Freitag, 18. März 2011

Rion - through the looking glass

Knallhart dem Boden entgegenstürzend schwindelte ihm sein Hirn. Die steinernen Platten öffneten sich und er brach durch, in ein Loch aus Schwärze und Nichts, hinein in ein tiefes Fallen. Scherben sein Gesicht hochschwebend, wie Alice im Wunderland, die in das Kaninchenloch fiel, so voller Erwartungen und Hoffnungen, war er nun, der Schwärze näher als dem Leben. Er sah es vorbeiziehen, seine eigene, qualvolle Geschichte. Mit weit aufgerissenen Augen betrachtete er die letzten Reste seiner Selbst. Mutter, Vater, Gabriel. Erinnerungen, wie Regenbogen entfesselt aus Glas, sich spiegelnd, zerbrechlich, schwach, zerklirrend in der Leere.

Wunderschöne Mutter, mit wallendem Haar, der Kastanienblüte gleich, Vater, unendlich klug und tiefgründig... Liebster, unweigerlich stark, bis zum Erbrechen treu..

Er übergab sich auf den Pflastersteinen. Seine verquollen Augen nahmen kaum seine Umwelt war. Blut spritzte. Es war geschehen. Menschen starben. Ein Mann knallte direkt neben ihm auf den Boden. Sein Thymus und seine weiteren Hirnteile verteilten sich auf dem Grund. Rions Augen waren leer. Tod. Tod. Tod. Überall um ihn herum. Wie ins Nichts war er getaucht und gestürzt worden. Es gab nichts mehr, nichts mehr um ihn herum, dass ihn liebte und beschützte. Es gab nur noch ihn selbst und seine dürftigen Erinnerungen. Er stemmte sich auf. Irgendwo... er konnte es nicht lokalisieren.... von irgendwo kam der Schmerz in ihm hoch und machte ihn würgen. Schlecht war ihm, gnadenlos widerlich das Gefühl in seiner Speiseröhre, als hätte er sich eine Zahnbürste zum Kotzen hineingesteckt und nun würde das Essen von allen vorherigen 12 Monaten wieder hochkommen.

Würdest du mir bitte sagen, wie ich von hier aus weitergehen soll? Das hängt zum großen Teil davon ab, wohin du möchtest, sagte die Katze

Wenn er sich umsah, erblickte nur Zerstörung ihn und er erblickte die Zerstörung. Wenn er Francis ansah, war es ihm, als müsse er sich abwenden. Als könne er den Blick kaum ertragen und würde schweren Herzens bedauern und verleugnen, ihn so abscheulich zu finden. Seine Gedanken galten einem anderen, stärkeren Helden. Doch wo.. und wie.... niemals würde er ihn erreichen. Gleich einem schrecklichen Geheimnis zerstach es sein Herz.

Rion stand. Auf beiden Beinen. Schwindel. Als würden nur seine Füße ihn noch aufrecht halten. Wie betrunken packte er Max am Arm und zog ihn hoch, mit einer Stärke, die er nicht besaß, mit Muskeln, die nur in diesem Moment kontrahierten. Blut zog durch seine Nase. Im Schwindel taumelte er zu dem jungen Blonden, der da kauerte. Er blieb stehen. Er sah Dreck vor sich. Er sollte ihn erstechen, erschießen, erlösen. Doch in seinem Hinterkopf sah er die unendliche Liebe, die dieser Junge empfand. Sowohl für den Toten als auch für den Flüchtling. Er mochte es nicht sehen.

"Steh auf. Heb deinen Arsch. Jetzt ist nicht die Zeit zum Weinen."
Seine Stimme war klar und kalt, auch wenn er kaum aufrecht bleiben konnte und seine Beine zitterten wie Laub im Oktoberwind.Tatsächlich starrte der Fremde ihn an. Rion, mit seinen adeligen, reinen, blaublütig edlen rehbraunen Augen starrte wie die Eiskönigin selbst in diese leeren, trüben, sinnverlorenen Glubscher zurück. Er wollte ihn töten. Doch der beste Freund des Mannes, den er liebte, liebte diesen Mann.
"STEH AUF!"
Jules erhob sich. Er hatte Angst. Rion wandt ihm den Rücken zu.
"Du kommst mit uns."
Warum, warum tat er es? Wie eine Maschine, gleich einem Objekt, tat er es. Er wusste doch, was er wollte und tat doch das, was der Masse gut tun würde. Er wollte nicht und doch wollte er das Schlimmste verhindern. Und gleich eben dessen wollte er Glück und Freude und STÄRKE wieder über Francis Gesicht huschen sehen, wissend, dass Jenes nur geschehen würde, wenn er sich anstrengte und würdelos dafür sorgen würde, dass jener Freund seines Angebeteten Freude empfand. Es war wie eine widerliche Dreiecksbeziehung.
Er wollte ihn nichts anfassen.
"Du kommst mit. Maximillian. Pack ihn. Er gehört zu uns. Er ist deine Aufgabe."
Seine Freund, sein neuer Sklave folgte ihm, ohne zu widersprechen.
Rion liefen die Tränen. Francis. WO bist du hin.

