Donnerstag, 24. Februar 2011

Kyanousch - Mourir d'Aimer*

Die Zahnräder in dem dunkelhaarigen Kopf des kleinen Jungen drehten sich und sie drehten sich zu schnell, so schnell, dass ihm seine Gedankengänge und sein Denkprozess nicht mehr ganz bewusst waren.
Eins war sicher und zwar, dass ihm seine momentane Lage nicht gefiel. Das war ziemlich schnell festzustellen sobald der Franzose seinen Leib in die Hände nahm. Der Soldat war eine Schande in Großbuchstaben über den Ruf und den Ruhm der Franzosen als feinfühlige und begehrte Liebhaber. Der verstand rein gar nichts von dem hochwertigen Akt der Geschlechtsverkehr. Zum Glück war er nicht besonders scharf aufs Küssen, da er es einfach eilig hatte, seinen Schwanz in ein Loch zu stecken. Bedauernd dachte sich Kya, dass seit dem Kriegsende es so knapp an Menschen geworden war, dass sogar solche sich einen Mann zu nennen wagten. Es wurde ihm schnell klar, was er zu tun hatte. Sein Blick änderte sich – was der Soldat zum Glück nicht mitbekam – und das Wilde kehrte in die bernsteinfarbenen Augen zurück, was die Adrenalin seit der ersten Begegnung nicht mehr von ihm gesehen hatten. Seine Sinnen und seine Instinkte schärften sich, er roch, er hörte und er sah viel präziser als vor paar Minuten, was man vielleicht hätte an der Unruhe der schwarzen Wolfsrute merken können, die zwischen den zwei Hälften seiner Hintern hing, doch der Franzose achtete nicht wirklich darauf, da er schnellst möglich sein Business erledigen wollte.
Wie ein Wolf, die versteckend und schweigsam auf seine Beute wartet, wartete nun der kleine Junge auch den richtigen Moment ab. Dieser bat sich, als Kya nun unter dem rauen Druck durch seinem Unterleib merkte, wie der Soldat nun nur eine Hand auf seine Waffe hatte, während er mit der anderen Hand Kya packte.
Eine Strömung von Bildern zwang sich vor, verstärkt durch das Geschrei seines Zwillingen, rot wie das Blut seiner zarten Schwester. Doch etwas stellte sich zwischen dem Loren und den Bildern. Es war Kyarasch, sein Bruder, der sein Gesicht fest in seinen Händen hielt, „Du wirst leben, du musst leben!“, befahl er ihm. Ein sehr dünner Schleier aus Tränen wischte die Bilder aus Kyas Augen, Tränen, die keinen Weg aus den wilden Augen finden durften. Der kleine Lore stellte sich vor, er wurde sie alle herunter schlucken. Der Schmerz meldete sich wieder, wie nun sein Körper mit dem des Soldaten schaukelte. Kurz versuchte der kleine tief zu atmen und konzentrierte sich. So schnell wie möglich stellte er dann seine Hand auf die des Soldaten, welche auf seiner Gewehr ruhte. Die barbarische Penetration endete dann sofort, als es dem Franzosen bewusst wurde, dass er seine Hand nicht befreien konnte. Ohne Zeitverschwendung griff Kyas zweite Hand nun nach der Kehle des Soldaten. Es blieb dem älteren keinen Zweifel: die Stärke der Hände war weder natürlich noch menschlich. Ohne große Mühe drangen die langen Finger in das Halsfleisch. Mit dem nun befestigten Griff in dem Hals des verzweifelten Soldaten drehte Kya den Kopf zu einem Winkel, von dem das geringste Blut über die Uniform spritzte. Der erschrockene Franzose starrte ihn mit aufgerissenen Augen an und versuchte, einen Laut rauszubringen, doch Kya hatte eigentlich nicht den Schlagader, sondern die Stimmbände gezielt. Teuflisch grinste der Junge breit. Seine Augen glänzten voller Schadenfreude. „Nun verrecke!“, flüsterte er auf Englisch. Diesem Bastarden wurde er kein Wort mehr Französisch würdigen. Nun drangen seine Finger auch tief genug in dem bleichen Hals, erst tastete er kurz den Zylinder zwischen seinen Fingern und dann drückte er mit den überkräftigen Fingerspitzen die Luftröhre des Soldaten zusammen. Nun sah er genießerisch zu, wie der Mann verzweifelt auf dem Boden herum wälzte, bis alles Leben von ihm gegangen war. Kein Bakhtyarsade wurde sich je wieder von Soldaten vergewaltigen lassen und angesichts der Tatsache, dass Kyanousch der einzig überlebende Bakhtyarsade war, musste er diese Last und die Verantwortung ganz alleine tragen.

Kya hatte sich schon die große Uniform des Soldaten angezogen, als er draußen Schüsse hörte. Anscheinend waren die anderen in diesem verfluchten Kaff nicht so gastfreundlich, wie die zwei Franzosen, die ZigZag und er begegnet hatten. Rasch nahm er wieder die begehrte Kelasch in die Hand, im Kopf ein lorisches Lied zum Verehren des Gewehr singend, machte er sich auf dem Weg. Vorsichtig näherte sie ein Gebäude, von dem Schreie und Stimmen zu hören waren. So wie er weggekommen war, war es zu vermuten, dass nicht viele Leute hier waren. Er ging um das Haus, von dem die Stimmen – erkannte er schon Francis? - kamen und stieg durch ein Fenster herein. Vorsichtig ging er auf das Zimmer zu, von dem das alles zu hören war. Irgendeine seltsame Stimme sagte in seinem Kopf, dass er vernünftiger war, erst mal zu beobachten und zu warten. 


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