Montag, 24. September 2012

Kya - Verwaltung


Endlich gab es hier was vernünftiges zu tun und dieser Franzosentrottel war natürlich zu dumm und zu sehr mit sich selbst und das schändliche Elend für sein Leben beschäftigt, um es zu checken. Kein Wunder, dass dieser Parasit sich nur an der Seite seines barbarischen Bruders ernähren und am Leben halten konnte, denn wem fiel es ein, zu jammern, wenn es darum ging, Futter zu besorgen?!
“Nur dieses eine Mal spiele ich mit und spiele den Kindergartenerzieher.”, warnter Kya den wortkargen Blonden, dem es anscheinend nicht aufgefallen war, dass man sich schon seit über einem Jahrhundert lieber eine andere Sprache bedeinte als die seine. Seufzend ging er herüber zu dem Kerl, der wie ein bockiges, kleines Gör auf der Stelle stehen geblieben war und vor sich jammerte. Ginge es nicht ums Essen, hätte er auf der Stelle die Nervensäge mit einem großen Stein oder eine Stange von der Last des Lebens entlassen – welcher Narr würde dann schon fürs Muttisöhnchen Munition verschwenden?!! - doch der Scharfsinn des Loren sagte ihm, dass in diesem Fall etwas Geduld sich definitiv lohnte. Es gab hier irgendwo sicher Lebensmittelvorräte und zwar für die große Gruppe, die dieser Soldatenabschaum waren. Das verprach zumindest einige reichliche Mahlzeiten.
Der Bengel aber, den er betreuen musste, schien über diesen Voteil ganz bewusst zu wissen, denn er fing nun an, Kyas Geduld um neuen Maßen herauszufordern. Ein Lore war nie tolerant gegenüber Beleidigungen, die der Franzosentrottel gut auswendig gelernt hatte, vor allem aber hassten es Loren, beleidigt zu werden, wenn der Gegenüber der lorischen Sprache nicht mächtig war und dementsprechend auch ihre Gegenleistung nicht zu schätzen wusste, “Ei beni mene u Djannem ke berat rafta bi! Ei nasnasa bi namus!”, schimpfte er also – eher um sich zu beruhigen – entgegen, während er nun dem Blonden folgen musste. Dieses Mal packte er ihn besonders barsch am Arm, mit einem fast übermenschlich starken Griff, drehte diesen zu sich um und passte ihm zwei ganz sorgfältig ausgerechneten Ohrfeigen. “Keiner scherzt mit dem Essen!”, warnte er Jules, während zwei wilden bernsteinfarbigen Augen in die vergleichsweise leblosen Augen des Franzosen hinein bohrten. “Du kannst dich umbringen, wenn du willst aber keiner hier gefährdet Essensreserven der Gruppe.” Nun packte er ihn etwas lockerer am Arm und schüttelte ein Mal, “Kappiert oder ist das zu viel für dein Erbsenhirn?” Um sicher zu sein, dass die Sprachkenntnisse des anderen tatsächlich angewendet wurden, hob er leicht mit der anderen Hand Kelasch, “Das werde ich an dir nicht versgeuden, wenn du dich so sehr nach einem schnellen Tod sehnst.” Nun wurde der Franzose von Kya durch die selbe Gasse und in dieselbe Richtung geschubst, wo er hin wollte. Wäre er zufällig dabei gewesen, tatsächlich Kya zu ihren Vorräten zu führen, so wollte der Lore diese Chance auf keinen Fall verpassen.

Dienstag, 18. September 2012

Jules - Lâchement

Zu dumm, nicht wahr? Eigentlich wollte er nicht zurück zu diesen Leuten. Vor dem grossen Kerl mit den Dreadlocks, der ihn erst so zärtlich behandelt und kurz darauf Lucien zu Boden geschmissen und ihm den Schädel zertrümmert, der wie ein wildes Tier noch zwei andere Männer niedergemetzelt hatte, hatte Jules solchen Schiss, dass er ihn nicht wiedersehen wollte. Was war das nur für einer, der so freizügig lieben und im nächsten moment blutrünstig morden konnte?! Dem Rothaarigen, der Max hiess soweit das stimmte (und das hatte auch nur Jules interresiert, die anderen hatten nicht danach gefragt) würde er nicht in die Augen sehen können nach allem was sein Bruder und dessen Freunde ihm angetan hatten. Jules hätte ja etwas dagegen tun können, doch er hatte es einfach zugelassen als wäre es schon irgendwie in Ordnung, was es ganz und garnicht war. Ausserdem war da noch der Kleine, den er gefickt hatte, der ihm gerade aber auch scheissegal war obwohl er ihn prinzipiell ziemlich süss fand und vielleicht wiedersehen wollte. Jules hatte also (fast) keinerlei Ambitionen, zu diesem gestörten Haufen Kontakt zu suchen. Was allerdings wollte er denn sonst tun? Wo sollte er hin? Er hatte Angst. Panische Angst sogar. Zu dumm also, dass er zu feige war, selbstständig seinen eigenen Arsch  zu retten und sich lieber an diese komische Gruppe hängen wollte, die ihm nicht geheuer war.

