Er war unglaublich müde und es war ihm kalt, sowie es zu solchen Nächten gehörte, wenn man an der bloßen Wand und ohne Decke einschlief. Das Beste daran waren noch seine Schmerzen, nicht so schlimm, dass man sich nicht mehr beherrschte und nicht ignorierbar schwach. Es war so verdammt kalt und Kyas Körper fühlte sich wie ein Klumpen Hackfleisch und Kya konnte an nichts anderes außer Kälte und Müdigkeit denken, das war das Beste daran. Hätte er nun angefangen, kyanouschmäßig nachzudenken, wäre es definitiv tödlich, für ihn und für mindestens noch eine Person. Es war ihm, als erfror die eisige Nacht alles in ihm: die Wut, die Frustration, die Einsamkeit, die Schmerzen und die Müdigkeit. Die Kälte und die Müdigkeit ließen ihn dann keine andere Wahl, seine Augenlider fielen auf einander und er schlief ein.
Traumlos schlief er, bis irgendwas an seinem Arm zupfte und die Schmerzen ihn weckten. Der mürrische Blick, den er dem rötlichen Wesen an seinem Arm schickte, war dank der Müdigkeit nicht wirklich tödlich. Die Fremde hatte er an Zigs Couch gesehen, erinnerte sich Kya wage, und nun hatte sich die hübsche Rotschopf an seinen Arm herangewagt, sie nähte ihn zusammen. Wortlos schaute Kya den Prozess zu. Sie wurde ihrer Sache gerecht, also konnte Kya auf das Mädchen nicht wirklich böse werden. Sobald sie fertig war jedoch, schloss er die Augen wieder und schlief ein.
Es fühlte sich, als wäre er paar kurze Sekunden weg gewesen, als er mit einem lieben Ellenbogenstoß geweckt wurde. Bevor er aber denken oder sehen konnte, was oder wer, steckte man den guten Joint in seinen Mund. Tief zog er daran und ließ den Rauch seine Magie wirken, als ein flauschiger Spaghettikopf auf seinen Schulter fiel. Zufrieden grinste er. Es war ein Wunder, wie Zig aufgestanden und auf eigene Beine gegangen war, doch Kya war gläubig genug, um ein Wunder nicht zu hinterfragen, solange dies zu seinen Gunsten war. Es war gut, dass sie nicht reden mussten. Ihre Müdigkeit schien den Rausch des Grases gerade zu verstärken, was noch besser war. Kya wollte kein Wort über die Ereignisse des gestrigen Tages sprechen, weder wollte er darüber hören, er konzentrierte sich also auf den Morgen, auf den Joint und auf Ziggy. Zu seiner Danksagung antwortete er – natürlich gefälscht – gekränkt, „ Hey das war mein gutes Notfallgras!“
Dass Ziggy kein Frühstück machen wollte, gefiel dem Loren sehr. Bisher hatte er sich noch nie verweigert, Essen zu machen. Nun aber saßen sie zu zweit an der Wand und Ziggy schob die Verantwortung des Frühstückes auf andere. Kya grinste wage. Nichts-tun fühlte sich in dem Moment sogar richtiger an als Frühstück. An seinem Grinsen aber war etwas anders, es war kein dummes, energetisches, teilweise kindisches Grinsen von Kyas 'guten Tagen', sondern viel mehr die durchdachte Freude bzw. Zufriedenheit nach einem Vergnügen, demonstriert durch geschickt leichtes Heben der beiden Mundwinkel. Er passte zu dem Ausdruck in seinen Augen, der seit der Nacht immer noch zu reif war und ihn viel älter erscheinen ließ.
Er war gerade damit beschäftigt, den Franzosen durch Augenkontakt auseinander zu zerfetzen, als Ziggy sich zu einer Promenade aufmachte. Wie könnte Rion nur?!
Mit seinem Kumpel im Nebel rauchen gehen, war definitiv eine gute Alternative, wenn sie nicht die Eingeweide des Franzosen zum Frühstück haben wollten. Wortlos folgte Kya also Zig, dessen Geschwindigkeit ihn doch erstaunte. Mit der Ruhe und der Zufriedenheit eines alten Mannes stopfte er seine Pfeife, während er nun mitsamt seines Kumpels in den Nebel verschwand. Es gab einen Kya in ihm, der über das Wort 'Kumpel' schmunzelte, just bevor der andere Kya ihn dafür zerschlagen konnte.
Weinberge!, wiederholte sich fröhlich in seinem Kopf.