Den Schritten folgend liefen sie in ein Haus. Francis war dort, Zig-Zag war dort. Leere war dort. Rion fühlte sich lang, hohl und dürr.

"Wenn ich ein Wort bebrauche", sagte Gogglemoggel in recht hochmütigem Ton, "dann heisst es genau, was ich für richtig halte und nicht weniger."
"Es fragt sich nur", sagte Alcie, "ob man Wörter einfach etwas anderes heissen lassen kann."
"Es fragt sich nur", sagte Gogglemoggelm "wer der Stärkere ist, weiter nichts."

"Francis...."
Er kauerte da vor seinem Freund und schien zu weinen. Nein, nein, er weinte nicht. Er weinte nie. Er war stark, stark wie ein Tiger, nie würde er weinen. Rion packte seinen Arm, zerrte ihn weg, zerrte ihn mit all seinen wenigen Kräften aus dem Raum und warf ihn gegen eine hölzerne Wand.
"HÖR AUF ZU FLENNEN!`
Blut rann immer noch aus seiner Nase. Seine Augen geschwollen, rot, seine Wangen ungewohnt rosig und von Tränen durchtränkt. Er klammerte sich, krallte sich fest an Francis Oberarmen, sein Kopf sank hinunter, sein Blick gen Boden Furchtbar dicke Tränen prallten dem Grund entgegen, zerplatzten.
"Es ist alles...... alles.... gut........ wir sind alle am Leben........... und du.... du führst uns an.... und du gibst uns die Kraft weiterzumachen... du bist unser Licht und unsere Hoffnung.."
Er hob sein Gesicht und vielleicht seit langem, vielleicht das erste Mal, sah er Francis das erste Mal direkt in die Augen.
"Und DU hast nicht das Recht schwach zu sein! Wir verlassen uns auf dich!"
Er presste ihn an die Wand.
"DU hast versagt! DU hast versagt, Francis! Das Einzige, was du jetzt noch tun kannst, ist stark sein, stark sein für uns! Wenn DU nicht stark bist..."
Die Tränen vermehrten sich, sie flossen wie ein Bach von seinem Gesicht.
",... dann haben wir.... alle nicht den Mut..... die Courage.... die Kraft... noch einen Schritt vorwärts zu tun.... bitte... bitte bleib stark..."
Sein Kinn wich an Francis Brust, er lehnte sich an ihn, schluchzte und zuckte.
"Bitte... ich will dich nie wieder schwach sehen...."

"Wenn du doch nicht so drängeln wolltest", sagte die Haselmaus, die neben ihr saß. "Man bekommt ja gar keine Luft mehr"
"Ich kann nichts dafür", sagte Alice voller Sanftmut; "ich wachse."

Dienstag, 15. März 2011

Francis - My Hero

Gewalt gegen Schwächere gehörte definitiv zu den Dingen, die Francis nicht ausstehen konnte. Was war so befriedigend daran, jemanden zu schlagen, der sich ohnehin nicht wehren konnte, jemanden zu treten, der bereits zerbrochen am Boden lag. Die Wut hatte ihn gepackt, als der fremde Soldat, der ihn bedrohte auf das zitternde Kind losgegangen war. Wo genau der Junge eigentlich hergekommen war, wusste Francis immer noch nicht. Der Franzose hatte den Kleinen am Kragen gepackt, doch dieser begann zu jammern und versuchte, sich aus dem eisernen Griff zu winden. Da der Franzose sich auf den Amerikaner konzentrieren wollte, der es gewagt hatte sein Territorium mit seiner Anwesenheit zu verpesten, nervte ihn der zappelnde Junge ungemein und er schleuderte ihn kurzerhand mit einem derartigen Ruck zu Boden, dass er ihm damit den Arm hätte ausreissen können. Als daraufhin das leise Wimmern in ein kurzes Aufheulen ausartete und schliesslich in klagendes, lautstarkes Schluchzen überging verpasste der Soldat dem Kind einen heftigen Tritt in den Magen. Der Kleine kotzte auf den Boden und blieb kurz regungslos liegen.

