Bitte!" flehte er und streichelte ganz verzweifelt seine zarten kleinen Hände. Es tat weh, den anderen so zu sehen. In solchen Momenten wurde ihm bewusst, wie bescheuert es war, zu glauben er könne hier irgendjemanden retten. Die Wunden des Jungen waren so tief, dass Francis niemals die Bruchstücke seiner empfindsamen, zerschundenen Seele je wieder würde zusammen setzen können. "Sag mir, was du brauchst.. willst du schreien? Weinen? Oder schlag mich, wenn du willst! Schau mich an.." redete er weiter auf ihn ein und gab sich redlich Mühe, den sonst so ruhigen Ton in seiner Stimme zu bewahren. Er musste sich jetzt zusammenreissen und dem anderen beistehen, bis der sich wieder fing. Immer noch hielt er seine Hände umklammert.

Ok, Schluss jetzt! Der Junge hyperventilierte fleissig weiter und mitleidige Gedanken allein würde ihm kaum weiterhelfen. Gegen dieses viel zu schnelle ein- und ausatmen half ja angeblich, die eigene Atemluft wieder einzusaugen. Francis fiel nichts besseres ein, als Rion die Hand über Mund un Nase zu legen, so dass dieser gezwungen war die ausgehauchte Luft wieder zurück in seine Lungen zu befördern. Der Lockenkopf war überrascht, wie schnell diese Methode Wirkung zeigte und nahm die Hand vorsichtig von Rions Gesicht, als der wieder etwas ruhiger atmete. Dennoch war Francis noch nicht davon überzeugt, dass es dem anderen jetzt wirklich gut ging, weshalb er kurzerhand vom Bett aufstand und den Jungen in eine liegende Position drückte. Dann fingerte er ein zerdrücktes Softpack Luckies aus seiner Gesässtasche, klemmte sich eine Kippe zwischen die Lippen und zündete sie sich an. Nach einem kräftigen Zug, der seine Lungen mit Gift füllte nahm er die Zigarette, beugte sich über Rion und steckte sie ihm in den Mund. "Zieh dran. Beruhigt." Die Kompressionsbinde hatte sich indessen von seinem Oberkörper gelöst und lag abgewickelt am Boden wie eine abgestreifte Schlangenhaut.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Rion - shivering attack

Er zuckte zusammen, liess fast seine Waffe fallen. Francis Arme hatten sich um ihn geschlungen, sein warmer Körper presste sich rücklings gegen sein eigenes, schwächliches Selbst, die Knie wurden dem kleinen Briten weich wie Gelee, für einen Moment hielt er den Atem an. In dunkelster Schwärze, wie in einem Loch versinkend war dieser Augenblick wie in Eis gefroren und er war kaum in der Lage, mehr als Francis' warmen Hauch, seinen ruhigen, schweren Atem an seinem Nacken auflirren zu spüren, so dass die Härchen sich ihm aufstellten und eine Gänsehaut ihn überzog. Fast erstickend, nicht fähig mehr nach Luft zu schnappend, senkte Rion zitternd den Kopf und auch die Waffe, während um ihn herum die Welt wie in Lichtgeschwindkeit in flimmernden, zuckenden Schatten und Bildern vorbeizog, wie in einem schlechten Film. Sein eigenes Herz pochte lauter als gewollt, nun kam ihm schließlich in einem kurzen Raunen ein erstickter Luftzug über die Lippen, er musste die Augen schließen, ihm ward schwindlig geworden. Fast schon gewaltsam drückte er sich weg von Francis, fasste sich an die Stirn. Ganz duselig bemerkte er, dass sein Magen knurrte und wurde rot vor Scham. Vor Angst, Francis hatte ihn gehört, drehte er sich schnell zu ihm, blickte sich um und erschrak. Wo.. waren sie hin? Er war für einen Moment weggedriftet. Die braunen Augen seines Gegenübers lagen mit ihrem Blick ruhig und wohlig warm auf seinem eigenen, hochroten Gesicht.
"Fass mich nicht noch mal an!"
Doch er verkniff sich diesen Satz, biss sich auf die Unterlippe und hoffte, dass sein ihn erdrückender Hunger und die pochende Erregung in seiner Brust, die schmerzhaft ihm die Atemwege verengte, beides unselige, widerwertige, vermeidbare Gefühle, ihm schnell vergingen.
Ihm war immer noch schlecht, er konnte schon wieder kotzen.
"Du.. du bist verletzt.... jemand... ich.. ich muss dich verbinden.... ... Steh nicht herum, komm jetzt, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!"
Mit diesen Worten, die Hände verkrampft und die Waffe sich wieder in die Halterung steckend verliess er wackelig das Zimmer und lief ohne großartig auf Francis zu warten in das Zimmer, in dem sie ihre wichtigsten Sachen bereits verstaut hatten. Ein Rucksack mit Verbandsmaterial, ein wenig Alkohol zum desinfizieren von Wunden, die Essensvorräte lagen in einem ehemaligen, staubigen Schlafzimmer, dass du klein und zu dunkel war, um sich darin wohlzufühlen. Die Würmer hatten Löcher in das marode Holz gebohrt, man mochte meinen, die Balken über einem, die ohnehin schief und kram die Decke stützten, würden jeden Moment auf einen einstürzen. Rion blieb vor dem von dichtem Grau bedeckten Bett stehen, ging auf die Knie, wühlte in den Taschen, kramte Verbandszeug heraus. Im Zwielicht der fahlen Strahlen, die durch die vernagelten, verbretterten Fenster hineinspähten wirkte er wie ein schwarzer Fleck, ein Schatten, düster und passend in diese leere Finsternis. Sein abgemagerter Körper war zu sehen, seine herausstehende Wirbelssäule, als er sich nach vorne bückte und der Pullover ihm hinaufkroch, ganz aus versehen. Als Rion sich erhob saß der Lockenkopf schon neben ihm auf dem Bett. Erschrocken aufjappsend liess der Brite das Zeug in seinen Armen fast fallen. Er stand absolut neben sich, diese Aussetzer wurden immer schlimmer. Er bemerkte gar nichts mehr um sich herum.
Weitergrübelnd erstarrte er jedoch im selben Augenblick, als vor ihm der Größere sich mühevoll das Oberteil vom Körper streifte. Wie angewurzelt am Boden glotzte er nur auf den muskulösen Oberkörper, der zu dem Mann gehörte, der da vor ihm breitbeinig auf dem alten Bett saß.
"Wa.. was tust du da...?"...... "Ach.. ach so.. ja... natürlich..".... "Rutsch mal... nach hinten..."
Stammelnd und das Gesicht dem Boden entgegengerichtet kniete sich Rion vor Francis auf das Bett, sich vor das Bett zu knien wäre umständlich gewesen, er war zu klein, um Francis von dort aus verbinden zu können.
"Kannst du.. deine Arme heben..?"
Ohne ihm in die Augen zu blicken begann er, den Verband möglichst straff um den Brustkorbs seines Gegenübers zu schlingen und zu wickeln, so gut er konnte und mit der Stärke, die seine zierlichen Hände mit den langen Fingern ihm eben erlaubten. Kurz erstarrte er mitten in der Behandlung, als der Blick auf seine eigenen Hände fiel. Sie waren rau, voller Blasen. Sie waren völlig, völlig ungeeignet, um jemals wieder Piano zu spielen.
Ihm war wieder kotzübel. Wie besessen gaffte er seine Finger an. Sie waren so abscheulich, so abartig hässlich. Der Junge verfiel in ein unermessliches, unkontrollierbares Zittern und jappste nach Luft. Scheisse...!

