Freitag, 21. Januar 2011

Rion - selflessness

Vor Jahren war er schon hier gewesen, hier, im südlichsten Eck Deutschlands, an der Grenze zu Frankreich, wo sich ein unbeschreiblich abgelegener Winzerort an den nächsten reihte. Sein Vater hatte große Angst vor Flugzeugen gehabt und ebenso fürchtete er sich vor der Mitte der 10er erbauten Untergrundbahn, die Europa mit Großbritannien durch einen Unterwassertunnel verband. So nahm also seine Mutter, die liebliche und starke Flora-Mel den jungen Noctiserben mit auf ihre, wie sie meinte, lebenswichtige Reise durch die Welt. Jeden freien Tag, den sich die Herrin des Hauses nehmen konnte, durfte Rion an der festen Hand seiner Mutter die wundervolle Welt in ihren einzigartig bunten Farben hautnah erleben. In Indien waren sie gewesen, im Kongo, Japan, die chinesische Mauer, Russland, die Staaten, Europa in seiner vielfältigen Pracht aus italienischen Gondeln und deutscher Gutbürgerlichkeit. Er erinnerte sich gut, an die hohen Berge übersät mit Weinreben, in vollkommenem Grün der unterschiedlichsten Farben gehalten, die Ruhe, die über diesen Orten lag, wie heilvoller Balsam aus Blüten und duftender, satter Natur gehüllt in, wie es ihm damals vorkam, unbeschreiblichem Sonnenschein.
Hier, auf dem Weg durch dieses oft kontroverse Land musste er fast Kotzen, jedes Mal, wenn er sich erinnerte. Ihm war die ganze Zeit nur schlecht und er starrte unentwegt auf den Boden. Die Anwesenheit ihres neuen Gruppenmitglieds machte es zum Teufel noch eins auch kein bisschen leichter. Dieser Typ war Rion mehr als suspekt. Er wusste nicht genau, WAS es war, aber irgendetwas an diesem Kyanousch, der wohl ein Mischling aus persischem Nomaden und dämlichem Störenfried war, irritierte ihn aufs heftigste. Warum mussten die Zwei auch jeden Deppen mitnehmen, den sie irgendwo fanden? Vor ALLEM, weil dieser Kya sie auch noch in schwerste Lebensgefahr gebracht hatte. Rion sprach die ganze Wanderung kein einziges Wort, Wut glühte in seinem Bauch, es war ein brennendes Gefühl, dass ihm hoch in die Kehle stieg. Ab und zu machten sie Pausen, als würden die anderen glauben, seine Füße täten weh. Er weigerte sich nicht, hockte sich auf den kargen, brachen Boden und drückte das Gesicht in seinen Rucksack. Die unendliche Einsamkeit frass ihn auf. Jetzt, wo er sich gerade an sie gewöhnt hatte, an diesen Amerikaner und seinen Freund, jetzt wurde diese zarten Bande durch jemand völlig Fremden in Stücke gerissen, einem Menschen, dem es völlig gelang, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

"Mutti, ich wusste gar nicht, dass die Sonne so lang am Stück scheinen kann!"
"Wir sind hier ja auch nicht in London.... schau mal, was für ein lustiger Hydrant!"
"Der macht mir Angst,,,,,"

Völlig in seine Gedanken ver
sunken hatte er kaum bemerkt, dass sie anderen stehen geblieben waren. Vor ihnen lag ein Ort und durch Rions trüben Schleier von einem Blick, vernebelt von Gefühlen der tiefsten, abscheulichsten Art, war es ihm nicht gelungen, das Schild zu entziffern. Erst, als Francis den Namen so völlig widerwärtig aussprach, zuckte es in ihm. Er war schon ein Mal hier gewesen.
Der Ort war völlig verkommen. Sie hatten ein Mal hier übernachtet, glaubte er zu meinen. Es war eine absolute Geisterstadt, die Straßen waren zerstört und zerstückelt worden, übersät von Schlaglöchern. Die Fenster waren eingeschlagen und mit Brettern wieder zugenagelt worden Es war abartig hier. Er lief in den Ort hinein, den Rucksack fest an den Rücken gepresst und an sich gezogen blickte er sich um, nach links und nach rechts. Es lag eine heidnische Stille über dem Ort. Er betrachtete den Boden. Widerwärtig, was aus der Welt geworden war. Rion schluchzte, biss sich auf die Unterlippe. Warum? Warum waren Menschen zu so etwas Grauenhaftem in der Lage. Der Brite kickte einen Stein mit seinem Fuß beiseite. Ohne zu überlegen spazierte er weiter, seine weit aufgerissenen, traurigen Augen suchten nach Leben in diesem Ort. Und da stockte er plötzlich. Ihm drehte es den Magen um, verängstigt und angeekelt starrte er ihn an. Den Hydranten. Den lustig bemalten Hydranten.