Francis schäumte vor Wut, seine Organe brannten und aus seinen Augen quollen pure Verachtung und Abscheu hervor. Ohne nachzudenken rannte er auf das Arschloch los und überraschte ihn mit dieser überstürzten Aktion. Der Franzose, der sichtlich stolz aus seine eigene Grausamkeit war und genüsslich das Resultat der Misshandlung an dem am Boden liegenden Kind betrachtete, hatte schlichtweg nicht mit so viel Dummheit gerechnet und kassierte so einen harten Tritt gegen die linke Hüfte, der ihn taumeln liess. Dummerweise reagierte er schnell genug, riss seine Wafe hoch und jagte Francis eine Kugel durch die linke Schulter. Dieser schrie auf und stolperte einige Schritte rückwärts, hielt sich den verletzten Arm und dunkles Blut störmte ihm in Sturzbächen über die Hand.

Immer wenn man meint, seine Situation könne garnicht mehr schlimmer werden, findet es das Schicksal extrem witzig, einem das Gegenteil zu beweisen. Das einzige, was die Lage, in der Francis sich befand noch prekärer machen konnte traf natürlich prompt ein, als irgendein weiterer muskulöser Franzose Rion anschleppte. Der arme Junge sah mehr tot als lebendig aus. Der Mistkerl, der ihn an den Haaren gepackt hielt hatte den Briten übel zugerichtet, ihm vielleicht sogar seine hübsche, stolze Nase gebrochen und der Kleine sah aus als hätte er sich mehrmals übergeben und als hielte ihn nur die Übelkeit bei Bewusstsein. Neben ihm kniete ein rothaariges Mädchen (?) in einem verpielten rosa Kleidchen und erbrach sich gerade erbärmlich. Francis wäre am liebsten zu Rion gerannt, hätte dem Kerl, der ihm das angetan hatte eigenhändig das Gesicht bis zur unkenntlichkeit eingeschlagen und verbeult bis nur noch ein Klumpen blutiges Fleisch übrig gewesen wäre, doch es genügte bereits zu Rion hinüber zu sehen und der Franzose, der Francis weiterhin im Visier hatte, feuerte einen Warnschuss ab. Die Kugel pfiff haarscharf an seinem Kopf vorbei und schon hatte der Soldat wieder die volle Aufmerksamkeit des Amerikaners sicher.

Was sich dann abspielte war so irreal, dass Francis bis heute krampfhaft und vergeblich versucht, die Einzelheiten in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Die Bilder von seinem besten Freund, der wie ein wildes, tollwütiges Tier den drei fremden Männern die Köpfe einschlägt, ihnen die Hälse zerfleischt und die mit blossen Händen umbringt wird er wohl nie wieder aus seinem Kopf bekommen. Viel zu viel Blut und Hirnmasse und ohrenbetäubende Schreie und Todeskrämpfe. Trotz alledem wusste Francis, weshalb Zig Zag so gehandelt hatte und als sein Freund ihm in die Arme fiel wusste der, dass seine einzige Aufgabe jetzt war, ihn zu retten. Zig Zag hatte seine Freunde beschützt, für sie gekämpft und jetzt mussten sie verdammt nochmal für ihn da sein. Sanfte redete er auf ihm sein, versprach ihm in seiner Verzweiflung sicherlich, dass alles gut werden würde und glaubte dabei selbst sich seine Sekunde daran. Sein bester Freund war im Begriff in seinen Armen zu verbluten. Scheisse nein!! Er würde ihn jetzt nicht sterben lassen!!

Wie im Fieberwahn schleppte er seinen besten Freund, der eigentlich grösser und schwerer war als er selbst zum nächsten Haus. Vor Anstrengung keuchend taumelte er wie in Trance weiter, legte Zig Zag auf der erstbesten weichen Unterlage, in diesem Fall ein Wohnzimmersofa, ab und viel neben ihm auf die Knie. Der Schweiss lief ihm von der Stirn, sein linker Arm war vollkommen blutüberströmt, doch auch der rote Lebenssaft seines besten Freundes hatte sein Hemd durchtränkt. Voller Blut war er und halb wahnsinnig vor Angst, den einzigen Menschen zu verlieren, der ihm nahe genug gestanden hatte, dass er selbst keinen Moment gezögert hätte sein Leben für ihn zu geben. Zitternd griff er nach Zig Zags Hand.

