Unglaublich erschöpft wie er war, konnte er kaum wahrnehmen, wie all seine Freunde um ihn herum sich sorgten und ihn umschwirrten. Es war alles unglaublich mühselig, anstrengend und er wollte nur noch schlafen, die Augen schliessen und vergessen.
Wenn er um sich blickte, waren nur weite, goldene Felder in seiner Sicht. Er breitete die Arme aus, der warme Wind umflatterte sein Hemd. Die Augen schliessend atmete er die herrliche Luft der Heimat ein. Stechende Sonne, seine Haut versengend. Er liess sich fallen, nach hinten. Die Sicherheit umklammerte seinen Leib und er fiel weich in die glühenden Felder hinab, umgarnt und umarmt von den Ären, die golden waren wie sein Haar. Die untergehende Sonne verbrannte seine dunkle Haut und er lachte aus vollem Herzen jener Liebsten entgegen. Das Bellen seines geliebten Kleinen schellte durch seine Ohren, der Hund sprang ihn an und leckte ihm kreuz und quer übers Gesicht. Er umarmte den Köter, wälzte sich durch das Gestrüpp. Knüpfte sein Hemd auf, denn es war unendlich heiss. Mit halb nacktem Oberkörper erhob er sich und blickte dem Abendlicht entgegen. Ein Schaf war ausgerissen, der Zaun war zerstört. Mit seinem Werkzeug und seinem liebsten Begleiter machte er sich auf, ihn zu reparieren, sonst würde Vater wieder schreien. Wie ein kleines Kind stürmte er durchs Feld, ohne zu stolpern und sprang dem Abendrot entgegen. "YAY!"
Ziggy schwitzte im Schlaf. Er hatte Fieber.
Die Schwüle des neuen Landes machte ihn benebelt. Die schönen Frauen raubten ihm die Sinne. Die wunderherrlichen Negerinnen und die Einheimischen, die Haut hatten wie pures Karamell. Er band sich ein Tuch um die Stirn. Ihm war nun ein Schnurrbart gewachsen. Er fühlte sich unglaublich stark und männlich, wie er durch die Strassen spazierte, völlig betrunken mit seinen Freunden. Er war nun Pirat. Ein richtiger Smutje. Jede Frau gehörte ihm. Und die Welt gehörte ihm. Der Geschmack und Geruch von Salz klebte in seinen Haaren und seiner Haut. In seinen Lippen klebte eine Zigarre. Da sah er sie. Durch eine Gasse flitzen. Sie hatte wunderschönes, verfilztes Haar und Augen schwarz wie Teer. Ihre Kleider waren Fetzen. Sie hatte den Anschein einer Göttin im Kleid einer Hexe. Er blieb stehen. Und sein Herz zuckte, zog sich zusammen wie zu Krampf. "Alter, was los?" Doch er antwortete er nicht. Er musste rennen. Er musste IHR nachrennen!
In den frühen Morgenstunden zuckten seine Augenlider wie vorbeizischende Rennwagen. Er musste ihm Schlaf würgen und seine Wunden brannten sich bis in seine Träume hindurch.
"WARTE!" Und wie er rannte, so war er noch nie gerannt. Liebste, oh Liebste, renn nicht vor mir weg! Doch in seinem Traum rannte er immer weiter, durch das Dickicht der Pflanzen, hindurch durch das Grün und Schwarz, bis nichts mehr war. Und er war ganz allein. Niemand war mehr da. Sie war nicht mehr da. Und er sank zu Boden. Und nichts war dort mehr, nichts. Ganz alleine war er nun. Umgeben von unglaublicher Schwärze.
Schreiend erwachte er. Hielt sich den Hals. Ihm war, als müsste er spuckte. Tränen stiegen in seinen Augen auf. Zitternd griff er in seine Tasche, doch dort waren nur Krümel. Er fiel von seinem Bett auf den Boden. Suchte nach Stoff. Seine Augen waren Rot und er hustete stark.
Er fand den Joint, den Kya liebevoll neben seinem Kopfkissen platziert hatte und zündete ihn gleich an, nahm einen tiefen Zug. Seine Augen voller Tränen. Es war noch dunkel. Kya schlief an der Wand und Francis war nicht zugegen. Ziggy schloss die Augen. Zog tief ein. Mit seinen vermeidlich noch übrig gebliebenen Kräften liess er sich neben dem Loren nieder und weckte ihn mit einem Ellbogenstoss, drückte ihm dann den Joint zwischen die Lippen. Unglaublich müde, wie er war, lehnte er den Kopf an Kyas Schulter. So sassen sie nur da und rauchten den Joint, bis nichts mehr übrig war. Die Sonne ging auf. Der Raum füllte sich mit Menschen.
Er bekam kaum etwas mit. Alles schmerzte. Er wischte sich die Tränen weg.
"Danke. Wenn ich nichts zu rauchen hätte, würd' ich durchdrehen. Was auch immer das für Kraut ist..", hauchte er Kya ins Ohr und musste lachen.
Schließlich betraten Rion und der Franzose den Schauplatz des Geschehenes. Rion hielt die Hand des Blonden. Ziggys Augen verengten sich für einen Moment, doch dann liess er den Blick wieder sinken und schloss die Augen, immer noch an Kya gelehnt.
"Frühstück..? Sicher... macht es euch selber. Ich hab' heute keinen Bock."
Mit diesen Worten stand er mehr schwankend als gefestigt auf, hielt sich kurz an der Wand und blickte zu dem kleinen Loren herunter.
"Ich geh' um den Block. Kommste mit? Ich brauch frische Luft..."
Mit diesen Worten verliess er den Raum.
Draußen hatte der Nebel sie erschlagen. Wie scheusslich. Um diese Jahreszeit gab es nie Nebel. Doch die Welt mochte schon so unglaublich zerstört sein, dass es im Hochsommer Nebel gab. Die Landschaft jedoch unglaublich schön. Weinberge umgeben von dichtem, nassem Grau. Aus der anderen Tasche zog sich Ziggy eine normale Zigarette heraus und stecke sie an. Tief in seinem Gesicht hingen seine Haarsträhnen. Schwankend begab er sich in den Nebel. Mochte er ihn doch verschlingen....
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