Mittwoch, 29. Juni 2011

Zig-Zag - Surrender


Schwere Dunkelheit presste sich ihm von oben auf seine schweren, pochenden Augenlider. Weit weg entflammten in einem kurzen Zischen Bilder und verschwanden wieder in sämigem Rauch. In seinem Kopf explodierten Sterne und Planeten, er füllte sich qualvoll mit Blut und unendlicher Druck stach in seine Schläfen.
Seine Finger begannen zu zittern, seine Lenden, seine Brust bebte, es war ihm, als wäre die Luft aus Eis, gefroren und sein ganzer Körper war umhüllt von Kälte und Frost. Messerstiche, die ihn durchbohrten und er zuckte, um nicht zu erfrieren - und seine Zähne stießen auf einander.
Auf dem Boden gekauert fand er sich wieder, zerschlagen und nackt, wie ein hilfloses Kind. Es war, als hielten unsichtbare Ketten ihn am Boden fest, unmöglich, sich wirklich zu bewegen, alleine nur das Kinn zu recken liess ihn qualvoll aufstöhnen. Was war geschehen? War es denn jetzt also endgültig vorbei?
Es war ihm, als würde er Schluchzen. Tränen rollten seine Wangen herunter. Es war ihm auch, als hätte er lange nicht mehr so klar denken können, wie jetzt. All der Rausch, das schöne, wohlige Dasein im Schatten des Verdrängens, erreichte ihn nicht mehr, er war so nüchtern wie lang nicht und all die Gedanken, all der Schmerz kroch von unten aus seiner Brust hoch, drückte und brannte und entwich ihm als nasses Salz aus den Augenwinkeln. Sich noch mehr zusammenkauernd wollte er schreien, doch seine Stimme versagte. Die körperlichen Schmerzen waren schier unerträglich, es zerriss ihn in tausend Stücke. Doch schlimmer, widerlicher als diese war nur das Gefühl der unendlichen Einsamkeit, wie ein Dolch in ihm wühlend. Was war mit ihm geschehen? Warum!? WO war seine Kraft? Wieso konnte er nicht aufstehen, sich nicht wehren gegen Kälte und Schmerz, warum konnten die brennenden Erinnerungen, Gedanken, Vorwürfe in seinem Kopf, die sich nun mehr anhörten wie tausend schrille, klagende Kinderstimmen nicht still werden, ihn zufrieden lassen? Er wollte doch nicht sterben.. jetzt noch nicht und später nicht. Die Dunkelheit um ihn herum schien sich zu bewegen, schien plötzlich Arme und Finger zu haben, fast menschlich, doch tropfte von jenen Finger schwarzer Schleim herunter, verschmolz mit dem Schatten und formte daraus wieder neue, lange, drahtige Finger, Hände und Arme, bis schließlich Wesen groß, dürr und Gesichtslos sich erhoben und nach ihm griffen. Sie stöhnten schrill und jaulten, weinten, umfassten seine Beine, seine Arme.
In völliger Panik brüllte er sie krächzend, stimmlos an, seine Kehle staubtrocken. Er versuchte nach ihnen zu greifen, sie zu packen und von sich zu schleudern, doch es schien vergebens, der riesige Ozean aus Schwarz fiel über ihn her, als wollte er ihn aufsaugen. Seine Augen weiteten sich vor Angst, als die Schatten ihn umschlossen und hineinsaugten in ihr Meer aus Nichts. Wie eine riesige Decke, die sich auf ihn legte, schwer, unendlich heiss, so dass er Schweiss ihm nur so aus den Poren gepresst wurde. Er liess los. Er hatte keine Kraft mehr sie von sich zu drücken, sich zu wehren. Müde wurde er, so müde und so schwer. So unendlich schwer.

Das letzte Bild, dass ihm durch den Kopf schoss war die Erinnerung an ein bildhübsches Mädchen, mit glatten, ordentlichen dunklen Haaren. Sich vor seinen Augen manifestierend, wie eine Halluzination, bückte sich eben jene Schönheit hinab zu ihm und lächelte. "Es ist noch nicht so weit. Du darfst noch nicht gehen. Du hast versprochen, auf ihn aufzupassen." Sie stupste seine Nase an. Völlig baff starrte er auf ihre riesigen Möpse. "Ja.. Ja.. Sheila... ja... ich weiss... du hast recht..." Er stammelte. Sie packte ihn an den Schultern, immer noch so furchtbar süß lächelnd. Doch irgendwas, irgendwie war ihr Blick verstörend.
"Bist du.. bist du wütend..? Ich hatte nicht vor.. zu sterben.."
Er lachte leicht. "Was ist... wieso.. sagst du nichts mehr...?"
Und ihr Gesicht, so wunderschön und edelmütig wie es eben noch war, wurde mit einem Mal zu einer riesigen, verzerrten Fratze, ihre schönen Augen größer, sich weitend, ihn anstarrend, zu glühenden Feuerbällen, Ihre Finger wurden Krallen, die sich in seine Haut bohrten, doch sein Schreien half nichts, bis zu den Knochen drückte sie sich in ihn hinein, mit einem heftigen Stoß, so dass sein Blut spritzte und spritzte - und als die messerscharfen Zähne der immer größer werdenden Kreatur sich in das Fleisch seines Halses und hindurch bohrten war es aus.

"AAH!" Mit einem Aufschreien, sein Herz pochte viel zu schnell in seiner Brust, der Schweiss stand ihm kalt auf der Stirn und es schwindelte ihm, hatte er sich aufgerissen auf dem Sofa, knallte vor Schwäche wieder zurück. Alles drehte sich vor seinen Augen, alles schmerzte, er schnaufte, hechelte, beugte sich zur Seite und musste kotzen. Er kotzte und Tränen flossen sein Gesicht herunter, unentwegt. Zitternd wie Laub, sich wieder beruhigend presste er die Wange, hochrot, gegen die weiche Polsterung. "Fuck.. ich versuche nie wieder.. zu sterben...", flüsterte er zu sich selbst und schloss kurz die Augen. Schnaufend, schwer und müde und fast betrunken vor Verwirrung, Durst, Hunger und Schmerz kam ihm nichts real vor. Wo war er? Glühende, fürchterliche Augen starrten ihn von allen Seiten an. Menschen, Personen, die er nicht zuordnen konnte. Sie machten ihm Angst. Er fühlte sich wie ein kleines Kind, umzingelt von wilden Tieren. "Geht.. geht weg von mir! HAUT AB!", krächzte er und wollte schon um sich schlagen, doch er knallte hinunter vom Sofa und blieb liegen, weil er zu schwach war, aufzustehen. Seine Haare also in seiner eigenen Kotze und er völlig tränenverschmiert mit dem Gesicht auf dem Fussboden. Fuck. Jetzt wäre er wirklich lieber tot.

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