Plötzlich stand da dieses rothaarige Mädchen von eben neben ihm und schob ihn etwas unsanft von dem Verletzten fort. Panik ergriff Francis und er wollte sich auf Zig Zag schmeissen, ihn umklammern und nie wieder los lassen, so übermächtig war seine Verlustangst. Das rothaarige Mädchen jedoch schrie ihn erstaunlich schroff an, er solle sich zusammenreissen und Wasser holen. Wie betäubt erhob sich Francis und lief los um eine Wasserflasche zu besorgen. Irgendwie hatte er das Gefühl, das Mädchen mit den feuerroten Haaren hätte echt Ahnung von Wundversorgung. Völlig aufgelöst stolperte Francis aus dem Haus, fand nach kurzem Suchen seinen Rucksack am Boden und kramte eine Flasche Mineralwasser hervor. Als er wieder vor dem Sofa stand, auf dem sein bester Freund eben noch am verbluten gewesen war, hatte die fremde Rothaarige bereits einen festen Kompressionsverband um Zig Zags Schulter und seinen Brustkorb angelegt. Der Schuss in den Rücken hatte offenbar glücklicherweise nur das Schulterblatt ein wenig lädiert. In seinem Oberschenkel steckte allerdings wohl noch eine Kugel, denn die Rothaarige wühlte gerade mit einer anatomischen Pinzette in der stark blutenden Wunde herum, bis das Geschoss zum Vorschein kam. Dann wurde auch das Bein verbunden. Zig Zag hatte einigermassen aufgehört, zu bluten, das Bewusstsein hatte er jedoch noch nicht wieder erlangt.

Gebannt starrte Francis ihn an, sah ihm beim Atmen zu, beobachtete akribisch genau, wie ein Brustkorb sich hob und senkte. Als das rothaarige Mädchen ihm ebenfalls den Arm verbinden wollte, stiess der Amerikaner sie ein wenig grob beiseite. Keiner durfte ihn jetzt dabei stören seinen besten Freund so lange anzustarren, bis er endlich wach wurde, um zu fragen, was das penetrante Geglotze denn soll. Francis' liefen die Tränen über das Gesicht, aber das hatte er nicht einmal bemerkt. Inzwischen war er völlig ruhig, kniete neben dem Sofa und hielt Zig Zags Hand. Er wollte jetzt einfach nur seine Hand halten.

Montag, 7. März 2011

Zig-Zag - Dead End


In einer Zauberwelt schwebend, in der nur die Sonne schien, in der es niemals dunkel war, vergrub er seine Finger in den blonden, weichen Haaren.
Er schloss die Augen und vergas um sich herum die Welt. Vor seinem Geiste Strahlen eines längst vergessenen Lichtes. Es war wie sich verlieren, sich selbst vergessen im Leben, in der Seele eines Anderen. Mehr noch als Sex war es eine Erlösung, breit und hell wie ein Strahl durchzog es seinen ganzen Leib, sein Brustkorbs weitete, hob und senkte sich, bestimmt von der tiefen, entspannten Atmung, bis sein Thorax sich schmerzhaft zusammenzog, vor Schnaufen, vor Stöhnen. Lange war es her, so lang, dass man glauben konnte, es wäre gleicher einer Legende als der Realität. Dieses Gefühl von vollkommener Selbstaufgabe, Sklave werden, das ganze Sein, das ganze Leben nur noch für ihn bestimmt, ihm zu dienen, ihn zu befriedigen.
Scherben, brach und blutig unter ihren Füßen und sie vollkommen so versunken in Leidenschaft und Lust. Der Australier drückte seinen jüngeren Liebhaber fest und grob an die Wand, so gierig war er, dass er sich selbst vergas, die Zähne wie ein Tier in seinem Fleische vergrub und nach Blut dürstete, wie ein Wesen der Nacht. Und im Schrei des Blonden sich wiederfindend hatte er seine Hose herunter gezogen und sich selbst flink den Gürtel gelöst.
Die steinerne Mauer hinter seinem Rücken mochte kalt sein, doch der Körper des Franzosen bebte, glühte. Und als sie sich vereinten, drückte der Größere ihm die Hand auf den Mund, erstickte jeden Laut im Keim und fickte ihn so hart er konnte, so hart er konnte presste er ihn gegen die Mauer, gegen die Wand, bis ihre Leiber brannten, bis ihre Haut gerötet war vor Schweiss, bis sie feucht war, klitschnass, ihre Muskeln angespannt, wie Stahl hart der Bizeps des Australiers, während er den Jüngeren mit festem Griff hochhob. Der Blonde hatte die Beine um ihn geschlungen. ZIggy erstickte einen letzten, verzweifelten Schrei im Kuss.