Kya - die Suche nach der perfekten Frau!

In weniger als 2 Minuten zeigte sich die zierliche Figur im Türrahmen – der doch ein Junge zu sein schien – gefährlicher als im ersten Augenblick, denn sofort nachdem er sein Mageninhalt heruntergeladen hatte, betrat er das Zimmer mit einer Pistole in der Hand, auf Kya gezielt. Sobald dies einen Fuß durch den Türrahmen setzte, war Kelasch seine Richtung gedreht, denn von ihm schien ja gerade größerer Gefahr auf Kyas Leben eingehen als von den beiden Älteren. Im ersten Blick schätzte ihn Kya so ungefähr in seinem Alter, auch seine Statur schien nicht groß anders als Kyas, gut ein wenig magerer war er schon. Sofort schießen wollte Kya nicht, als er mit der Pistole ihn drohte, denn offensichtlich waren seine Kameraden noch hier und auch wenn Kya ihn mit einem sauberen Schuss erledigte, brauchte er mit Kelasch mehr Zeit von einen zweiten als die beiden dafür, mit ihren Pistolen Kya kalt zu machen. Da waren also drei Menschen vor ihm, die aller mehr oder weniger genauso verzweifelt für ihr Überleben kämpften wie Kya. Und wer kämpfte heutzutage bitte nicht? Nur manche hatten mehr Glück, manche weniger. Es war leider nichts Heldenhaftes daran, diese Art von Dasein weiterzuführen und man tat es trotzdem, einfach um einen nächsten verfluchten Tag zu sehen, dessen Tageslicht einem entweder in den Wahnsinn trieb oder einfach durch die Haut brannte.
Nun kam der Lockenkopf fast magisch wieder zum Leben und sprach seine beiden Kameraden an. Der war auf jedem Fall in seiner Horde wichtig, sah man sofort an, dass die beiden anderen auf ihn hörten. Doch noch bevor Kya und der kleine die Sache mit ihren Waffen unter sich regeln konnten, begann der mit den komischen Haaren, der auch größer war als die beiden anderen, sich eine Tüte zu drehen. Sehnsüchtig und gierig sah Kya jede Bewegung seiner Fingern nach. Wann hatte er das letzte Mal kiffen können? Es war definitiv ein paar Monate her. Während er also nun drehte, stellte sich Kyanousch vor, wie ein ordentlicher Joint schmeckte, stellte sich die Nachwirkung vor und sah den Mann mit den grünen Dreads ziemlich bedürftig nach. So gewann er Kyas volle Aufmerksamkeit, was aber nicht hieß, dass die beiden anderen machen konnten, was sie wollten. Nun kam er sogar mit dem angezündeten, in dem Raum duftenden Joint auf dem kleinen Loren zu und dadurch wurde sein Image in den Augen des kleinen immer freundlicher und liebenswerter. Wollte er vielleicht auch Kya ein paar Züge gönnen? Als er aber ohne Warnung Kya an sich zog, der immer noch die Hände um seine Kelasch umklammert hatte, musste der Dunkelhaarige zusammenzucken. Egal wie ihm jetzt die Nähe eines Menschen gefiel oder nicht, mochte er es nicht, ungewarnt angefasst zu werden. Doch der Grünkopf schien nicht nur älter, war auch weiser und ließ ihn so schnell wie er Kya zu sich gezogen hatte auch los. Gerade darüber beruhigt, wirkte auch endlich die Magie und ihm wurde einen Zug an dem märchenhaften Joint gegönnt. Kya zog gierig und tief, wie ein kleines, hungriges Säugling an Mutters Brust, der nicht nur Nahrung sondern auch Wärme und Sicherheit zu sich saugen möchte. Prächtig!
Danach ging alles auf Hochtour, man hieß Kya willkommen, wofür auch immer konnte er nicht verstehen, dann wurde er in dem Gebäude, dessen Ecken er schon erkundet hatte, hinterher gezogen von dem grünen, niedlichen Jointmonster – natürlich mit Kelasch immer noch in seinen für die Körperverhältnisse großen Händen – und landete dann in der Küche mit ihm, der behauptete, der Küchenchef zu sein. Als er jetzt die Hand durch Kyas Haare führte und nach dem auch der Joint seine Magie gewirkt hatte, konnte Kya seine Fantasien nicht zügeln und musste sich kurz vorstellen, wie er diesen kuscheligen, warmen, nach Kräuter duftenden Jointmeister flach legen würde. Hieß er dann nicht etwas ZigZag? Oder hatte Kya es sich nur so gedacht, weil der andere Lockenkopf ihn so unklar ausgesprochen hatte? Auf jeden Fall könnte der Kleine sich nun zu gerne an die nackten Wendungen eines Zigzags heran machen, wenn er auch sofort ihn mit warmen Ravioli futtern wollte. Wäre er nicht in einer Gruppe und alleine, hätte Kya ihn sofort adoptiert, der machte einfach den Eindruck einer perfekten Hausfrau auf dem kleinen Loren: reichte ihm rechtzeitig in Streitigkeiten einen Joint zu – nicht zu sprechen von seiner Drehkunst, roch gut, hüpfte mit ihm frisch fröhlich durch die Gegend und wollte ihm auch gleich seinen Traumravioli zubereiten. Wie er so aussah, konnte Kya vermuten, dass er auch im Bett gut war... solche Verschwendung in dieser kleinen Gruppe!
Damit er nun seiner Traumfrau bewies, dass er auch ein könnender Mann mit diversen fertigkeiten war – und das trotz des geringen Alters – schaute Kya zuerst auf die Raviolidosen, nahm dann die Tüte von Zigzags Hand, zog wieder einmal tief daran, gab sie ihm zurück und kramte in einer seiner zahlreichen Hosentaschen. Mit verzogenen Augenbrauen suchte er eine Weile darin und in zwei weiteren Taschen und stellte abschließend fünf verschiedene Gewürzarten auf dem Küchentisch: drei Kräuter, irgendwelcher Würzel und dazu noch etwas, was wie ein großer Kern aussah. Schweigsam und seriös machte er nun ohne Zögern einen der Küchenfächer auf – denn er hatte ja vorhin schon alles durchgesucht – und stellte seinem neu gefundenen Lieblings drei verschiedene Töpfe ebenso auf den Küchentisch, während dieser nun Kya seine Technikerfertigkeiten demonstrierte.

