Dienstag, 19. Juli 2011

Rion - embarrassed

Max redete irgendeine verquillte Scheisse auf ihn ein. Es war hoffnungslos. Sie alle waren so saumässig intelligent, dass sie meinten, ihren Senf dazugeben zu können. Jeder meinte das. Jeder meinte, einem Anderen seine Weisheiten und seinen Lebensweg aufdrücken zu können, egal, ob derjenige es hören wollte - oder eben auch nicht. Und das, was da aus Max Munde kam, in diesem schlechten, widerlichen, widerwärtigen gebrochenen Englisch mit diesem scheusslichen, starken Akzent, dass man es kaum verstehen konnte, das war großer Schwachsinn und Rion würgte es, nicht vor Zorn auf den Boden zu spucken.

Was hat der denn für eine Ahnung? Ich hab ihn gerettet und er spuckt so große Töne, als hätte er was zu sagen. Wenn "Wir" wollten, falls es dieses "Wir" als definierten Ausdruck überhaupt so gibt, wenn wir also wollten.. wir würden ihn zurücklassen oder einfach abknallen. Ich zumindest könnte das, oder Ziggy, dem traue ich das zu. Irgendwie.. ja, ich traue ihm das zu. Also halt dein Maul, deine Redseligkeit kannst du dir dahin stecken, wo sie rausgekommen ist, du klugscheisserische Transe.

Rion antwortete also nicht und Max ging wieder ins Haus. Die Grillen zirpten. Das es tatsächlich noch Grillen gab. Oder waren es Zikaden? Nun, in Achkarren-Kreuzmatten gab es wohl noch Getier. Rion spürte etwas auf seiner Wange, er klatschte es weg. Es war eine Schnake. Schon seltsam, wie manches Gewürm immer überleben konnte, egal, was geschah. Rion war auch Gewürm. Nichts anderes. Schliesslich hatte er überlebt. Wie die Kakerlaken, die immer alles überwanden, mochte auch sonst etwas geschehen und alle andere Flora und Fauna welkte dahin, das Gewürm überlebte.

Er schreckte kurz auf. In Gedanken versunken hatte er kaum bemerkt, wie jemand sich neben ihn setzte. Es war dieser Blonde, dieser Geliebte von Zig-Zag. Sie hatten wohl vorher noch ordentlich gepoppt, er konnte das Sperma gerade zu riechen. Rion verengte die Augen. Dieser Kerl hatte völlig verquollene Augen und versuchte wohl irgendwie zu grinsen. Muskulös war er ja nicht gerade. Aber mager auch nicht. Und er war groß. Und blond war er. Und blaue Augen hatte er. Rion errötete. Er stierte ihn jetzt bestimmt schon einige Minuten lang an, ohne ihm geantwortet zu haben.
"Excusez-moi.. mais mon français n'est pas bien.."
Aus seinem eigenen Munde klang das Französisch grässlich, das wusste er. Für fremde Sprachen hatte er sich nie wirklich interessiert. Für andere Dinge, aber in Sprachen hatte er sich wohl gehen lassen. Jetzt schämte er sich wohl dafür. Wie hiess der Junge doch noch mal? Irgendwie hatte er das im Laufe des Abends auch verdrängt. Aber - Anstand. Dann war er eben ein Fremder. Und sie führten eine Konversation - ganz einfach. Franzosen waren doch allesamt irgendwie vornehm. Also konnte man mit ihm reden. Hoffte er.

"Je m' appelle Rion. Quel est ton nom?"

Er musste ihn einfach weiter anstarren. Ihm fiel erneut auf, wie sehr er helle Augen mochte. Vor allem in Kombination mit Blond. Rions eigenes Gesicht war genauso rot vom Weinen wie das seines Gegenübers. Seltsame Situation. Er wischte sich eine Haarsträhne weg. Und er wusste ganz, ganz genau, dass dieser Junge absolut auf Schwänze stand. Auch komisch. Sein Blick glitt unweigerlich zwischen die Beine des Anderen. Rion schluckte. Ihm wurde heiss. Seine Wangen wurden rot. Und ganz warm. Er legte sich selbst eine Hand an die Wange, um das zu spüren. Dann senkte er ganz, ganz tief den Kopf. Peinlich, dieser Moment. Und dann auch noch eine Franzose. "uhm..."

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