Schließlich zusammensinkend schloss Ziggy die Augen.

Ein Schuss zeriss ihr monotones Schnaufen. Was war passiert? Er wandt den Kopf. Seine grünen Dreads waren nass geworden, sein Blick schien abwesend. Er stand auf. Er nahm seinen Freund bei der Hand. Er war wie in Trance. Der Kleine starrte ihn verängstigt an, sein schönes Gesicht war gespalten vor Furcht. Ziggy fühlte sich schwindlig. Fest umklammerte er die Finger des Kleinen, dann zog er ihn mit. Mit schnellen Schritten, fast rennend folgte er dem Geräusch. Sein Instinkt gehiess ihm zu Folgen. Gefahr. Etwa in seinem Inneren sagte ihm, er musste rennen, so flink seine Beine ihn tragen konnte. Nicht nur wegen dem Blonden, der wissen musste, was geschehen war. Etwas sagte ihm selbst, er musste wissen, was passiert war. Es ging ihn etwas an. Jemand war dort..... jemand...... doch er wusste nicht, wer.... und warum er rannte...
Aus dem gleissendem Licht hinaus in eine trübe, schwere Dunkelheit führten ihn die Schritte. Die Farben und die Musik verstummte um sie herum, als schwer atmend sie ankamen, Immer noch hielt Ziggy seine Finger, doch der Junge riss sich los, wie losgelöst von allen Sinnen rannte er auf einen Mann zu, der da stand. Ziggy, wie völlig neben sich, gaffte ins Leere. Erst langsam ergab dieses Bild vor ihm irgendeinen Sinn. Wer war das? Moment.. gleich.. die Gesichter schienen ihm so bekannt. Doch er erinnerte sich nicht so richtig. Ihre Gesichter waren allesamt verschwommen, wie Phantombilder. Sie riefen irgendetwas. Seinen Namen wohl bemerkt. Doch woher kannten sie ihn? Wo waren sie hier? Vertraute Stimmen. Vor allem eine so vertraute, so herrlich warme, tiefe Stimme, die nach ihm rief. Ach... Wie hiess eigentlich der Kleine? Er hatte es ihm kurz gesagt, ganz kurz, bevor Ziggy ihn genommen hatte.
Da hatte er ihm gesagt, wie er hiess. Die Lippen des Australiers formten die sich nicht zusammensetzenden Buchstaben nach. J... U... Ju... Jules?....

Der Mann, der Francis eben noch bedroht hatte, schlug dem jungen Franzosen hart ins Gesicht und schrie ihn auf der fremden Sprache übelst an. Für einen Moment waren alle Blicke, die der Feinde und die der Freunde auf dieses absolut paradoxes Schauspiel gerichtet.

Fern, fern ab von Zeit und Raum waren weite Felder aus sattem Grün. Ziggys Pupillen verengten sich. Jules fiel auf die Knie und hielt sich das blutige Gesicht, seine Lippe war aufgerissen, seine Auge blau, Tränen flossen seine lieblich geröteten Wangen herunter.

Ziggy entsann sich einen Fetzen Französisch zu verstehen.

"Du Schwuchtel!"