Samstag, 11. Dezember 2010

Zig Zag - Ein wenig in Gedanken.....

So.. das erste, wichtigste, was zu erledigen war, war klar. Er zog aus seiner Tasche ein Bund Kraut, ähnlich gekräuselter, borstiger Schamhaare und ein Stück dünnes Papier und begann wie mit magischer Hand geführt eine dünne Röhre daraus zu drehen, vorne breiter, hinten etwas schmaler. Ausatmend schloss er kurz die Augen, bevor er die Zungenspitze über das schmale Papier gleiten liess um es anschließend leicht anzudrücken und das Gebilde damit zu versiegeln. Mit der anderen Hand griff er aus seiner Hosentasche, die Hose tiefhängend bis fast in den Schritt, eine Schachtel Streichhölzer heraus, öffnete sie mit den Zähnen und liess das Streichholz mit einer einzelnen, eleganten Bewegungen aufkinstern. Sich seinen Joint enflammend hielt er den Rauch kurz in seiner Mundhöhle, bliess die Wangen auf, bevor er es mit einem Geräusch, gleich einem Seufzen, energisch hinausstiess und den Raum mit warmen, kräuterduftenden Geruch erfüllte. Irgendwie... hatte er das Bedürfnis, nackte Haut zu spüren. Genau in diesem Moment, in dieser Sekunde stellte er sich vor, wie Sex schmeckte, wie er roch, wie gerne er den Nacken eines anderen Menschen kraulen, küssen würde. Er zog noch ein mal, bevor er sich langsam von seinem Platze bewegte, langsam auf die kleine Gestalt in der Mitte des Raumes zubewegte. Sich über die Lippen leckend starrte er Kya unverblümt in die Augen. Dann, ohne Vorwarnung schlang er den Arm um die dürre Hüfte seines Gegenübers, zog ihn näher an sich heran. Grinste. Ziggy duftete nach Kräutern, nach Gewürzen, sein Leib war warm, er war gut trainiert, er musste sich anfühlen, wie die Großartigkeit in Person für jemanden, der seit Monaten keine menschliche Hand mehr an sich gespürt hatte. Doch mit solch einem unerwarteten Feingefühl ausgestattet, kaum zu erwarten, liess er Kya wieder los, nahm nur seine eine Hand in die eigene und hielt ihm die Fluppe an die Lippen, drückte sie ihm quasi auf, liess ihn ziehen und grinsend, den Kopf wie zu einem Beat ein wenig hin und er schwingend, so dass die grünen Dreads ein wenig mitwappten meinte er nur: "Willkommen bei Uns, unbekannter.. kleiner Freund." Dann zerrte er Kya an der Hand lachend in den nächsten Raum, ohne eine Reaktion abzuwarten. Vorbei an Francis und Rion direkt in die Küche. "So so.. was treibt einen kleinen Menschen wie dich in so eine Gegend? Nicht, dass du hilflos wirken würdest... jedoch.." Er liess seine Hand fast schon plötzlich los, hielt einen Moment inne, zog und stiess den Rauch aus und glotzte ins Leere. "... mit dem Tod ist nicht zu spaßen, weisst du..?" Er starrte auf seine rechte Hand, dann fuhr er grinsend durch Kyas dichtes, schwarzes Haar, hüpfte dann im Seitwärtsschritt zur Küchenleiste, lehnte sich rücklings an. "Du bist ab heute meine kleine Küchenhilfe. So was kann ich echt gebrauchen! Du wirst sehen, es ist cool bei uns..! Heute kochen wir.." Zwinkernd zog er aus einem Küchenschrank links hinten hinter ihm eine Dose hervor. "Ravioli a la Ziggy! Was magst du gerne? Du musst es nur sagen, ich mach dir deine persönliche Raviolisorte, deine Kreation! Francis mag zum Beispiel Speck und Zwiebeln dazu, der kleine Rion mag's gern mit Gemüsefüllung und heller Soße und Käse, wenn ich welchen find'. Also nur das Maul auf und ich bemühe mich, so gut ich kann, dir DEIN Lieblingsessen zuzubereiten..!" Er schnippste, zeigte auf Kya, lachte herzlich auf und stierte dann kur zur Seite, immer noch ein Lächeln umspielend seinen Mund. "...."...... Den Blick nun wieder aufwärts richtend: "Du suchst nen Topf und ich versuch mal derweil, den Herd in Gang zu kriegen, yeah? Gas fliesst oft auch, wenn die Leitungen eigentlich defekt sind: heavy dangerous, aber immerhin kann man darauf kochen.." Somit machte er sich daran, die Leitungen am Herd zu checken.

Montag, 6. Dezember 2010

Francis - Zahnpasta-Lächeln

Hätte Francis zuvor gut gegessen, wäre ihm bestimmt der Speisebrei hochgekommen, stattdessen würgte er unter Tränen nur bitteren Magensaft hoch, als das Monster endlich von ihm abliess und er wie ein nasser Sack zu Boden fiel. Selbst den lauten Knall, der dem Viech die Birne wegpustete bekam er nicht im vollen Ausmass mit. Ihm war noch ziemlich schwummerig, als Zig Zag ihn an den Schultern packte und in eine stehende Position hochzog. Zittrig wischte er sich den Tränenschleier fort, blinzelte noch einige Male, bekam aber ein Grinsen zu Stande als er in das Gesicht seines besten Freundes blickte. "Alter.. auf dich ist doch immer verlass.." flüsterte er und hätte dabei dem anderen gern auf die Schulter geklopft, was aber so unkoordiniert ablief, dass er die Schulter verfehlte und ins Leere griff. Allmählich wurde er wieder Herr seiner Sinne und ihm fiel ein, dass er ja garkeine Prinzessin war, die eben vom edelmütigen Ritter Zig Zag vor dem furchterregenden Drachen gerettet worden war. "Ach ja.. der Junge.." fiel ihm ein und er schenkte auch Kya ein aufmunterndes Lächeln. Gerade wollte er auf den Fremden zugehen, als Rion auf der Bildfläche erschien. Der Kleine sah noch blasser aus als sonst und irgendetwas schien nicht mit ihm zu stimmen. Ohne einen ersichtlichen Grund tänzelte er auf Francis zu Zig Zag zu, zückte seine Pistole und schob seinen schmalen Körper vor die beiden Männer. Völlig irritiert beobachtete der Amerikaner das merkwürdige Verhalten des sonst so scheuen Briten. Schon komisch wie unterschiedlich die Menschen in Stresssituationen reagieren. Scheinbar war Rion völlig ausgetickt und befand sich nicht mehr im hier und jetzt. Irgendeine fiebrige Erinnerung hielt ihn gefangen und liess einen ungewohnten Kampfgeist in ihm auflodern und obwohl Francis bewusst war, dass er den anderen vor einer Dummheit bewahren musste, konnte er nicht anders, als sich ein wenig geschmeichelt zu fühlen, dass der körperlich um einiges Schwächere sich so selbstlos als lebendiger Schutzschild vor ihm aufbaute. Diese selbstsüchtige Rührseligkeit wischte er aber schleunigst fort, schob Zig Zag sanft von sich und trat von hinten an Rion heran. Vorsichtig legte er seine Arme wie einen kuscheligen Mantel um ihn und zog ihn sachte an seinen Oberkörper. Nicht zu fest versteht sich, da seine Rippen höllisch schmerzten. "Rion.. es ist alles gut. Der Kampf ist vorüber. Du kannst dich entspannen, ja?". Seine tiefe Stimme war sanft wie milder Frühlingsregen und der warme Tonfall erfüllte den ganzen Raum. Mit einem schmerzlichen Ächzen liess er den Briten wieder los und richtete sich auf. "Zig, haben wir noch Verbandsmaterial? Im Fernsehen umwickeln die Leuten mit gebrochenen Rippen immer ganz fest den Oberkörper." erklärte er fachkundig und deutete dann mit einem Kopfnicken Richtung Kya, der übrigens bisher mit keiner Geste dem Waffenstillstand zugestimmt hatte, "Ich glaub, unser Gast könnte sowas auch gebrauchen.". Dass die zwei sich eben gegenseitig das Leben gerettet hatten, war Francis Grund genug einige Schritte auf Kya zuzugehen und sich vorzustellen. Dass der Fremde eine Kalaschnikov umklammert hielt und weiterhin diesen irren Ausdruck in den Augen hatte, schien dem Amerikaner nicht aufzufallen. "Ich bin Francis. Das sind meine Freunde: Zig Zag und Rion." Seine braunen Augen leuchteten nun wieder, so als hätte er bereits vergessen, dass er jetzt ebenso gut hätte tot sein können. "Oh, wie wär's mit Abendessen? Die hinteren Räume sind doch ok, oder?" fragte er seine zwei Mitstreiter, die ja diesen Bereich erkundet hatten. Weder die Tatsache, dass Rion beinahe auf Kya, der die Gruppe weiterhin bedrohte, geschossen hätte, oder dass sie alle inmitten von drei Leichen standen, noch seine eigenen Blessuren schienen Francis davon abhalten zu können, seinen amerikanischen Charme zu versprühen.


