Jetzt musste er doch daran denken, was sein Vater ihm früher eingeprügelt hatte. Wäre er bloss häufiger in die Kirche gegangen, wäre all das hier nicht passiert! Der Junge war sich absolut sicher, dass er zu 100% Schuld am Tod seines Bruders und dessen hirnlosen Kumpanen war. Schliesslich waren es seine perversen, abnormalen Gelste gewesen, die den gestörten, übermenschlich starken Kerl mit den grünen Haaren angelockt hatten. Dass sein grosser Bruder da draussen auf der dreckigen Strasse verblutet war kam ihm verflucht irreal vor. Der magere Junge mit dem blassen Gesicht, der ihn angeschrien und ihn in dieses haus getrieben hatte, war nicht mehr im Raum.
Wie gern hätte Jules sich noch einmal von dem Kerl anschreien lassen! Selbst wenn es in einer fremden Sprache geschah, so waren die Worte doch zumindest an ihn gerichtet! Gerne wollte der junge Franzose getreten, gefoltert und gefickt werden, wenn es nur ihm galt. Keiner der hier Anwesenden konnte seine Sprache verstehen und der furchterregende Gedanke, dieser Spinner mit den giftgrünen Haaren, der ihn erst so innig geliebt und dann ebenso leidenschaftlich Menschen auseinander gerissen hatte, könne sämtliche Franzosen getötet haben, liess sein Herz gefrieren. Immer noch schluchzend und zitternd wankte der Junge nach draussen und lief dabei beinahe in den Mann mit den langen, feuerroten Locken hinein. Hm, wie gut der Kerl roch, obwohl er doch voll fremden Blut war.
Unwillkürlich leckte Jules sich über die Lippen als er nach draussen trat. Er konnte nicht anders, es war schon immer in seinem Blut gewesen und sein eigener Bruder hatte ihn dafür gehasst. Seine blassblauen Augen glitten zur Seite und scannten dabei den dünnen Kerl, der da zusammengekauert an der Wand sass. Wie gut dem anderen diese Verzweiflung stand! Ohne den Grund dafür zu kennen fühlte Jule sich sofort zu Rion hingezogen. Ganz selbstverständlich liess er sich gemächlich neben ihm nieder. "Nous sommes perdus, hein?" flüsterte er dem anderen grindens zu. Sein Gesicht war immer noch von Tränen verquollen und dennoch zog er die Mundwinkel nach oben und wollt einen fröhlichen Eindruck hinterlassen. Ihm war zum Kotzen zumute.
Irgendetwas sagte ihm, es bestünde eine ganz geringe Wahrscheinlichkeit, dass zumindest der blasse arsich aussehende Typ hier ein wenig Fremdsprachenkenntnisse besässe. Zusätzlich gab es da noch etwas anderes, das Jules veranlasste ausgerechnet Rion so scheu anzulächeln. Das konnte er spüren.
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