Seine Finger fingen an wie ferngesteuert zu zittern. Seine ganze Muskulatur verkrampfte sich, er fletschte wie ein Tier die Zähne. Jules weinte bitterlich. Der Mann schrie er an, er trat an, der Blonde fiel zu Boden und hielt sich wie schützend die Arme über dem Kopf zusammen.
"FASS IHN NICHT AN!" Und wie ein Irrer, wie von Feuer, wie von Glut in den Adern gerüttelt stürmte Zig-Zag auf Jules' Bruder zu und schlug zu. Er brach ihm mit einem Schlag den Kiefer und voller Schwung auch die Nase. Der Fremde krachte auf den Boden, sein Hinterkopf knallte auf den Pflasterstein und zerbrach wie Porzellan. Zig-Zags Adern platzten in seinen Augen auf, er wandt sich um zu den Männern mit den Pistolen und schrie wie ein Wolf. Sein Bein blutete. Jemand hatte auf ihn geschossen. Zig-Zag schnaufte. Es war ihm scheiss egal. Er stürmte auf einen der Männer zu, von Tollwut getrieben packte er ihn an und biss ihm in den Hals. Die Haut zerfletschend stierte er ihm in die Augen, packte ihn am Hemd, krallte sich in sein Hemd, in seine Haut, fast in sein schlagendes Herz und schleuderte ihn gen Boden.
Von hinten zerfleischte den Australier eine Kugel, traf ihn im Rücken, Ziggy fiel zu Boden, sein Schrei ohrenzerfleischend. Er zitterte. Doch wie im Wahn drehte er den Kopf und sah dem Täter an, ihre Blicke trafen sich direkt. Zig-Zags Mund schäumte. Mit seiner Hand, die er kaum noch still halten konnte, sein ganzer Körper bebte, zog er ein Messer aus seinem Gürtel, von Adrenalin gerüttelt stemmte er sich auf und hinkte mit so schnellen Schritten auf den Mistkerl zu, dass der zurückwich. Blanke Angst im Gesicht des Feindes. Angesicht zu Angesicht standen sie sich gegenüber. Die Knarre hatte der Franzose noch in der Hand, Rauch stieg aus ihr auf. Doch Zig hielt das Messer so sicher und so bereit in seiner Hand, dass der Fremde noch einen Schritt zurücklief. Ihr Anführer verblutete auf dem Boden, sein Hirn breitete sich aus. Mit einem Schlag, als hätte es Klick gemacht, war die Furcht über sie gekommen und sie rannten los.
"IHR SCHWEINE!"
Ziggy warf das Messer in Richtung des Fliehenden, es traf ihn mitten in den Nieren, er stürzte, fiel hin, blieb liegen. Die Angreifer zerstreute sich schnaufend, panisch in alle Richtungen des Himmels. Wie Tiere, die die Gefahr gerochen hatten, ihre Unterlegenheit gerochen hatten.

Zig-Zag fühlte sich mit einem Mal furchterregend schwach. Er stöhnte, schnaufte. Die lauschige, schöne Wirkung der Drogen liess langsam nach. Er musste... er musste unbedingt noch einen kiffen... er wollte gerne..... jetzt noch eine rauchen.... er lächelte...... und sah sich leicht verwirrt und langsam um. Ah... da waren Francis... und Rion.... und ein kleines, rothaariges Mädchen... sein Blick endete bei Jules. Ziggy lächelte ihn verstohlen an. Er kniete da neben dem verblutenden, toten Franzosen, der ihm auf eine erschreckende Weise irgendwie ähnlich sah.
Es war alles gut. Seine Freunde waren da. Und die Fremden waren weg. Sie waren weggelaufen. Ziggy kicherte.
"Angst... hasen....."
Dann knallte er zu Boden. Hart. Seine Rippen knarzten. Auf dem Rücken lag er da und starrte ihn den lauschigen, grauen Himmel. Und erinnerte sich an zu Hause. Dort, wo die Felder so weit waren. Pferde, Schafe, den Hund, den er so geliebt hatte. Sein kleines Koalababy. Er würde nicht zulassen, das irgendwer sich jemals wieder anmaste, ihm etwas wegzunehmen, dass er gern hatte.
"Jules... das war dein Name.. richtig? Ich.... ich erinnere mich... das war dein Name..."
Vor seinen Augen wurde es schwarz, ganz ganz schwarz. Und in der wohligen Wärme der Ohnmacht spürte er Hände an seinem Leib, hörte die warme, tiefe Stimme von Francis, die seinen Namen rief. Irgendwer packte ihn und zog ihn hoch. Starke Hände. Ziggy lächelte. Wenn das sein Ende war... dann hatte es wenigstens einen Sinn. Dann starb er mit dem letzten Atemzug an Francis denkend. Und an den kleinen, süßen, blonden Jules, der wie eine süße Liebkosung in der tristen, trüben Grausamkeit dieser Welt für ihn gewesen war.
"Ju...les...."