(Francis redet so seltsam daher, weil die Adrenalinkonzentration in seinem Blut noch etwas die Schmerzen stillt XD ..)

Freitag, 3. Dezember 2010

Rion - London Pride

Profiteroles, Ginger Crunch Cremes sowie Shortbread Petticoat Tails zu Irish Tea Gold Blend, das sollte die europäischen Freunde beindrucken. Eigentlich waren um diese Uhrzeit lediglich Scones vorgesehen. Was sollte dieser ganze Unsinn? Um jemanden die britische Kultur näherzubringen, ach, sie hätten diesen Ausländern gleich Fish and chips in die Gosche werfen können um zu sagen: Ja! Wir sind Briten! Ja! Unser Essen IST ungemein wenig gewürzt und ein wenig eigentümlich! Und nun geht und besucht die Grabstädte von Lady Di!
Er war ein motziges, träges, müdes Kind gewesen. Irgendwie war das alles viel zu viel. Bevor die Gäste kamen, das hatte Mutter ja schon vor zwei Tagen angekündigt, hatte er noch Unterricht. Geschichte, Geographie, Violine, Klavier, Kreatives Schreiben, Literatur der Neuzeit, Politik. Ihm qualmte der Kopf. In seinem Zimmer weinend, nachts, steckte er das Gesicht manchmal in die Decke. Aber seinen Hund liebte er. Die einzigen, die einzigen guten Stunden des Tages waren es, wenn er mit seinem großen Labrador, größer als er selbst, in die Freiheit fliehen konnte. Sein Hund...

Rion kotzte mitten auf den Flur. Die Tränen stiegen ihm wie heisse, stechende Klingen in die Augen, er versuchte sie zurückzuhalten, doch jedesmal, wenn das Kotzen ihn überkam, musste er unweigerlich auch ein wenig weinen.
Rauch, raue Soldatenhände, zwischen denen er hin und her gechoben wurde, unvermeidliche Verwüstung. Und dann... dann erschien er ihm, dieser unweigerlich bescheuerte, gutlgäubige, idalistische Amerikaner. So wie Amerikaner nun mal sind, so wie er sich Amerikaner immer vorgestellt hatte. Voll von wildem, unbezwingbarem Mut, Boston Tea Party. Das alles, was ein Klischee ausmachte, das alles, was er eigentlich zuwider fand, öbszön, stand plötzlich vor ihm. Und diese.. diese braunen, haselnussfarbenen Augen stierten ihn an. Weich war ihm in den Knien gewesen, kraftlos hatte er sich ergeben. Mitgegangen war er, weg von den Soldaten, die ihn behandeten wie pures Fleisch, wie Fickeigentum, zu einem Mann, er ihn kaum beachtete, der ihn nicht liebte, den er auch gar nicht kannte. Warum? Verlorenen in der Bräune seiner Augen, gefangen wie in einem Spinnennetz kotzte er nun auf den Boden, wie ein Kind und seine Nase lief unangemessen widerwärtig unadelig, er wischte mit dem Handrücken darüber.
Er hasste den Krieg. Er hasste es. Er hatte es genau gesehen. Die Explosionen, die Erschütterungen. Er hatte gesehen, wie sein Elternhaus in der Luft zerissen wurde, in roten, glühenden Flammen und nun - nun, nun vertrug er es immer noch nicht. Kein Blut, keine Gedärme. Es machte ihn Würgen. Es machte ihn zunieder. Er wollte weinen, sich verzweifelt den Kopf gegen den nächsten Balken schlagen. VERDAMMT!

Schnaufend, wackelig wich er der Übelkeit, tapste in den Raum zurück.Francis lag am Boden. Er selbst hechelte fast vor Aufregung. Verdammt..! Doch denn schließlich wanderte sein Blick, endlich hatte er sich gefasst, durch den Raum und er erkannte die Gefahr - und wie es ihm sein Liebster, sein goldblonder Liebster beigebracht hatte, zückte er seinen Colt. Um seinen Rücken geschlungen eine Kalaschnikov, doch ein Sturmegewehr war wesentlich schwerer zu bedienen und ungenauer als gewollt. Wenn er den Angreifer tatsächlich bedrohen wollte, war ein gezielter Schuss in die Stirn eine bessere Drohung als einzelne, schnelle Schüsse ins Nirgendwo. Er zielte genau auf Kyas Stirn. Plötzlich. Plötzlich, plötzlich, Hirnausfall. Er sah nur noch den Gegner, in Seitgalopp vor Francis sich stellend den Fein im Visir. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen.

Du hast es mir so beigebracht, du hast es mir so beigebracht.

"Francis. Steh... auf... der Feind.. steht vor uns.."

Er schnaufte. Pustete sich eine lange Strähne aus dem Gesicht. Und zitterte. Wenn nötig, würde er diesen Fremden erschießen. Er stand vor den beiden Männern, viel größer, stärker als er. Francis würde er beschützen. Sein Leben in den Abfluss der Hölle werfen für den Amerikaner, dessen braune Augen ihm den Sinn raubten.
"S.. steh gefälligst auf..!!"

