Dienstag, 18. September 2012

Max - Der Patient

Die tapferen Ritter hatten diese Schlacht gewonnen so schien es. Doch wie es im Krieg nun einmal läuft, hatte auch dieser Kampf ihre Opfer gefordert und ein junger, hitzköpfiger Mitstreiter hatte schwere Wunden davon getragen. Während nun alle ausgezogen waren um Vorräte zu sammeln und das Lager durch Schutzwälle zu sichern, war die Prinzessin mit dem Verletzten allein geblieben. Ihre Gedanken schweiften ab und sie musste wehmütig an den selbstlosen Einsatz der Ritter denken, die die fremde Söldnertruppe niedergeschlagen hatten, die der Prinzessin so viel Leid zugefügt hatte. Nun war sie frei und durfte sich vielleicht für den Moment in Sicherheit wähnen. Sie war froh, dass sie solch wunderbare, aufrichtige Männer, getrieben von kühner Tapferkeit kennen gelernt hatte und ihr Herz fühlte sich wieder ein wenig leichter an. Das Abenteuer würde nun beginnen.

Der Rotschopf hatte sich vorsichtig an den Rand des modrigen Sofas gesetzt auf dem der grosse Kerl mit den sonderlich gefärbten Dreadlocks lag. Sein Gesicht sah genauso grün aus wie seine Haare und zwar versuchte Zig Zag, wie er sich selbst nannte witzig zu wirken, doch strengte ihn das Reden so sehr an, dass er Max fast auf den Schoss kotzte. "Ich heisse Max und hatte nicht vor, dich allein zu lassen.", beruhigte er den Verletzten mit seiner tiefen, sanften Stimme und legte ihm dabei eine Hand auf den Kopf. Der Deutsche - sein Akzent verriet sicherlich, dass Englisch nicht seine Muttersprache war - ekelte sich nicht so schnell, hatte er soch bereits im zarten Kindesalter medizinische Fachbücher mit Fotos von den grausigsten Abartigkeiten, die die Natur an Krankheiten hervorbringen konnte verschlungen. Ungezwungen streichelte er dem anderen durch das verschwitzte, wirre Haar und beobachtete ihn aufmerksam. "Wenn es dir besser geht, will ich dich nochmal untersuchen. Es wäre schlecht, wenn du ernsthaft krank wirst. Sag mal ..", er sprach nun etwas gedämpft, weil ihm die nächste Frage unangenehm war, aber er war wirklich um diesen Verrückten besorgt, jetzt da es sein Patient war, "Ist dir so etwas schon einmal passiert? Dass du so total ausgerastet bist meine ich. Wir drehen hier ja alle ein bisschen durch aber naja.. gerade wirkst du ruhig." Seine langen Finger verhedderten sich in den unordentlichen Dreadlocks und Max zog kurz die Hand zurück. Einen Moment zögerte er, nahm dann aber eine Falte dieses dämlichen Kleides, das er immer noch trug und wischte Zig Zag damit sachte den Mund ab.

Jemanden berühren zu dürfen, frei von Gewalt, eine kurze zärtliche Geste zu verschenken. Oh, das Herz hüpfte der Prinzessin vor Freude in der Brust.

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