"WARUM ZUM TEUFEL BIST DU NOCH HIER!?", schrie er das Ding an und kickte mit voller Wucht dagegen, schrie auf und krachte vor Schmerz fast schon heulend auf dem Boden zusammen. Das Ding war hart wie Zement! Rions Füßchen dagegen nicht. Schniefend hielt er mit der Hand seine Zehen umklammert, als er Stimmen vernahm. Männerstimmen. Wie vom Blitz getroffen, das Adrenalin schoss wie Gift in seine Adern, stieß er sich vom Boden an, blickte sich panisch um. Schritte! Sie kamen näher, Männer die lachten und mit starkem Gang die Straßen zum Beben brachten. Wo, Wo, WO SOLL ICH MICH VERSTECKEN!? Bilder schossen in seinen Kopf. Nein, nein, keine Soldaten, keine Soldaten! Er war sich in eine Gasse hinein, mit dem Rucksack voraus, krümmte sich im Schatten zusammen und hielt die Luft an. Bitte, bitte, seht mich nicht!

"Echt geiler Fang, den wir da gemacht haben!"
"Jaaaa... Endlich mal wieder ordentlich was zum Ficken!"
Sie lachten.

Ihre Schritte halten an Rions Versteck vorbei. Sie hatten ihn nicht bemerkt. Fast schon grün vom Sauerstoffentzug wartete er noch einen Moment ab, packte dann sein Zeug und stürmte aus der Gasse hinaus nach draußen, in die Richtung, aus der die Soldaten gekommen waren. Kopf nach links, nach rechts, er schnaufte. Wie vom Teufel getrieben suchte er etwas, er wusste nicht was und ahnte nicht, was er zu finden hoffte. Ein Summen vernahm er. Zusammenschreckend spürte er den Drang zu folgen. "Hey!" Die Gefahr, von den Penisgesteuerten Kriegern gehört zu werden, war groß. Doch das Blut pochte durch seinen Kopf, sein Denken war begrenzt. Das Summen verstummte. Plötzlich war stille. Da erblickte der Brite es. Ein Häuschen, klein und schief, mit vergitterten Fenstern, ein Schatten bewegte sich dahinter, wich vor der fremden Stimme zurück. Rion umklammerte seine Uzis am Gürtel. "H.. hey..!" Er lief zu dem Schuppen, umgriff die Gitterstäbe und versuchte zu erahnen, was darin verborgen war. "Keine Angst.. ich..." Fuck. Er musste es auf deutsch sagen. "... Ich..... komme in Frieden..?" Ihm ward übel von seiner eigenen schlechten Aussprache. Doch der Schatten schien sich zu bewegen. Rote Locken umspielt vom Zwielicht des dumpfen Sonnenlichts, ein Gesicht kam zum Vorschein, übersät von Sommersprossen. In ein pastellroséfarbenes Kleid gekleidet blickte ihn aus dem düsteren Raum, durch die Stäbe hindurch ein verängstigtes Wesen an. Rion starrte zurück. Blinzelte. Verzog das Gesicht. "Ach du meine Güte...", sprach er wieder auf Englisch. "Diese Schweine haben dich gezwungen, ein Kleid anzuziehen? Und ich dachte, ich hätte die übelsten Sachen schon erlebt.." Er sah sich um. "Wo ist die Tür?" Er rüttelte an den Gittern. "Die müssen doch hier irgendwie raus und wieder rein kommen...... " Er liess vom Fenster ab. Irgendwo musste der Eingang sein. Um das Haus herumlaufend entdeckte er eine kleine Tür, die versperrt war. Er trat dagegen, doch er war zu schwach. "DAMN!" Wie von unbändiger Wut geleitet zog er seine Knarre zu schoss das Schloss in zwei Teile. Er würde diesen Mistkerlen, diesen Schweinen, diesen WIDERLINGEN bestimmt kein Spielzeug hier lassen! Nein, BESIMMT NICHT! Diese Männer verdienten alles, den Tod, Verderben, einen Pfosten in den Arsch! Aber bestimmt kein unschuldiges männliches Wesen, an dem sie sich vergehen konnte! Der Brünette stürmte in den Raum hinein. Der Rothaarige war angekettet. Ohne zu überlegen drückte er ab, die Kette, die am Bein des Fremden befestigt war, zerplatzte in hundert Teile. "Du bist frei..", schnaufte Rion, fuhr sich durch das tatsächlich verschwitzte Stirnhaar. Was tat er hier? Er liess den Kopf sinken. "Wir... sollten abhauen... schnell..!" Er hob den Blick wieder. "Sie kommen bestimmt gleich wieder! Pack dich, wir müssen hier weg!"

2 Kommentare:

  1. Tz tz, wenn Kya das hört, dass man ihn als persischen Nomad bezeichnet, wird er stundenlanden Diskurs darüber halten, wie die Loren Meder und keine Perser sind. XXD

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  2. Vitalis Kommentar dazu wäre einfach nur: ".. scheiss Araber" >:)

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