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Kyanousch im Adrenalinrausch

Das Konzept vom kommunalen Leben war einfach so erfrischend, wenn man wusste, das es nicht genug für eine Kommune auf dieser Welt gab. Natürlich war aber der Faktor nicht zu übersehen, dass man zu zweit größere Chancen hatte, Nahrung zu finden oder sich zu verteidigen als einzeln. Was sollte aber versichern, dass der Lockenkopf hier ihn nicht einfach beruhigen und im Schlaf umbringen wollte, nachdem sie mal fette Beute gemacht haben? Man musste ja schließlich nicht immer nur aus Erfahrung lernen, solche hatten auch die anderen genug gemacht. Ein Grinsen strich beinahe über die Lippen des Kleinen, bevor er wieder zu sprechen anfing, "Sag mal, warst du in deinem frühen Leben ein wohltätiger Christe, von diesen Hari Krischna Leuten oder Kommunister?" Man merkte, wie seine Stimme und seine Wörter langsam an Kraft gewannen, auch wenn der unerkennbarer Akzent noch deutlich zu hören war. Alle wussten, was mit 'frühem Leben' gemeint war, das hatten sie jetzt alle, ein Leben, bevor das Gesicht diser Hure Muttererde durch die SchönheitsOP war und man endlich sehen konnte, wie sie sich zum Gefallen des Menschen schminkte.

Eine Atwort auf seine Frage wurde der kleine Lore dennoch nicht bekommen, denn Kya hatte gerade herausgefunden, dass diese Kommune wohl größer als sein ein-Mann-Clan war und damit er wahrscheinlich so oder so erst Mitarbeitbereitschaft zeigen musste, als plötzlich ein Mitglied der anderen Kommune, welcher Kya hier schon entgegen getreten war, sich zeigte und die Handlungen zu Günsten seiner Seite verändern wollte. Der Kleine hatte sich kurz gebeugt, um die Scherben auszuweichen und als er sich dann aufrichtete, merkte er seinen Fehler, so nah am Fenster sich in der Angriffsreichweite des Viehs gestellt zu haben. "Ei ti ruu boiaat!", fluchte er leise, als er nun nur die Augen zusammenkniff. In der nächsten Sekunden wurden ihm sofort zwei Tatsachen bewusst:
1. Ein montröses 'Ding' hatte ihn als Kuscheltier gewählt und wollte auch sichern, dass sein Teddy kuschelich weich wurde
und 2. Irgendetwas lebenswichtiges fehlte ihm und die Antwort war nach weiteren 4 Sekunden deutlich 'Luft'.
Es vergingen noch einige Sekunden, in denen der junge Bakhtyare sich überlegte, die ihm wenig verbliebene Kraft lieber in welchem Gelenk zu investieren, da sie erst einmal nicht für alle vier ausreichte. Doch soweit kam es nicht, denn nun hörte er ihm vertraute Geräusche, nämlich Schüsse, also sogar mehrere und das konnte in seinem jetzigen Zustand mit wenig Abweichung nur positiv sein. Sobald er das Gewicht von dem Vieh nicht mehr ihn drücken spürte, rollte der Junge erst mal zur Seite, um sein Messer abzuholen und stand - trotz des Schmerzes - auf. Der nächste Schritt nahm einfach sein Instinkt, welches Kya zu seiner heiß begehrten 'Kelasch' führte, der nicht weit weg ebenso auf dem Boden lag.

Als er endlich hochschauen konnte, Kelasch in seinen überkräftigen Händen festklammert, rannte nun der Lockenkopf auf ihm zu, bevor er von dem Ding als nächstes Kuscheltier erwählt wurde. Die Magazine und die Pistole auf dem Boden hier waren das unfehlbare Anzeichen eines Fehlers, welchen man um jeden Preis vermeiden musste. Bevor Kya nun auf das Ding zielte, musste er also vor allem sichern, dass er nicht denselben Fehler begehen wurde. Während er nun das Geschehen mit weit offenen Augen beobachtete, tastete er mit den Fingern die schöne Röhre an seiner Kelasch. Es war genau innerhalb dieser wenigen Sekunden, als die Tür aufgerissen wurde und eine Figur, welche man im ersten Blick weder als Mensch noch Ding erkennen konnte, trat ein. Die war bekleidet und hatte grell grüne Rasta auf dem Kopf, ging sofort zu dem Ding und drückte eine Kippe - oder Tüte - an ihm aus, woraus das verzweifelte, verlorene Monster schreiend ihn an die Wand drückte. Die Sekunden waren vorbei, der Neuling war ein Mensch, war mit dem Lockenkopf zusammen und Kelasch war sicherlich geladen. Nun während der Grünkopf dem Viel den Genuss seiner Faust direkt in die Fresse bekannt machte, konnte Kya zielen. Den Mann wollte er auf keinen Fall treffen, nicht dass es ihm etwas ausmachte, einen Menschen zu töten, denn es gab keinen Grund, warum nach den anderen er ausgerechnet für die komische Figur hier eine Ausnahme machen wollte. Kelasch war keine Pistole, ein neuer Schuss verlangte nach Zeit, die gerade ihre Wichtigkeit für das Durchziehen einer Reaktion immer deutlicher ausdrückte. Außerdem wuchsen Munitionen auch nicht aus dem Boden und man wusste nicht, wie schnell man wieder etwas bzw. jemanden mit einer heißen Waffe kalt machen musste. Nun hatte Kya aber die Zeit gehabt, die er brauchte. Ein einziger Schuss und das Vieh lag auf dem Boden, ruhig und friedlich neben den zwei anderen, die durchaus schmerzlicheren Tod hinter sich hatten.

Kya betrachtete das Paar mit dem Messer nun an seinem Gürtel und Kelasch immer noch Schussbereit in den Händen. Als der Grünkopf nun ihn völlig ignorierend zu dem anderen ging und nach seinem Wohlbefinden fragte, bestätigte der Kleine sein Urteil im Gedanken: definitiv ein Mensch... oder gute Annäherung an einem solchen. Jetzt aber erschien eine weitere, zierliche Figur im Türrahmen, worauf Kya zunächst instinktiv zielte, doch dann drehte sich dieser (diese?) um und musste sich anscheinend übergeben. Verwundert fragte sich der kleine Lore, woher wohl dieser kam, wenn er nicht einmal so etwas zusehen konnte. Es mochte aber dann auch an falsches Essen legen, welches das einzige war, womit man den Magen füllen konnte.
Wieder mit dem wilden Blick in den haselbraunen Augen sah er das Geschehen zu, Kelasch hielt er aber immer noch bereit in den Händen und wartete erst mal ab. Wie viele von ihenen noch in dem Haus herum irrten?

