Montag, 7. März 2011

Zig-Zag - Dead End


In einer Zauberwelt schwebend, in der nur die Sonne schien, in der es niemals dunkel war, vergrub er seine Finger in den blonden, weichen Haaren.
Er schloss die Augen und vergas um sich herum die Welt. Vor seinem Geiste Strahlen eines längst vergessenen Lichtes. Es war wie sich verlieren, sich selbst vergessen im Leben, in der Seele eines Anderen. Mehr noch als Sex war es eine Erlösung, breit und hell wie ein Strahl durchzog es seinen ganzen Leib, sein Brustkorbs weitete, hob und senkte sich, bestimmt von der tiefen, entspannten Atmung, bis sein Thorax sich schmerzhaft zusammenzog, vor Schnaufen, vor Stöhnen. Lange war es her, so lang, dass man glauben konnte, es wäre gleicher einer Legende als der Realität. Dieses Gefühl von vollkommener Selbstaufgabe, Sklave werden, das ganze Sein, das ganze Leben nur noch für ihn bestimmt, ihm zu dienen, ihn zu befriedigen.
Scherben, brach und blutig unter ihren Füßen und sie vollkommen so versunken in Leidenschaft und Lust. Der Australier drückte seinen jüngeren Liebhaber fest und grob an die Wand, so gierig war er, dass er sich selbst vergas, die Zähne wie ein Tier in seinem Fleische vergrub und nach Blut dürstete, wie ein Wesen der Nacht. Und im Schrei des Blonden sich wiederfindend hatte er seine Hose herunter gezogen und sich selbst flink den Gürtel gelöst.
Die steinerne Mauer hinter seinem Rücken mochte kalt sein, doch der Körper des Franzosen bebte, glühte. Und als sie sich vereinten, drückte der Größere ihm die Hand auf den Mund, erstickte jeden Laut im Keim und fickte ihn so hart er konnte, so hart er konnte presste er ihn gegen die Mauer, gegen die Wand, bis ihre Leiber brannten, bis ihre Haut gerötet war vor Schweiss, bis sie feucht war, klitschnass, ihre Muskeln angespannt, wie Stahl hart der Bizeps des Australiers, während er den Jüngeren mit festem Griff hochhob. Der Blonde hatte die Beine um ihn geschlungen. ZIggy erstickte einen letzten, verzweifelten Schrei im Kuss.

Schließlich zusammensinkend schloss Ziggy die Augen.

Ein Schuss zeriss ihr monotones Schnaufen. Was war passiert? Er wandt den Kopf. Seine grünen Dreads waren nass geworden, sein Blick schien abwesend. Er stand auf. Er nahm seinen Freund bei der Hand. Er war wie in Trance. Der Kleine starrte ihn verängstigt an, sein schönes Gesicht war gespalten vor Furcht. Ziggy fühlte sich schwindlig. Fest umklammerte er die Finger des Kleinen, dann zog er ihn mit. Mit schnellen Schritten, fast rennend folgte er dem Geräusch. Sein Instinkt gehiess ihm zu Folgen. Gefahr. Etwa in seinem Inneren sagte ihm, er musste rennen, so flink seine Beine ihn tragen konnte. Nicht nur wegen dem Blonden, der wissen musste, was geschehen war. Etwas sagte ihm selbst, er musste wissen, was passiert war. Es ging ihn etwas an. Jemand war dort..... jemand...... doch er wusste nicht, wer.... und warum er rannte...
Aus dem gleissendem Licht hinaus in eine trübe, schwere Dunkelheit führten ihn die Schritte. Die Farben und die Musik verstummte um sie herum, als schwer atmend sie ankamen, Immer noch hielt Ziggy seine Finger, doch der Junge riss sich los, wie losgelöst von allen Sinnen rannte er auf einen Mann zu, der da stand. Ziggy, wie völlig neben sich, gaffte ins Leere. Erst langsam ergab dieses Bild vor ihm irgendeinen Sinn. Wer war das? Moment.. gleich.. die Gesichter schienen ihm so bekannt. Doch er erinnerte sich nicht so richtig. Ihre Gesichter waren allesamt verschwommen, wie Phantombilder. Sie riefen irgendetwas. Seinen Namen wohl bemerkt. Doch woher kannten sie ihn? Wo waren sie hier? Vertraute Stimmen. Vor allem eine so vertraute, so herrlich warme, tiefe Stimme, die nach ihm rief. Ach... Wie hiess eigentlich der Kleine? Er hatte es ihm kurz gesagt, ganz kurz, bevor Ziggy ihn genommen hatte.
Da hatte er ihm gesagt, wie er hiess. Die Lippen des Australiers formten die sich nicht zusammensetzenden Buchstaben nach. J... U... Ju... Jules?....

Der Mann, der Francis eben noch bedroht hatte, schlug dem jungen Franzosen hart ins Gesicht und schrie ihn auf der fremden Sprache übelst an. Für einen Moment waren alle Blicke, die der Feinde und die der Freunde auf dieses absolut paradoxes Schauspiel gerichtet.

Fern, fern ab von Zeit und Raum waren weite Felder aus sattem Grün. Ziggys Pupillen verengten sich. Jules fiel auf die Knie und hielt sich das blutige Gesicht, seine Lippe war aufgerissen, seine Auge blau, Tränen flossen seine lieblich geröteten Wangen herunter.

