Zu dumm, nicht wahr? Eigentlich wollte er nicht zurück zu diesen Leuten. Vor dem grossen Kerl mit den Dreadlocks, der ihn erst so zärtlich behandelt und kurz darauf Lucien zu Boden geschmissen und ihm den Schädel zertrümmert, der wie ein wildes Tier noch zwei andere Männer niedergemetzelt hatte, hatte Jules solchen Schiss, dass er ihn nicht wiedersehen wollte. Was war das nur für einer, der so freizügig lieben und im nächsten moment blutrünstig morden konnte?! Dem Rothaarigen, der Max hiess soweit das stimmte (und das hatte auch nur Jules interresiert, die anderen hatten nicht danach gefragt) würde er nicht in die Augen sehen können nach allem was sein Bruder und dessen Freunde ihm angetan hatten. Jules hätte ja etwas dagegen tun können, doch er hatte es einfach zugelassen als wäre es schon irgendwie in Ordnung, was es ganz und garnicht war. Ausserdem war da noch der Kleine, den er gefickt hatte, der ihm gerade aber auch scheissegal war obwohl er ihn prinzipiell ziemlich süss fand und vielleicht wiedersehen wollte. Jules hatte also (fast) keinerlei Ambitionen, zu diesem gestörten Haufen Kontakt zu suchen. Was allerdings wollte er denn sonst tun? Wo sollte er hin? Er hatte Angst. Panische Angst sogar. Zu dumm also, dass er zu feige war, selbstständig seinen eigenen Arsch zu retten und sich lieber an diese komische Gruppe hängen wollte, die ihm nicht geheuer war.
Dass aus seinem Leben nichts werden würde, hatten ihm sämtliche Familienmitglieder ja seit jeher eingetrichtert und siehe da, sie sollten Recht behalten. So karg hatte er sich seine Zeit als junger Erwachsener allerdings auch wieder nicht vorgestellt. Während er halb im Delirium durch die Strassen wankte und möglichst viel Zeit schinden wollte, bis er sich den anderen anschloss, kam ihm ausgerechnet der unheimliche Junge entgegen, der ihn heute Morgen schon misstrauisch beäugt und aus der Ferne beinahe angeknurrt hatte. Jules wurde angesprochen und verstand natürlich kein Wort von dem, was der Typ da brabbelte aber der packte ihn grob am Handgelenk und zerrte ihn mit sich. Irgendwie machte er verständlich, dass er Essbares suchte und der Blonde konnte sich errinnern, dass sie noch einiges an Vorräten übrig hatten. Der ruppige Türke oder Araber oder was auch immer stapfte unelegant voran und hatte endlich Jules' Handgelenk losgelassen. Der murrte beleidigende Worte auf Französisch vor sich hin, hob dann den Kopf und starrte den anderen feindselig an. Ohne ihm zu erklären, was er vorhatte - wozu auch, dieser durchgeknallte Barbar verstand Jules' melodische, romantische Muttersprache doch sowieso nicht! - schlug er eine andere Richtung ein und verschwand in einer Gasse.
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