Dienstag, 23. November 2010

Zig Zag - in letzter Minute

Die Räume waren holzig, soweit er das beurteilen konnte. Es war so ein Landhausstilschmuckstück, eine Zuckerperle unter den vielen Pensionen, die modern und unpersönlich gegenüber altertümlicher Gemütlichkeit bevorzugten. Seine rauen Fingerkuppen strichen über das faserige, moderne Holz. Dies musste mal ein schöner Ort gewesen sein. Durch die Fensterläden schien das staubige Sonnenlicht in einem fahlen Schein auf den knarrenden Boden. "Familienausflüge an warmen Sonntagen in die Berge.. gutbäuerliche Küche.." Er schloss die Augen. "Mhhhmm... alles hier riecht nach uriger Behaglichkeit.. alles hier schmeckt..." Er wollte schon die Wand genüsslich mit seiner Zunge entlanglecken, doch sein viel kleinerer, jüngerer Kollege mit den Rehbraunen Augen rümpfte angewidert und lautstark die Nase und Ziggy entsinnte sich dessen, dass es sich hierbei - nun, wirklich nur um eine holzverkleidete Wand, und um eine dazu ziemlich widerlich von Würmern zerfressene handelte. Mit einem Zug an seinem nach duftenden, dampfenden Kräutern riechenden Tütchen liess er ab von seiner neuen Geliebten, der urigen Holzigkeit und stieß, ihn kurz im Mund behaltend, den Rauch genüsslich in das Zwielicht des furchtbar kleinen Raumes, der wohl einst ein mal der Empfang gewesen war, hinaus. Der Rauch stieg in großen Wolken, magisch und fragil hinauf und klebte sich für den Rest der Ewigkeit als einschlägiger Cannabisgeruch an die Decken und Balken.
"Ein Wunder.. ein Wunder..", brabbelte er mit einem unterdrückten Kichern. Ein Wunder, dass sie in so einer trostlosen, mordsgefährlichen Gegend so einen herrlichen, seeligen Ort voll Heimatgefühl dieses einst so schönen Landes gefunden hatten, ohne abartige, mutierte Kreaturen, Kannibalen oder die zerstreuten, fickwütigen Mitglieder der einstigen Army. Da wollte er an seinem Joint ziehen und fast schon stiegen ihm Tränchen der Rührseligkeit in die Augen, als dieser Mordskrach aus den Nebenräumen in seine Ohren dröhnte. Ruckartig sich zur Tür drehend liess er fast sein Liebchen fallen. Kurz stockte er, musste überlegen. "War France nicht da lang..?" Ein ersticktes Aufkeuchen hinter ihm, sein Begleiter hielt sein Gewehr umklammert und wollte schon losstürmen, doch Ziggy war schneller, knallte mit Wucht die Tür auf und rannte durch den Korridor Richtung Speiseräumlichkeiten, die sein best-buddy-ever France sich unter die Lupe nehmen wollte. "FRANCIS!" Die Stimme des großen, gebräunten Mannes hallte durch den Flur und liess den Spachtel erzittern. Er riss die vor ihm liegende Tür auf, sah ein Szenario, das unwirklicher nicht sein konnte. Ein übergroßer Winnie Pooh-Verschnitt knuddelte seinen Freund zu Tode, während ein weiteres, kleines Wesen, dass zierlich, zerbrechlich und ünnütz dem ganzen zusehend da herumstand. Ohne nachzudenken stürmte Zig-Zag auf das Vieh zu und drückte seinen Glimmstängel mit Wucht in die Haut des Glücksbärchiebiestes, es gab einen widerwärtigen, schmerzerfüllten Schrei von sich und schlug schließlich sein Opfer fallen lassend in die erbebende Wand ein, als der vor Wut schnaubende Jamaikaner mit der Faust hart in die unmenschliche Fresse seines Gegenübers schlug. Da reagierte auch das kleine Wesen auf der anderen Seite des Raumes und mit zittriger Hand seine Waffe umklammernd schoss es den glücklichen Todesschuss direkt in den Kopf des Bärenmonsters. Ein tierisches, verzerrtes Brüllen entkam ihm kurz davor, bevor sein Hirn explodierte und sich wie warmer Pudding auf den Wänden und dem Boden verteilte. Ziggy verzog das Gesicht. "Bääh...." Und sein armer Joint erst dazu! Doch nein nein, keine Zeit verlieren; er packte Francis und hiefte ihn liebevoll wie eine Mutter ihr kleines Küken hoch. "Alter.. Alter, alles klar? Hat dir das Ding die Nieren aus den Ohren gepresst?" Mittlerweile stand auch der vierte der Gruppe schnaufend in der Tür, drehte sich aber schnell wieder weg, da der Anblick des zerfledderten Biestes ihm wohl nicht bekam. Würgegeräusche aus Richtung der Tür. Ziggy wuschelte seinem Kumpel durchs Haar und schnaufte aus. "Nochmal Glück gehabt.."

Donnerstag, 4. November 2010

Francis - Angriff!

Die Schwachen und Kranken einfach zurückzulassen war noch nie Francis' Fall gewesen. Er war der Meinung, dass jede Seele gerettet werden kann. Ein echter Weltverbesserer sozusagen. Das war schon während der Highschool-Zeit so gewesen. Francis, damals Captain der Football-Mannschaft und zeitweise sogar Schülersprecher, glaubte fest daran, den ultimativen Zusammenhalt schaffen zu können. Tatsächlich folgten genug Schüler dem charismatischen Amerikaner und dennoch konnte er weder mobbing abschaffen, noch exzentrische Aussenseiter in seine heile Welt integrieren. Seine Anführerqualitäten hatte er dennoch nicht verloren und wenn seine nachkriegliche Endzeitstimmungsgruppe noch klein war, hatte er bereits wahnwitzige Visionen, so viele Überlebende wie möglich zusammen zu kratzen, um etwas Neues aufbauen zu können.

Und nun stand also ein potentielles neues Mitglied seines Wiederbelebungsprojektes vor ihm, wirkte jedoch nicht im geringsten so, als würde er sich über die Ehre freuen. Der Kleine verhielt sich wie ein bedrohtes, in die Ecke gedrängtes Tier, fletschte regelrecht die Reisszähne und knurrte Francis warnende Worte in nicht ganz leicht verständlichem Englisch zu. Die Argumentation des Jungen ergab durchaus Sinn, doch stand hier das Wohlergehen des kleinen Grüppchens auf dem Spiel und daran war als allererstes zu denken, da konnte der Amerikaner noch so sehr den guten Samariter spielen wollen. "Ok, pass auf. Ich will dir nicht wehtun. Wir sollten teilen, was wir finden." fing er an, den Jungen zu beschwichtigen. Seine Hände waren schweisnass und verkrampft, der rechte Zeigefinger, der immer noch um den Abzug gekrümmt lag, fühlte sich schon ganz steif an.