Dass aus seinem Leben nichts werden würde, hatten ihm sämtliche Familienmitglieder ja seit jeher eingetrichtert und siehe da, sie sollten Recht behalten. So karg hatte er sich seine Zeit als junger Erwachsener allerdings auch wieder nicht vorgestellt. Während er halb im Delirium durch die Strassen wankte und möglichst viel Zeit schinden wollte, bis er sich den anderen anschloss, kam ihm ausgerechnet der unheimliche Junge entgegen, der ihn heute Morgen schon misstrauisch beäugt und aus der Ferne beinahe angeknurrt hatte. Jules wurde angesprochen und verstand natürlich kein Wort von dem, was der Typ da brabbelte aber der packte ihn grob am Handgelenk und zerrte ihn mit sich. Irgendwie machte er verständlich, dass er Essbares suchte und der Blonde konnte sich errinnern, dass sie noch einiges an Vorräten übrig hatten. Der ruppige Türke oder Araber oder was auch immer stapfte unelegant voran und hatte endlich Jules' Handgelenk losgelassen. Der murrte beleidigende Worte auf Französisch vor sich hin, hob dann den Kopf und starrte den anderen feindselig an. Ohne ihm zu erklären, was er vorhatte - wozu auch, dieser durchgeknallte Barbar verstand Jules' melodische, romantische Muttersprache doch sowieso nicht! - schlug er eine andere Richtung ein und verschwand in einer Gasse.

Max - Der Patient

Die tapferen Ritter hatten diese Schlacht gewonnen so schien es. Doch wie es im Krieg nun einmal läuft, hatte auch dieser Kampf ihre Opfer gefordert und ein junger, hitzköpfiger Mitstreiter hatte schwere Wunden davon getragen. Während nun alle ausgezogen waren um Vorräte zu sammeln und das Lager durch Schutzwälle zu sichern, war die Prinzessin mit dem Verletzten allein geblieben. Ihre Gedanken schweiften ab und sie musste wehmütig an den selbstlosen Einsatz der Ritter denken, die die fremde Söldnertruppe niedergeschlagen hatten, die der Prinzessin so viel Leid zugefügt hatte. Nun war sie frei und durfte sich vielleicht für den Moment in Sicherheit wähnen. Sie war froh, dass sie solch wunderbare, aufrichtige Männer, getrieben von kühner Tapferkeit kennen gelernt hatte und ihr Herz fühlte sich wieder ein wenig leichter an. Das Abenteuer würde nun beginnen.

Der Rotschopf hatte sich vorsichtig an den Rand des modrigen Sofas gesetzt auf dem der grosse Kerl mit den sonderlich gefärbten Dreadlocks lag. Sein Gesicht sah genauso grün aus wie seine Haare und zwar versuchte Zig Zag, wie er sich selbst nannte witzig zu wirken, doch strengte ihn das Reden so sehr an, dass er Max fast auf den Schoss kotzte. "Ich heisse Max und hatte nicht vor, dich allein zu lassen.", beruhigte er den Verletzten mit seiner tiefen, sanften Stimme und legte ihm dabei eine Hand auf den Kopf. Der Deutsche - sein Akzent verriet sicherlich, dass Englisch nicht seine Muttersprache war - ekelte sich nicht so schnell, hatte er soch bereits im zarten Kindesalter medizinische Fachbücher mit Fotos von den grausigsten Abartigkeiten, die die Natur an Krankheiten hervorbringen konnte verschlungen. Ungezwungen streichelte er dem anderen durch das verschwitzte, wirre Haar und beobachtete ihn aufmerksam. "Wenn es dir besser geht, will ich dich nochmal untersuchen. Es wäre schlecht, wenn du ernsthaft krank wirst. Sag mal ..", er sprach nun etwas gedämpft, weil ihm die nächste Frage unangenehm war, aber er war wirklich um diesen Verrückten besorgt, jetzt da es sein Patient war, "Ist dir so etwas schon einmal passiert? Dass du so total ausgerastet bist meine ich. Wir drehen hier ja alle ein bisschen durch aber naja.. gerade wirkst du ruhig." Seine langen Finger verhedderten sich in den unordentlichen Dreadlocks und Max zog kurz die Hand zurück. Einen Moment zögerte er, nahm dann aber eine Falte dieses dämlichen Kleides, das er immer noch trug und wischte Zig Zag damit sachte den Mund ab.

Jemanden berühren zu dürfen, frei von Gewalt, eine kurze zärtliche Geste zu verschenken. Oh, das Herz hüpfte der Prinzessin vor Freude in der Brust.