Dienstag, 14. Dezember 2010

Rion - shivering attack

Er zuckte zusammen, liess fast seine Waffe fallen. Francis Arme hatten sich um ihn geschlungen, sein warmer Körper presste sich rücklings gegen sein eigenes, schwächliches Selbst, die Knie wurden dem kleinen Briten weich wie Gelee, für einen Moment hielt er den Atem an. In dunkelster Schwärze, wie in einem Loch versinkend war dieser Augenblick wie in Eis gefroren und er war kaum in der Lage, mehr als Francis' warmen Hauch, seinen ruhigen, schweren Atem an seinem Nacken auflirren zu spüren, so dass die Härchen sich ihm aufstellten und eine Gänsehaut ihn überzog. Fast erstickend, nicht fähig mehr nach Luft zu schnappend, senkte Rion zitternd den Kopf und auch die Waffe, während um ihn herum die Welt wie in Lichtgeschwindkeit in flimmernden, zuckenden Schatten und Bildern vorbeizog, wie in einem schlechten Film. Sein eigenes Herz pochte lauter als gewollt, nun kam ihm schließlich in einem kurzen Raunen ein erstickter Luftzug über die Lippen, er musste die Augen schließen, ihm ward schwindlig geworden. Fast schon gewaltsam drückte er sich weg von Francis, fasste sich an die Stirn. Ganz duselig bemerkte er, dass sein Magen knurrte und wurde rot vor Scham. Vor Angst, Francis hatte ihn gehört, drehte er sich schnell zu ihm, blickte sich um und erschrak. Wo.. waren sie hin? Er war für einen Moment weggedriftet. Die braunen Augen seines Gegenübers lagen mit ihrem Blick ruhig und wohlig warm auf seinem eigenen, hochroten Gesicht.
"Fass mich nicht noch mal an!"
Doch er verkniff sich diesen Satz, biss sich auf die Unterlippe und hoffte, dass sein ihn erdrückender Hunger und die pochende Erregung in seiner Brust, die schmerzhaft ihm die Atemwege verengte, beides unselige, widerwertige, vermeidbare Gefühle, ihm schnell vergingen.
Ihm war immer noch schlecht, er konnte schon wieder kotzen.
"Du.. du bist verletzt.... jemand... ich.. ich muss dich verbinden.... ... Steh nicht herum, komm jetzt, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!"
Mit diesen Worten, die Hände verkrampft und die Waffe sich wieder in die Halterung steckend verliess er wackelig das Zimmer und lief ohne großartig auf Francis zu warten in das Zimmer, in dem sie ihre wichtigsten Sachen bereits verstaut hatten. Ein Rucksack mit Verbandsmaterial, ein wenig Alkohol zum desinfizieren von Wunden, die Essensvorräte lagen in einem ehemaligen, staubigen Schlafzimmer, dass du klein und zu dunkel war, um sich darin wohlzufühlen. Die Würmer hatten Löcher in das marode Holz gebohrt, man mochte meinen, die Balken über einem, die ohnehin schief und kram die Decke stützten, würden jeden Moment auf einen einstürzen. Rion blieb vor dem von dichtem Grau bedeckten Bett stehen, ging auf die Knie, wühlte in den Taschen, kramte Verbandszeug heraus. Im Zwielicht der fahlen Strahlen, die durch die vernagelten, verbretterten Fenster hineinspähten wirkte er wie ein schwarzer Fleck, ein Schatten, düster und passend in diese leere Finsternis. Sein abgemagerter Körper war zu sehen, seine herausstehende Wirbelssäule, als er sich nach vorne bückte und der Pullover ihm hinaufkroch, ganz aus versehen. Als Rion sich erhob saß der Lockenkopf schon neben ihm auf dem Bett. Erschrocken aufjappsend liess der Brite das Zeug in seinen Armen fast fallen. Er stand absolut neben sich, diese Aussetzer wurden immer schlimmer. Er bemerkte gar nichts mehr um sich herum.
Weitergrübelnd erstarrte er jedoch im selben Augenblick, als vor ihm der Größere sich mühevoll das Oberteil vom Körper streifte. Wie angewurzelt am Boden glotzte er nur auf den muskulösen Oberkörper, der zu dem Mann gehörte, der da vor ihm breitbeinig auf dem alten Bett saß.
"Wa.. was tust du da...?"...... "Ach.. ach so.. ja... natürlich..".... "Rutsch mal... nach hinten..."
Stammelnd und das Gesicht dem Boden entgegengerichtet kniete sich Rion vor Francis auf das Bett, sich vor das Bett zu knien wäre umständlich gewesen, er war zu klein, um Francis von dort aus verbinden zu können.
"Kannst du.. deine Arme heben..?"
Ohne ihm in die Augen zu blicken begann er, den Verband möglichst straff um den Brustkorbs seines Gegenübers zu schlingen und zu wickeln, so gut er konnte und mit der Stärke, die seine zierlichen Hände mit den langen Fingern ihm eben erlaubten. Kurz erstarrte er mitten in der Behandlung, als der Blick auf seine eigenen Hände fiel. Sie waren rau, voller Blasen. Sie waren völlig, völlig ungeeignet, um jemals wieder Piano zu spielen.
Ihm war wieder kotzübel. Wie besessen gaffte er seine Finger an. Sie waren so abscheulich, so abartig hässlich. Der Junge verfiel in ein unermessliches, unkontrollierbares Zittern und jappste nach Luft. Scheisse...!

1 Kommentar:

  1. Nur denkt daran, das Klavier in der Haus ist gebrochen, in Stücken und die Bruchstellen sind frisch... also wahrscheinlich von den Monstern. ;)

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