In einem der Nebenzimmer knarzte eine Tür. Beinahe synchron drehten sowohl Francis als auch der Fremde die Köpfe in Richtung der Geräuschquelle. Jetzt musste der Junge begriffen haben, dass er in der Minderheit war. Doch ehe diese Tatsache eine Wirkung auf den Kleinen zeigen konnte, überschlugen sich die Ereignisse. Mit einem ohrenbetäubenden Krach barst eines der grossen Fenster, das auf die Strasse hinausführte. Tausende Scherben flogen durch die Luft als stünde ein Messerwerfer im Raum, der fleissig für die Abendvorstellung übt. Mitten aus dem funkelnden Regen aus Glassplittern schoss eine Gestalt hervor und stürzte sich auf Kya, der näher am Fenster gestanden hatte. Francis hatte um sein Gesicht zu schützen, den Arm gehoben und sein Gehirn brauchte einen Moment um zu realisieren, was passiert war. Als er den Arm senkte lag der Junge am Boden und versuchte, das "Monster", ein stark behaartes Wesen mit den Proportionen eines Menschen, mächtigen Pranken, die denen eines Bären ähnelten und einem entstellten Gesicht, von seinem kleinen Körper zu drängen. Das lebensrettende Messer, das der Dunkelhaarige bis eben noch so selbstbewusst umklammert hatte lag nun in beinah unerreichbarer Ferne, doch hätte ihm die Waffe ohnehin nicht viel gebracht, denn allein die Wucht mit der er zu Boden gerissen wurde, hatte ihm die Rippen mindestens angeknackst und nun war Kya genug damit beschäftigt, noch Luft bekommen zu können.

"Fuck!" stiess Francis zischend aus, nahm sich kaum Zeit zu zielen und feuerte einfach auf das Ding, das vor Schmerzen aufschrie. Blut spritzte aus einer Wunde an der rechten Schulter des "Monsters", eine weitere Kugel hatte ein Loch in den Oberschenkel gerissen, mit dem dritten und vierten Schuss hatte Francis verfehlt. Die Wirkung verfehlt hatte die Aktion jedoch nicht, denn das Vieh liess von dem malträtierten Jungen ab und sprintete auf Francis zu.

Das Ding war schneller als gedacht, doch gelang der erste Ausweichversuch. Francis hatte es knapp geschafft, beiseite zu springen und einen Tisch umzuschmeissen, was seinen Gegner in noch grössere Raserei versetzte. Der geringe Vorsprung reichte gerade aus, um erneut die Pistole zu heben und den Abzug zu betätigen.

Klick. Mehr passierte nicht. Ein fataler Fehler. Nachzuladen war unmöglich und um die Flucht zu ergreifen war der Raum zu klein. Sein Herz raste als er, den Blick starr nach vorn gerichtet, ein neues Magazin aus seiner Hosentasche fummelte. Kurz bevor die wild fuchtelnden Pranken des Dinges ihn zu fassen bekamen, liess Francis sowohl seine Waffe als auch die dazgehörige Munition auf den Boden fallen und trat sie in Richtung des fremden Jungen. Im nächsten Moment wurde sein Körper umschlungen und ihm blieb die Luft weg. Als das "Monster" versuchte, ihm die Organe aus dem Körper zu quetschen, hörte Francis es einige Male leise knacken und er hielt auch keinen markerschütternden Schmerzensschrei zurück. Im Adrenalinrausch zappelte er wild und trat immer wieder gegen die Beine des weitaus kräftigeren Gegners ein und zerrte und rupfte an den pelzigen Armen, die ihn festhielten. Gegen dieses Ding war er chancenlos.

Mittwoch, 3. November 2010

Kyanoush - ein Zimmer in der Pension

Es müsste irgendetwas in seinem Namen gewesen sein, ein Trieb, unsterblich weiter zu kommen und alles Mögliche, was sogar seine eigene Kreativität nicht mehr verkraftete, zu überleben. Sonst konnte Kya keine andere Erklärung dafür finden, wie er immer noch lebte, während die anderen aller schon längst vergangen waren... oder vielleicht sollte man sagen, während sie alle Vergangenheit waren, eine dermaßen ferne Vergangenheit, die heute eher wie eine komische Fiktion von einer Welt schien. An dem Tag, als er seine Familie verloren hatte und zwei Tage warten musste, bis man ihn fand, wurde es dem Jungen etwas klar: er musste sich auf alles mögliche vorbereiten, wenn er leben wollte, er musste auf wörtlich alles gefasst sein und keinen Moment zögern, wenn er vorhatte, auf dieser Welt - eine, worauf es zu der Zeit wenigstens noch genug zu essen gegeben hatte - zu leben. Es war zwar nicht zu verstehen aber irgendwie spürte der junge Lore immer noch ein unmöglich starkes Gier nach Leben. Sogar nach all dem hatte er keinen einzigen Moment daran gedacht, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wäre er heute nicht - lebendig - da. Gerade das machte den Unterschied zwischen ihm und den anderen, die ihm dieses Überleben rauben wollten. Vielleicht war es doch die Kraft in seinem Namen, die dem kleinen Jungen jegliche Gedanken über eigenen Tod versiegelte.
Kyanousch, der Unsterbliche der Kyan; Anousch, der Unsterbliche.

So prachtvoll und schön dieser königliche (aus der Kyani Dynastie) Name jetzt auch klingen mochte, gab es dennoch auf der Welt des jungen Kya keinen Platz für glänzende Schildchen, noch weniger für Trophäen. Die Unsterblichkeit wurde jetzt mit Blut und im Dreck geschrieben, sie verhungerte bis zu Grenzen des Unverstandes und riss jedem Toten - oder Lebendigen - die Kleider aus dem Leib, um die frostige Nächte zu den Dämmerungen zu bringen, wenn die stechende Sonne einem die Augen aus dem Schädel heraus löffeln wollte. Aber natürlich, auch die Sonne verhungerte jetzt.
So stand er auch jetzt über die zwei Leichen, ohne ein Bedenken, ohne Reue, ohne Schmerzen außer wegen des Kratzers an einem Arm, welcher aber dann so unbedeutend war, dass man es gleich vergessen konnte. Er schimpfte nur weil er nicht wissen konnte, ob man das Fleisch solcher Wesen essen durfte oder nicht... eigentlich eher nicht, wie sie nun aussahen. Einer von den beiden hatte noch den Verstand nicht ganz verloren gehabt und sprach viele Wörter, bevor Kya es kalt machte. Dieser lästige Geschwätz, als man sei noch ein Mensch und wolle mit bunten Friedenfähnchen in die Gegend laufen. Zugegeben an manchen Tagen sprach Kya sogar mit sich, um diese Fähigkeit 'Sprache' zu bewahren, denn in seinem jungen, naiven, dämlichen Kopf lungerte noch das unheimliche Monster 'Hoffnung' herum. Die Hoffnung darauf, irgendwann vielleicht wieder auf Leute zu treffen, mit denen man sprechen mochte/ sollte/ musste und sogar konnte. Im nächsten Augenblick geschah dann das Unvorhersehbare. Ein ziemlich menschliches Wesen - Kya war längst nicht mehr so doof, irgendwas auf dem ersten Blick 'Mensch' zu nennen - trat ein und zielte ziemlich präzise auf ihn mit einer Pistole. 'Also besaß das Ding noch genug Intelligenz, sich einer solchen Gewehr zu bedienen', war Kias erste Gedanke. Der kleine Junge schaute nun auf den anderen, mit wilden, bernsteinfarbigen Augen, die irgendwie versuchten, mit dem Blick nach der Seele seines Gegenübers zu suchen. Keuchend blieb er mit dem Messer in der Hand einfach da, bis der - augenscheinlich - Ältere sich entschied, Wörter zu reden, die ganz deutlich auf ein sauberes Englisch hindeuteten. Es dauerte einige Sekunden, bis Kya ihren Sinn verstehen konnte. Sie waren vor allem logisch. Was er aber nicht verstehen konnte, war warum dieser überhaupt seine Zeit mit Wörtern verschwand. Er wollte nicht sofort denken, dass vielleicht sein Gegenüber von derselben Hoffnung überfallen war, auf dieser Welt 'Gesellschaft' zu finden.
Von dem Kampf mit den beiden war der Junge noch außer Atem und seine Stimme klang heiser, als er dann den Mund aufmachte "Nicht verrückt genug, um zu vergessen, dass du hier eigentlich mein Essen nehmen willst, nachdem ich die Monster hier schön erledigte.", sagte Kia, ohne das Messer fallen zu lassen. Doch bewegen tat er auch nicht, denn den Fremden mit einer Pistole wollte er nicht reizen. Sollte es dann zu einem Mann-zu-Mann Kampf kommen, hatte er viel bessere Chancen als wenn er sich gegen eine Pistole und das von so kleiner Entfernung stellen wollte. Dass sein Gegenüber nicht alleine da war, konnte er allerdings nicht wissen. 

