In weniger als 2 Minuten zeigte sich die zierliche Figur im Türrahmen – der doch ein Junge zu sein schien – gefährlicher als im ersten Augenblick, denn sofort nachdem er sein Mageninhalt heruntergeladen hatte, betrat er das Zimmer mit einer Pistole in der Hand, auf Kya gezielt. Sobald dies einen Fuß durch den Türrahmen setzte, war Kelasch seine Richtung gedreht, denn von ihm schien ja gerade größerer Gefahr auf Kyas Leben eingehen als von den beiden Älteren. Im ersten Blick schätzte ihn Kya so ungefähr in seinem Alter, auch seine Statur schien nicht groß anders als Kyas, gut ein wenig magerer war er schon. Sofort schießen wollte Kya nicht, als er mit der Pistole ihn drohte, denn offensichtlich waren seine Kameraden noch hier und auch wenn Kya ihn mit einem sauberen Schuss erledigte, brauchte er mit Kelasch mehr Zeit von einen zweiten als die beiden dafür, mit ihren Pistolen Kya kalt zu machen. Da waren also drei Menschen vor ihm, die aller mehr oder weniger genauso verzweifelt für ihr Überleben kämpften wie Kya. Und wer kämpfte heutzutage bitte nicht? Nur manche hatten mehr Glück, manche weniger. Es war leider nichts Heldenhaftes daran, diese Art von Dasein weiterzuführen und man tat es trotzdem, einfach um einen nächsten verfluchten Tag zu sehen, dessen Tageslicht einem entweder in den Wahnsinn trieb oder einfach durch die Haut brannte.
Nun kam der Lockenkopf fast magisch wieder zum Leben und sprach seine beiden Kameraden an. Der war auf jedem Fall in seiner Horde wichtig, sah man sofort an, dass die beiden anderen auf ihn hörten. Doch noch bevor Kya und der kleine die Sache mit ihren Waffen unter sich regeln konnten, begann der mit den komischen Haaren, der auch größer war als die beiden anderen, sich eine Tüte zu drehen. Sehnsüchtig und gierig sah Kya jede Bewegung seiner Fingern nach. Wann hatte er das letzte Mal kiffen können? Es war definitiv ein paar Monate her. Während er also nun drehte, stellte sich Kyanousch vor, wie ein ordentlicher Joint schmeckte, stellte sich die Nachwirkung vor und sah den Mann mit den grünen Dreads ziemlich bedürftig nach. So gewann er Kyas volle Aufmerksamkeit, was aber nicht hieß, dass die beiden anderen machen konnten, was sie wollten. Nun kam er sogar mit dem angezündeten, in dem Raum duftenden Joint auf dem kleinen Loren zu und dadurch wurde sein Image in den Augen des kleinen immer freundlicher und liebenswerter. Wollte er vielleicht auch Kya ein paar Züge gönnen? Als er aber ohne Warnung Kya an sich zog, der immer noch die Hände um seine Kelasch umklammert hatte, musste der Dunkelhaarige zusammenzucken. Egal wie ihm jetzt die Nähe eines Menschen gefiel oder nicht, mochte er es nicht, ungewarnt angefasst zu werden. Doch der Grünkopf schien nicht nur älter, war auch weiser und ließ ihn so schnell wie er Kya zu sich gezogen hatte auch los. Gerade darüber beruhigt, wirkte auch endlich die Magie und ihm wurde einen Zug an dem märchenhaften Joint gegönnt. Kya zog gierig und tief, wie ein kleines, hungriges Säugling an Mutters Brust, der nicht nur Nahrung sondern auch Wärme und Sicherheit zu sich saugen möchte. Prächtig!
Danach ging alles auf Hochtour, man hieß Kya willkommen, wofür auch immer konnte er nicht verstehen, dann wurde er in dem Gebäude, dessen Ecken er schon erkundet hatte, hinterher gezogen von dem grünen, niedlichen Jointmonster – natürlich mit Kelasch immer noch in seinen für die Körperverhältnisse großen Händen – und landete dann in der Küche mit ihm, der behauptete, der Küchenchef zu sein. Als er jetzt die Hand durch Kyas Haare führte und nach dem auch der Joint seine Magie gewirkt hatte, konnte Kya seine Fantasien nicht zügeln und musste sich kurz vorstellen, wie er diesen kuscheligen, warmen, nach Kräuter duftenden Jointmeister flach legen würde. Hieß er dann nicht etwas ZigZag? Oder hatte Kya es sich nur so gedacht, weil der andere Lockenkopf ihn so unklar ausgesprochen hatte? Auf jeden Fall könnte der Kleine sich nun zu gerne an die nackten Wendungen eines Zigzags heran machen, wenn er auch sofort ihn mit warmen Ravioli futtern wollte. Wäre er nicht in einer Gruppe und alleine, hätte Kya ihn sofort adoptiert, der machte einfach den Eindruck einer perfekten Hausfrau auf dem kleinen Loren: reichte ihm rechtzeitig in Streitigkeiten einen Joint zu – nicht zu sprechen von seiner Drehkunst, roch gut, hüpfte mit ihm frisch fröhlich durch die Gegend und wollte ihm auch gleich seinen Traumravioli zubereiten. Wie er so aussah, konnte Kya vermuten, dass er auch im Bett gut war... solche Verschwendung in dieser kleinen Gruppe!
Damit er nun seiner Traumfrau bewies, dass er auch ein könnender Mann mit diversen fertigkeiten war – und das trotz des geringen Alters – schaute Kya zuerst auf die Raviolidosen, nahm dann die Tüte von Zigzags Hand, zog wieder einmal tief daran, gab sie ihm zurück und kramte in einer seiner zahlreichen Hosentaschen. Mit verzogenen Augenbrauen suchte er eine Weile darin und in zwei weiteren Taschen und stellte abschließend fünf verschiedene Gewürzarten auf dem Küchentisch: drei Kräuter, irgendwelcher Würzel und dazu noch etwas, was wie ein großer Kern aussah. Schweigsam und seriös machte er nun ohne Zögern einen der Küchenfächer auf – denn er hatte ja vorhin schon alles durchgesucht – und stellte seinem neu gefundenen Lieblings drei verschiedene Töpfe ebenso auf den Küchentisch, während dieser nun Kya seine Technikerfertigkeiten demonstrierte.
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