Ziggy entsann sich einen Fetzen Französisch zu verstehen.

"Du Schwuchtel!"

Seine Finger fingen an wie ferngesteuert zu zittern. Seine ganze Muskulatur verkrampfte sich, er fletschte wie ein Tier die Zähne. Jules weinte bitterlich. Der Mann schrie er an, er trat an, der Blonde fiel zu Boden und hielt sich wie schützend die Arme über dem Kopf zusammen.
"FASS IHN NICHT AN!" Und wie ein Irrer, wie von Feuer, wie von Glut in den Adern gerüttelt stürmte Zig-Zag auf Jules' Bruder zu und schlug zu. Er brach ihm mit einem Schlag den Kiefer und voller Schwung auch die Nase. Der Fremde krachte auf den Boden, sein Hinterkopf knallte auf den Pflasterstein und zerbrach wie Porzellan. Zig-Zags Adern platzten in seinen Augen auf, er wandt sich um zu den Männern mit den Pistolen und schrie wie ein Wolf. Sein Bein blutete. Jemand hatte auf ihn geschossen. Zig-Zag schnaufte. Es war ihm scheiss egal. Er stürmte auf einen der Männer zu, von Tollwut getrieben packte er ihn an und biss ihm in den Hals. Die Haut zerfletschend stierte er ihm in die Augen, packte ihn am Hemd, krallte sich in sein Hemd, in seine Haut, fast in sein schlagendes Herz und schleuderte ihn gen Boden.
Von hinten zerfleischte den Australier eine Kugel, traf ihn im Rücken, Ziggy fiel zu Boden, sein Schrei ohrenzerfleischend. Er zitterte. Doch wie im Wahn drehte er den Kopf und sah dem Täter an, ihre Blicke trafen sich direkt. Zig-Zags Mund schäumte. Mit seiner Hand, die er kaum noch still halten konnte, sein ganzer Körper bebte, zog er ein Messer aus seinem Gürtel, von Adrenalin gerüttelt stemmte er sich auf und hinkte mit so schnellen Schritten auf den Mistkerl zu, dass der zurückwich. Blanke Angst im Gesicht des Feindes. Angesicht zu Angesicht standen sie sich gegenüber. Die Knarre hatte der Franzose noch in der Hand, Rauch stieg aus ihr auf. Doch Zig hielt das Messer so sicher und so bereit in seiner Hand, dass der Fremde noch einen Schritt zurücklief. Ihr Anführer verblutete auf dem Boden, sein Hirn breitete sich aus. Mit einem Schlag, als hätte es Klick gemacht, war die Furcht über sie gekommen und sie rannten los.
"IHR SCHWEINE!"
Ziggy warf das Messer in Richtung des Fliehenden, es traf ihn mitten in den Nieren, er stürzte, fiel hin, blieb liegen. Die Angreifer zerstreute sich schnaufend, panisch in alle Richtungen des Himmels. Wie Tiere, die die Gefahr gerochen hatten, ihre Unterlegenheit gerochen hatten.

Zig-Zag fühlte sich mit einem Mal furchterregend schwach. Er stöhnte, schnaufte. Die lauschige, schöne Wirkung der Drogen liess langsam nach. Er musste... er musste unbedingt noch einen kiffen... er wollte gerne..... jetzt noch eine rauchen.... er lächelte...... und sah sich leicht verwirrt und langsam um. Ah... da waren Francis... und Rion.... und ein kleines, rothaariges Mädchen... sein Blick endete bei Jules. Ziggy lächelte ihn verstohlen an. Er kniete da neben dem verblutenden, toten Franzosen, der ihm auf eine erschreckende Weise irgendwie ähnlich sah.
Es war alles gut. Seine Freunde waren da. Und die Fremden waren weg. Sie waren weggelaufen. Ziggy kicherte.
"Angst... hasen....."
Dann knallte er zu Boden. Hart. Seine Rippen knarzten. Auf dem Rücken lag er da und starrte ihn den lauschigen, grauen Himmel. Und erinnerte sich an zu Hause. Dort, wo die Felder so weit waren. Pferde, Schafe, den Hund, den er so geliebt hatte. Sein kleines Koalababy. Er würde nicht zulassen, das irgendwer sich jemals wieder anmaste, ihm etwas wegzunehmen, dass er gern hatte.
"Jules... das war dein Name.. richtig? Ich.... ich erinnere mich... das war dein Name..."
Vor seinen Augen wurde es schwarz, ganz ganz schwarz. Und in der wohligen Wärme der Ohnmacht spürte er Hände an seinem Leib, hörte die warme, tiefe Stimme von Francis, die seinen Namen rief. Irgendwer packte ihn und zog ihn hoch. Starke Hände. Ziggy lächelte. Wenn das sein Ende war... dann hatte es wenigstens einen Sinn. Dann starb er mit dem letzten Atemzug an Francis denkend. Und an den kleinen, süßen, blonden Jules, der wie eine süße Liebkosung in der tristen, trüben Grausamkeit dieser Welt für ihn gewesen war.
"Ju...les...."

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