*Ich habe keinen Spellcheck oder ähnliches, also müsst ihr euch mit den Fehlern wohl zurecht finden. (Könnt ihr auch für mich korrigieren.)

Sonntag, 31. Oktober 2010

Francis - Die neue Realität

14. Juni 2023. Der kleine Wandkalender, der hinter der Theke neben der kaputten Uhr hing war auf dieses Datum eingestellt. Soweit Francis hatte mitrechnen können, war das vor etwa drei Jahren gewesen. Das kleine Restaurant mit angeschlossener Pension sah zwar ziemlich ramponiert aus, doch waren sie auf jede einzelne Dose mit Lebensmitteln angewiesen und alles, was vier Wände und ein Dach drüber hatte, konnte als Unterschlupf dienen. Die Welt war gefährlich geworden. Nachdem keine Bomben mehr gefallen, die Gewehre verstummt und die Feuer erloschen waren, wurde es zunächst still. Dann legte sich der Staub und man konnte eine grausame Komposition der Zerstörung betrachten. Die wenigen Überlebenden rotteten sich in kleinen Grüppchen zusammen. Verängstigst, verstört, nicht überlebensfähig. Mutationen waren keine Seltenheit und oftmals konnte man nicht mehr sagen, was die agressiven Wesen, die einen angriffen, einst gewesen waren. Es hatte Menschen und Tiere getroffen und die Vegetation streckenweise vollkommen ausgelöscht.

Francis, Zig-Zag und Rion waren drei Junge Männer, denen nichts geblieben war, als den aussichtslosen Kampf um's nackte Überleben bis zum letzten Atemzug auszufechten. Sie hatten sich in einem der Auffangcamps, die es Anfangs noch gegeben hatte, kennengelernt, doch Soldaten waren gekommen, hatten sich einige Mädchen und auch Jungs gegriffen und die Vorräte geplündert. Zu viert waren sie damals geflohen und jetzt, etwa ein Jahr später waren sie noch zu dritt. Sie konnten stolz auf sich sein, denn sie hatten es weit gebracht, sich Kampfstrategien und Fluchtpläne zurecht gelegt, schiessen geübt und sie hatten herausgefunden, dass es mindestens 15 verschiedene Möglichkeiten gibt, Dosenravioli zuzubereiten und gelernt, den Brechreiz zu ignorieren, da sie wussten, dass jedes bisschen Nahrung zu wertvoll war, um es dem Körper wieder entweichen zu lassen. Es hatte sie Richtung Süden gezogen und auf ihren Wegen hatten sie viel Chaos und Elend gesehen, Ruinen und Leichenberge und stinkende Kadaver, verwesender Tiere, aber auch völlig intakte Gasthäuser und Lebensmittelmärkte. Sie plünderten halb verlassene Stützpunkte, die oft noch von Soldaten bewacht, oder wohl eher bewohnt wurden, deren Heimat in Trümmern lag, oder die einfach im fremden Land vergessen worden waren. Auch abgelegene Dörfer, die der Krieg geschont hatte, vielen den dreien zum Opfer. Jeder hier hatte um's Überleben zu kämpfen, auch wenn das hiess, anderen Menschen ihre Nahrung zu stehlen, ihnen Kleidung und Decken wegzunehmen und ihnen bei Gegenwehr, den Schädel einzuschlagen.

Und doch hätte Francis nie sinnlos Gewalt angewandt. Diese letzte Hemmschwelle, die er noch nicht überschritten hatte und die ihn berechtigte, sich "Mensch" zu nennen und sich nicht wie ein "Monster" zu fühlen, hinderte ihn wohl daran, das "Kind"(?), das da mit blutverschmierten Händen, ein Messer umklammernd, heftig schnaufend und keuchend und den irren Blick auf ihn gerichtet vor ihm stand, einfach abzuknallen. Zu den Füssen des Jungen(?) lagen zwei aufgeschlitzte verstümmelte Gestalten, halb Mensch, halb.. .. irgendwas. Sein Kopf befahl ihm Ruhe zu bewahren, seine Muskeln jedoch spannten sich an und er war bereit zu reagieren. Wie zwei wilde Tiere musterten die beiden sich und keiner wollte ich als erster rühren. Francis konnte spüren, dass er zu Unrecht in das Territorium des dunkelhaarigen "Kindes" eingedrungen war, wusste aber auch, dass ein falscher Schritt sein letzter sein konnte. Ihm blieb jedoch keine andere Wahl, als dem anderen zu signalisieren, dass er nicht vorhatte, ihn zu töten. So liess er seine Pistole, mit der er bislang auf den Fremden gezielt hatte, sinken und erhob gleichzeitig vorsichtig die Stimme: "Hey. Bist du ein Verrückter? Wenn du mich angreifst, werde ich mich wehren. Ansonsten lass' ich dich in Ruhe. Ich such' hier nur was zu essen. Du bist doch kein Irrer, oder?". Er sprach ruhig, jedoch nicht unsicher, vermied es, zu schreien und verbannte jegliches Zittern aus seinem Tonfall. Sein Finger lag noch um den Abzug gekrümmt, doch zeigte der Lauf der Waffe inzwischen auf den Boden. Francis hatte grosses Vertrauen in sein Reaktionsvermögen. Und in seine Intuition. Dennoch hielt er den Atem an.